Allgemeines Krankenhaus Viersen Neue Krebstherapie im AKH

Viersen · Mit einer neuen Immuntherapie bekämpft man in der Onkologie am Allgemeinen Krankenhaus (AKH) Viersen erfolgreich Krebserkrankungen.

 Dr. Johannes Steiff, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hämatologie und Onkologie, freut sich über den Erfolg der Immuntherapie, mit der im AKH Viersen verschiedene Krebsarten behandelt werden.

Dr. Johannes Steiff, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hämatologie und Onkologie, freut sich über den Erfolg der Immuntherapie, mit der im AKH Viersen verschiedene Krebsarten behandelt werden.

Foto: Kaspar Müller-Bringmann

Eine Krebserkrankung ist nach wie vor die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Aufgrund der alternden Bevölkerung ist die Zahl der Erstdiagnosen auch in Viersen nach wie vor hoch. Doch es gibt Hoffnung: Im Allgemeinen Krankenhaus (AKH) Viersen wird inzwischen eine neue Therapie sehr erfolgreich bei fast 70 Prozent der Patient*innen angewendet.

Warum das so ist und wie es funktioniert, erklärt Dr. Johannes Steiff, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hämatologie und Onkologie. Der 44-Jährige ist seit 2015 als Arzt am AKH Viersen tätig und seit fünf Jahren Leiter der Klinik für Hämatologie und Onkologie.

Kann die neue Therapie die klassische „Chemo“ ersetzen?

Soweit würde ich noch nicht gehen, aber dank der neuen sogenannten Immuntherapie erzielen wir im AKH zunehmend sehr gute Ergebnisse und machen in vielen Fällen die Chemotherapie sogar überflüssig.

Die neue Therapie bringt dem Immunsystem im Prinzip wieder bei, Krebszellen zu erkennen und zu besiegen. In der Regel sortiert unser Immunsystem ja fehlerhafte Zellen von selbst aus, dieser Prozess scheitert aber bei stark veränderten Krebszellen. Durch die Immuntherapie werden diese Zellen „sicht-“ und damit therapierbar. Sie unterstützt also die körpereigenen Abwehrkräfte, um gegen die Krebszellen anzugehen.

Wie läuft die Behandlung im AKH ab?

Nach der Krebsdiagnose testen wir anhand einer Gewebeprobe, ob die Immuntherapie anwendbar ist. Ist das der Fall, erfolgt die Medikamentengabe als Infusion, zum Teil auch in Kombination mit einer Bestrahlung oder aber doch einer Chemotherapie. Für die Behandlung kommen die Patient*innen rund sechs bis zwölf Monate lang alle zwei bis drei Wochen ins AKH, je nach Erkrankung. Die Infusion dauert etwa eine Stunde. Der Erfolg zeigt sich in der Regel schnell: Oft sieht man schon nach einer Anwendung, dass der Krebs kleiner geworden ist. Aber auch die Patient*innen merken rasch eine Besserung: Lungenkrebs-Erkrankte zum Beispiel bekommen direkt besser Luft.

Bei welchen Krebsarten kommt die Immuntherapie zum Einsatz?

Es gibt sehr gute Erfolge bei schwarzem Hautkrebs, Tumoren im Brustkorb sowie manchem Brust- und vor allem Nierenkrebs. Die Immuntherapie hat nicht die unangenehmen Nebenwirkungen, die wir von der Chemotherapie kennen. Sie bedient im Prinzip einen körpereigenen Mechanismus. In seltenen Fällen, werden jedoch auch gesunde Zellen angegriffen, diese Nebenwirkung ist aber – früh erkannt – mit Cortison gut behandelbar.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Die Immuntherapie ist hocheffizient und kann bis ins hohe Alter gegeben werden. Bekanntermaßen steigt mit zunehmendem Alter aber die Gefahr, an Krebs zu erkranken. Das bedeutet, wir werden mehr Krebserkrankungen behandeln müssen.

Die Immuntherapie ist erfolgreich und verträglich, aber leider auch extrem teuer. Das Medikament ist aufwendig in der Herstellung, so dass schnell mehrere tausend Euro für eine Gabe zusammenkommen. Die gute Nachricht: Die Kosten werden von allen Krankenkassen übernommen.