Zum Internationalen Tag der Milchspende Zentrale Milchbank eröffnet

M’gladbach/Rheydt · Am „Internationalen Tag der Milchspende“ haben die Städtischen Kliniken Mönchengladbach am Dienstag, 19. Mai, zu einer ganz besonderen Eröffnungsfeier eingeladen: Zusammen mit Kooperationspartnern hat das „Eli“ in den letzten Jahren eine zentrale Humanmilchbank und ein Netzwerk aufgebaut – mit dem erklärten Ziel: Alle Frühchen und kranken Säuglinge sollen Zugang zu Muttermilch haben!

Bei der Eröffnung der ersten Zentralmilchbank NRWs im „Eli“ (v.l.): Ärztlicher Direktor Prof. Dr. med. Huan Nguyen, Bürgermeisterin Gülistan Yüksel, Geschäftsführer Thorsten Celary, Dr. med. Anja Jaeger, Leitung Zentralmilchbank, Dr. med. Ariane Sporkmann, Oberärztin Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Juliane Walz, Leiterin Projektgruppe „Strukturelle Weiterentwicklung Geburtshilfe, Geschlechterperspektive” vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales Land NRW, Geschäftsführerin Dr. Silke Kühnle, Dr. med. Sabine Keiser, Chefärztin Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Aufsichtsratsvorsitzende Marion Gutsche. Foto: Markus Rick

Foto: Markus Rick (rick)

Etwa acht bis neun Prozent der Babys kommen zu früh auf die Welt – 14 000 Frühgeborene sind das jedes Jahr in NRW. Dazu kommen kranke Neugeborene. Allein im „Eli“ werden jährlich rund 6 000 solcher Babys mit schlechten Startchancen und erhöhtem Sterberisiko betreut, so Dr. med. Sabine Keiser, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin bei der feierlichen Eröffnung der zentralen Humanmilchbank NRW in den Städtischen Kliniken Mönchengladbach mit rund 80 geladenen Gästen aus Politik, Medizin, den Medien.

Für Neugeborene generell um ein Vielfaches wertvoller als Formulanahrung, ist Muttermilch für „Frühchen“ und kranke Neugeborene ganz besonders wichtig. Muttermilch oder „Humanmilch“ ist ein „Superfood“, erklärt eindrucksvoll Dr. med. Ariane Sporkmann, Oberärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. So enthalte Muttermilch viel mehr Inhaltsstoffe als Formulanahrung, helfe, das Mikrobiom und damit das Immunsystem des Babys aufzubauen, fördere die Gehirnentwicklung und senke das Sterberisiko signifikant. Auch Mütter profitierten vom Stillen, denn es senke u.a. das Risiko für Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen, sei also ein wichtiger Beitrag zur Prävention und zur Reduzierung der Kosten im Gesundheitssystem.

Bereits 2023 hat das „Eli“ die erste Humanmilchbank am Niederrhein – zunächst für die interne Versorgung – eröffnet. Dass das „Eli“ u.a. mithilfe eines weiteren Förderprogramms des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, der Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung und ihres Neo-Milk-Projekts, der finanziellen Unterstützung von Zwergnase e.V. (Verein zur Förderung von Früh- und Risikogeborenen) und den Kooperationspartnern, den Neonatologien des Helios Klinikums Krefeld, des Rheinland-Klinikums Neuss und des Bethlehem Gesundheitszentrums Stolberg, den Schritt weiter zum Aufbau einer zentralen Humanmilchbank gegangen ist und viel Zeit und Anstrengung auch in die Stillberatung steckt – für Geschäftsführer Thorsten Celary klar. „Machen!“, habe er gesagt, wie Dr. Keiser verrät, und das trotz mancher Herausforderung wie dem hohen HACCP-Standard für Muttermilch. Denn die Kosten für Humanmilchbanken und Stillberatung seien im Krankenhausentgeltsystem nicht vorgesehen.

Dass sich alle Anstrengungen lohnen, daran zweifelt keiner der Beteiligten. „Mit der zentralen Humanmilchbank schließen wir eine wichtige Versorgungslücke“, erklärt Dr. med. Anja Jaeger, Oberärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und ärztliche Leiterin der Zentralmilchbank.

Und dann sind da zwischen den Vorträgen oder auch währenddessen Babytöne zu hören... Es ist Matteo, vor sieben Monaten als Frühchen mit nur 1 100 Gramm zur Welt gekommen. „Wir haben zehn Wochen um sein Leben gekämpft“, erzählt seine Mama, Alicja Krings. Von der Möglichkeit, Frühgeborene mit Spenderinnenmilch zu ernähren, bis sich bei der Mutter die Milchproduktion eingestellt hat, hat sie vorher nicht gewusst, diese aber dankbar angenommen – und später selbst Milch – stolze 241 Abpump-Fäschchen – gespendet. „Ich wollte anderen Kindern auch die Chance geben“, sagt sie. „Spenderinnenmilch ist auch ein Zeichen von Solidarität, ein Geschenk von einer Mutter an die andere“, so Dr. Jaeger.