Wenn es stark regnet, „leckt“ das Wasser an den Grundstücksgrenzen der Anlieger der Flugplatzsiedlung und bei manch einem muss immer wieder der Keller leergepumpt werden. „Dafür kriegen Sie keine Elementarschadenversicherung“, sagt Anwohner Alfred Jansen. Die Siedlung ist besonders von Hochwasser betroffen, weil sie direkt an der Niers in der natürlichen Senke des alten Niers-Auenlandes, in einem früheren Sumpfgebiet, liegt. „Durch die Kombination aus topografischer Tiefpunktlage und den umliegenden Barrieren – künstlichen wie natürlichen – befinden sich die Gebäude in einer klassischen Zangenlage,“ sagt Stephan Wilms, der nicht nur Anwohner, sondern als Sachverständiger für Oberflächenbehandlung und Oberflächenschutz von Bauwerken, Abdichtungen und Schimmelschäden auch „vom Fach“ ist. Neben den oberirdischen Niederschlagsrisiken führe das zu einer dauernden Bedrohung durch drückendes Grundwasser und hydrologische Gefahren an den Fundamenten und Kellern der Häuser.
Viele ältere Gebäude hätten zudem keine richtigen Bodenplatten, sondern seien in den 60-er und 70-er Jahren mit „Magerbeton“ gebaut worden, der mit Sand gestreckt wurde.
Einige der Anwohner hätten an die Stadt und auch an den Niersverband geschrieben, aber entweder gar keine Antwort bekommen oder eine, die unbefriedigend war, so Alfred Jansen und Stephan Wilms, die stellvertretend für die Betroffenen der in der Gründungsphase befindlichen Bürgerinitiative mit dem Extra-Tipp gesprochen haben. Die Lage spitze sich zu, je mehr Flächenversiegelung durch benachbarte Gewerbeflächen dazu käme. Von einer „hydraulischen Kettenreaktion“ ist die Rede, wenn Wasser ungedrosselt von großflächigen Industriedächern abgeführt werde, gleichzeitig der Pegel der Niers steige und das Oberflächenwasser in der Senke nicht mehr weichen könne. Dann drücke der Fluss zurück und es gäbe einen rasanten, unkontrollierten Grundwasseraufstieg, direkt unter den Fundamenten der Wohnhäuser. „Besonders kritisch ist dieser sogenannte Wanneneffekt“, sagt Fachmann Wilms, selbst wenn die Sturzfluten abgeklungen seien, bleibe der hydrostatische Druck auf einem kritischen Niveau – ein große Gefahr, vor allem für ältere Bestandsgebäude mit besagten Bodenplatten aus Magerbeton. „Für ältere Gebäude bedeutet das, drückendes Wasser im Kellerbereich, Feuchtigkeitsaufstieg im Mauerwerk mit im Extremfall statischen Risiken.“ Alfred Jansen wohnt etwas erhöht in einem neueren Haus, in Sachen Bodenplatte muss er sich keine Sorgen machen, er fürchtet aber um die Wertminderung seiner Immobilie.
Starkregenereignisse, weitere Gewerbeansiedlungen, und der Stillstand der Pumpen von Rheinbraun, die in ein paar Jahren abgestellt werden, besorgen die Siedler ebenso, wie der marode, durch Nutrias ausgehöhlte Deich.
„Regenrückhaltebecken reichen da nicht aus, es müssen feste Regenrückhaltetanks her“, so Wilms, die im Übrigen auch Löschwasser für die Feuerwehr bereit halten könnten. Die Anwohner fordern unter anderem ein klares Umdenken der kommunalen Planungsbehörden und des Niersverbandes. Ein reiner Objektschutz durch Sandsäcke und Barrieren greife zu kurz, da das Wasser von unten das Mauerwerk bedrohe. Die Bürgerinitiative fordere im Vorfeld ihrer Gründung einen strikten Aufschub für weitere Flächenversiegelungen im Oberlauf und die Verpflichtung der Gewerbetreibenden zu stufenförmigen großformatigen Regenrückhaltesystemen, um die Siedlungssenke zu entlasten. „Der Schutz der Bürger und ihres Hab und Gut muss vor allem anderen stehen“, sagt Stephan Wilms, der zudem moniert, dass die alten Kanalrohre aus dem Jahr 1938 außerdem auch noch Risse hätten, durch die Abwasser ungehindert ins Erdreich gelange. Auch das steht in einer Stellungnahme der Siedlergemeinschaft an Stadt und Niersverband.