Die ersten Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr – vom Vortrag „Was ist Waldorfpädagogik“ bis zur „Malwerkstatt“ – haben bereits stattgefunden, die Vorbereitungen auf das große Fest laufen auf Hochtouren. Die Vorschulkinder des Waldorf-KiGas Hollerbusch in Uedding üben fleißig den „Schubidua-Tanz“, mit dem sie die rund 400 erwarteten großen und kleinen Gäste auf dem 100-Jahre-Waldorf-KiGa-Jubiläumsfest am 30. Mai in der benachbarten Rudolf-Steiner-Waldorfschule begrüßen wollen.
Neben dem Hollerbusch-KiGa, der in diesem Jahr 45 wird, feiern die drei eng mit dem Hollerbusch verbundenen Waldorf-Kindergärten mit: Christian Morgenstern in Willich, Der kleine Wassermann in Viersen und Haus der Sonne in Schwalmtal. Am Jubiläums-Programm haben alle vier mitgewirkt. Da ist diese Verbundenheit, die nach einem Brand im Waldorfkindergarten Viersen, der damals einen sofortigen Umzug der Kinder erforderlich machte, gewachsen ist. Neben dem gemeinsamen Leitbild – der Kindergarten als „Lebensraum der Begegnung und Selbstwerdung, in dem sich Kinder, Eltern und Erzieher in Freiheit an Leib, Geist und Seele wohlfühlen“, teilen die Waldorf-KiGas pädagogische Ansätze wie das Spielen mit Naturmaterialien statt mit fertigen Spielen mit, das Pflegen eines festen Rhythmus mit gemeinsamen Mahlzeiten, Outdoor-Spiel- und Ruhezeiten. „Materialien wie Holz, Steine, ein Seidentuch lösen sinnliche und damit auch kognitive Erfahrungen aus, während Kunststoff vom Haptischen her uninteressant ist“, erklärt Martina Kuhlmann, Leiterin des Waldorf-KiGas Hollerbusch. Statt Kindern das Leben zu erklären, sollen sie das Leben am Leben kennenlernen, durch kreatives, handwerkliches, hauswirtschaftliches Tun und freie Spielzeiten.
Klar, dass es auf einem Waldorf-KiGa-Fest weder Plastik-Hüpfburg noch Kinderschminken gibt, sondern viele tolle, echte Aktivitäten und kreative Angebote wie Stelzenlaufen, Sackhüpfen und Seilchenspringen, Edelsteine suchen im XL-Sandkasten, Kräutersalz herstellen, Butter schütteln und Suppe kochen (mit dem Schnippeldisko-Team), Holzschiffe bauen oder Schmuck aus Wiesenblumen anfertigen. „Die Kinder können viel mitmachen, haben Erfolgserlebnisse, entwickeln Selbstvertrauen“, erklärt Martina Kuhlmann. Für die kommenden Jahre, die sie noch den Hollerbusch leiten wird, wünscht sie sich in Anlehnung an die Lehre der Siebenjahres-Schritte der Anthroposophie, nach dem der Hollerbusch nach 45 Jahren „aus den Kinderschuhen herausgewachsen“ ist, vor allem eins: „dass der Hollerbusch aus seiner Erfahrung schöpfen kann und kreativ für die Zukunft bleibt. Wir wissen nicht, was die Kinder von heute in 30 Jahren brauchen, aber wir wissen, dass sie Kraft und Ideen brauchen werden. Hier entwickeln sie das Rüstzeug, um sich Herausforderungen stellen zu können.“