med:extra „Der Patient muss mitarbeiten“

Viersen-Süchteln · Bei der Schmerztherapie im St. Irmgardis-Krankenhaus setzen Chefarzt Dr. Dirk Mertens und sein Team auf einen ganzheitlichen Ansatz. Auch der Patient ist Teil des Behandlungsteams.

 Chefarzt Dr. Dirk Mertens und sein Team behandeln ihre Patienten auf Grundlage des Bio-Psycho-Sozialen-Schmerzmodells.

Chefarzt Dr. Dirk Mertens und sein Team behandeln ihre Patienten auf Grundlage des Bio-Psycho-Sozialen-Schmerzmodells.

Foto: Andreas Baum

Jeder Mensch macht in seinem Leben Erfahrungen mit Schmerzen. Das ist gut, sogar überlebenswichtig – denn Schmerzen warnen und weisen darauf hin, dass etwas nicht in Ordnung ist: Was aber, wenn der Schmerz anhält, er trotz Therapie nicht beeinflussbar scheint oder immer wiederkehrt? In solchen Fällen sind Dr. Dirk Mertens, Chefarzt der Klinik für Konservative Orthopädie und Spezielle Schmerztherapie am St. Irmgardis-Krankenhaus Süchteln, und sein Team die richtigen Ansprechpartner.

„Der erste Schritt für Patienten, die Schmerzen haben, ist der Gang zum Hausarzt“, erklärt Dirk Mertens. Viele der betroffenen Patienten haben Beschwerden im Bewegungsapparat. Der Hausarzt überweist dann möglicherweise zu einem Facharzt, etwa zu einem Orthopäden. „Wenn der Schmerz aber trotz einer intensiven ambulanten Behandlung noch immer anhält, ist ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus empfehlenswert“, so der Chefarzt weiter.

Behandelt werden in der Klinik am St. Irmgardis-Krankenhaus anhaltende und chronische Beschwerden des gesamten Bewegungsapparates – speziell Schmerzen, die im Zusammenhang mit der Wirbelsäule, den Gelenken und der Muskulatur stehen, sowie Nervenschmerzen, die in den Bewegungsapparat ausstrahlen.

„Die Möglichkeiten einer stationären Therapie sind vielfältiger“, erläutert Dirk Mertens die Vorteile einer Behandlung im Krankenhaus. Die Therapiedichte sei höher und durch die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen werde die Behandlung effektiver. Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Sporttherapeuten, Pflegekräfte und der Sozialdienst sind daran beteiligt, die Therapiemöglichkeiten der Konservativen Orthopädie und Schmerztherapie auszuschöpfen.

Ein weiterer Vorteil: Der Patient hat Abstand. Abstand zum stressigen Alltag, zu Problemen und Sorgen – letztlich Abstand zu einer Belastung, die möglicherweise einen vorhandenen körperlichen Schmerz stark beeinflussen kann. „In Bezug auf anhaltende Schmerzen spielen nicht nur körperliche Ursachen eine Rolle“, so Mertens. „Auch Stress oder seelische Belastungen sowie andere Faktoren können auf körperliche Beschwerden einwirken.“ Gerade bei Rückenbeschwerden sei das oft der Fall.

In der Behandlung chronischer Schmerzen ist daher die Zusammenarbeit in einem interdisziplinären Team besonders wichtig. Es gilt, gemeinsam mit dem Patienten eine individuelle und ganzheitliche Behandlungsstrategie für die vorhandenen körperlichen Probleme, unter Berücksichtigung seiner Persönlichkeit und des sozialen Umfeldes, zu finden und umzusetzen.

Die Grundlage hierfür ist das Bio-Psycho-Soziale-Schmerzmodell. „Es beschreibt, wie biologische Faktoren – die körperlichen Beschwerden – mit psychischen und sozialen Faktoren in Wechselwirkung stehen und sich gegenseitig beeinflussen: verstärken, aber auch zu einer Linderung beitragen können“, erläutert Dirk Mertens. „Und eben, weil das so ist, ist auch der Patient selbst gefragt. Er muss mitarbeiten, offen für Erkenntnisse und auch für Konsequenzen aus diesen Erkenntnissen sein“, macht der Chefarzt ganz deutlich. Wichtig sei nicht nur eine Behandlung, um Schmerzen zu lindern oder bestenfalls komplett zu vermeiden, sondern eben auch ein Verstehen der eigenen Situation und der damit verbundenen Funktionsstörungen. Mertens: „Patienten, die gelernt haben, mit ihren Beschwerden umzugehen und bei der Behandlung aktiv und eigenverantwortlich mitzuarbeiten, werden auf längere Sicht eine deutlich bessere Lebensqualität erreichen.“

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