Das Haus ist abbezahlt, die Kinder sind ausgezogen, der Ruhestand rückt näher. Für viele Eigentümer im Raum Mönchengladbach stellt sich nun die Frage, die jahrzehntelang keine Rolle gespielt hat: Lohnt es sich noch, im eigenen Haus zu bleiben – oder wäre es sinnvoll, das gebundene Vermögen anders zu nutzen?
Fast vier von zehn Bundesbürgern nennen die eigene Immobilie als wichtigsten Baustein ihrer Altersvorsorge – noch vor der betrieblichen Rente. Kein Wunder: Ein Haus im Raum Mönchengladbach kostet heute im Schnitt rund 3.000 Euro pro Quadratmeter. Wer vor 30 Jahren gebaut hat, sitzt auf einem erheblichen Vermögen.
Die entscheidende Frage ist, wie dieses Vermögen im Alter genutzt werden kann.
1. Behalten: mietfrei wohnen, aber nicht kostenlos
Viele Eigentümer entscheiden sich dafür, im eigenen Haus zu bleiben. Die ersparte Miete ist gerade im Ruhestand ein großer Vorteil.
Ganz kostenfrei ist das Wohnen allerdings nicht: Instandhaltung, Grundsteuer und laufende Nebenkosten bleiben bestehen. Außerdem kann ein Haus im Alter schnell zu
groß oder zu aufwendig werden. Hinzu kommt: Das Vermögen ist gebunden. Es steht für andere Ausgaben nicht zur Verfügung – weder für Pflege noch für größere Wünsche.
2. Verkaufen: Kapital freisetzen und neu planen
Eine andere Möglichkeit ist der Verkauf der Immobilie. Wer in eine kleinere Wohnung zieht, kann einen Teil des Verkaufserlöses gezielt für den Ruhestand einsetzen.
Bei einem typischen Einfamilienhaus in Mönchengladbach mit etwa 150 Quadratmetern Wohnfläche kann der Verkaufserlös schnell bei rund 400.000 Euro oder mehr liegen. Wer davon eine günstigere Wohnung kauft und den Rest anlegt, kann sich eine echte monatliche Zusatzrente aufbauen – und bleibt dabei finanziell deutlich flexibler.
Wichtig dabei: Wer sein Eigenheim selbst bewohnt hat, muss beim Verkauf in der Regel keine Spekulationssteuer zahlen. Voraussetzung ist, dass die Immobilie im Verkaufsjahr sowie in den beiden vorherigen Kalenderjahren selbst genutzt wurde. Bei Häusern, in denen die Eigentümer seit Jahrzehnten wohnen, ist diese Bedingung regelmäßig erfüllt.
Ebenfalls steuerfrei ist der Verkauf, wenn zwischen Kauf und Verkauf mehr als zehn Jahre liegen – unabhängig davon, ob die Immobilie selbst genutzt oder vermietet wurde. Gerade für Eigentümer, die ihr Haus vor langer Zeit erworben haben, greift diese Regelung häufig automatisch.
3. Vermieten: laufende Einnahmen, aber auch laufende Pflichten
Eine dritte Möglichkeit ist die Vermietung – entweder des ganzen Hauses nach einem Umzug oder einzelner Wohneinheiten. Das schafft regelmäßige Einnahmen, bringt aber auch Verantwortung mit sich: Verwaltung, Instandhaltung und mögliche Konflikte mit Mietern gehören dazu. Wer diese Aufgaben im Alter vermeiden möchte, entscheidet sich häufig eher für einen Verkauf.
Warum der Online-Rechner die falsche Grundlage ist
Wer über Verkauf, Vermietung oder eine andere Nutzung nachdenkt, braucht zunächst eine verlässliche Zahl: Was ist das Haus heute wirklich wert?
Viele Eigentümer greifen dafür zunächst zu kostenlosen Online-Bewertungsrechnern. Das ist verständlich – aber riskant. Diese Tools arbeiten mit Durchschnittswerten und liefern nur grobe Richtwerte. Was sie nicht erfassen, ist der tatsächliche Zustand, die genaue Lage innerhalb des Stadtteils oder besondere Merkmale der Immobilie.
In Mönchengladbach macht das einen erheblichen Unterschied: Während Häuser in Bettrath-Hoven im Schnitt über 4.100 Euro pro Quadratmeter erzielen, liegt der Wert in anderen Stadtteilen deutlich darunter. Wer nur die Postleitzahl eingibt, bekommt womöglich den Stadtdurchschnitt – und damit eine Zahl, die weit vom wahren Wert entfernt sein kann.
Katharina Heid, Geschäftsführerin von Heid Immobilienbewertung, kennt diese Situation aus der Praxis: „Viele Eigentümer kommen zu uns mit einer Online-Schätzung – und der tatsächliche Wert liegt deutlich höher oder niedriger. Kein Algorithmus kann Mikrolage, Sanierungszustand oder den Zustand des Daches wirklich beurteilen. Wer auf Basis dieser Zahlen eine Entscheidung fürs Alter trifft, geht ein unnötiges Risiko ein."
Erst den Wert kennen – dann entscheiden
Ob behalten, verkaufen oder vermieten: Jede dieser Optionen hat Vor- und Nachteile. Entscheidend ist, den tatsächlichen Wert der eigenen Immobilie zu kennen. Erst auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, welche Entscheidung finanziell sinnvoll ist. Bevor also irgendetwas entschieden wird, lohnt sich eine professionelle
Immobilienbewertung. Für viele private Fragestellungen ist bereits ein Kurzgutachten eine solide und professionelle Wertermittlung. Sie kostet weniger als ein falscher Verkaufspreis an Vermögen kostet.