Kalle* über seine Trunksucht und wie ihm die Anonymen Alkoholiker geholfen haben Die Kraft, trocken zu bleiben

Mönchengladbach · Zwei bis drei Prozent der Deutschen (Ü18) sind alkoholabhängig, 15,3 Prozent weisen riskanten Alkoholkonsum auf. Durchschnittlich 18 Prozent trinken mindestens einmal im Monat bis zum Rausch. Die Zahl der alkoholbedingten Todesfälle liegt auf hohem Niveau, die Dunkelziffer nicht eingerechnet. Einer, der es aus der Suchtspirale herausgeschafft hat, ist Kalle*. 38 Jahre ist er „trocken“, auch dank der Anonymen Alkoholiker in Mönchengladbach.

Im Alter von 16 Jahren hat er angefangen zu trinken, seit 38 Jahren ist Kalle* (66) trocken – und heute ein wertvoller Ratgeber in der AA-Gruppe.

Foto: Petra Käding

Die ersten Biere, die er wegen der Wirkung getrunken hat, obwohl ihm Bier damals, mit 16, gar nicht geschmeckt hat. Der Vater, selbst Alkoholiker, der meinte „Wer arbeiten kann, kann auch trinken!“ Die Mittagspausen, in denen er sich Chantré in die Cola kippte. Die Zeit bei der Bundeswehr, als er „massiv abgestürzt“ war... Kalle* erinnert sich, als wenn es gestern gewesen wäre, Angstzustände, Alpträume inklusive. „Mit 26 hab ich gedacht: Wenn du so weitermachst, wirst du keine 30!“, erzählt er. Mit 26, da war er bereits verheiratet, hatte zwei Kinder – und zu seinem großen Glück eine Frau, die seine Versprechen, mit dem Trinken aufzuhören, nicht länger geglaubt und ihn samt Kindern verlassen hat. „Das hat mich letztendlich gerettet“, sagt er heute. „Das war der Kick. Ich bin zu meinem Hausarzt gegangen, der hat mich in die Klinik eingewiesen, zur Entgiftung und Therapie.“ Dass es ihm gelungen ist, trocken zu bleiben, auch in schwierigen Momenten stark zu bleiben, ist maßgeblich den Anonymen Alkoholikern zu verdanken, wie er sagt. „Die sind schon in die Klinik gekommen, haben von ihren Erfahrungen berichtet und Hoffnung in mir geweckt. Bei den wöchentlichen Gruppentreffen habe ich Hilfe zur Selbsthilfe erfahren. Wichtig ist der Fokus auf das Hier und Jetzt. Statt mich von der Angst vor der Zukunft überwältigen zu lassen, habe ich gelernt, die Verantwortung für die nächsten 24 Stunden zu übernehmen.“

Viele, die sich nach dem Entgiften ohne Unterstützung zurück in ihr normales Umfeld begeben, werden rückfällig, weiß er und warnt: „Alkoholismus ist eine tödliche Krankheit!“ Er hat es schmerzlich in der Familie erfahren. Seine Schwester ist mit 36 Jahren an Alkoholismus gestorben.

Dass Alkohol für ihn heute keine Rolle mehr spielt, darauf ist er stolz. Vor allem aber will er zurückgeben, anderen helfen. In seiner AA-Gruppe, zu der er weiterhin wöchentlich geht, nimmt er sich Zeit, zuzuhören und gerade Neuen die Wärme und Herzlichkeit zukommen zu lassen, die auch ihn damals hat bleiben lassen.

* Kalles richtiger Name ist der Redaktion bekannt.