Rheinberg Abschließende Bürgerbeteiligung zur kommunalen Wärmeplanung

Rheinberg · Der Gesetzgeber verpflichtet alle Städte und Gemeinden dazu, bis zum 30.06.2028 einen eigenen Wärmeplan vorzulegen.

Der erste Rheinberger Wärmeplan wurde am 11.12.2025 durch den Stadtrat beschlossen. Wie eine bezahlbare und klimafreundliche Wärmeversorgung bis 2045 gelingt, war Thema auf der abschließenden Bürgerbeteiligung am 02.02.2026 in der Stadthalle.

Rund 50 Bürger*innen waren vor Ort und weitere 10 Bürger*innen bekamen digital einen Ein- und Ausblick auf die Ergebnisse der Wärmeplanung und das beabsichtigte weitere Vorgehen der Verwaltung. „Alles in allem ein sehr gelungener Abschluss der kommunalen Wärmeplanung“, wie Bürgermeister Philipp Richter betonte. Im Fokus der Veranstaltung standen die nachfolgenden Ergebnisse:

Gegenwärtig werden über 80 % der Rheinberger Gebäude mit Gas und Öl beheizt. Dies soll laut Gesetzgeber in 2045 komplett klimaneutral, also durch den Umstieg auf Wärmepumpen, Wärmenetze, Hybrid-Heizungen und Biomassefeuerungen erfolgen.

Für Björn Uhlemeyer vom beauftragten Dienstleisterbüro „BMU Energy Consulting“ ist klar, dass „dieser Prozess nicht von heute auf morgen gelingt und eine Portion Ideenreichtum erfordert.“ „Denn nicht jedes Gebäude ist auch für den Einsatz einer umweltfreundlichen Wärmepumpe ad hoc geeignet“, wie Dietmar Krebber (Energie- & Sanierungsberater vom Rheinberger Dr. Haus-Projekt) verdeutlicht. „Oft bedarf es zunächst einer grundlegenden Sanierung der Gebäudesubstanz oder eines Fenstertausches, um den Wärmebedarf zu reduzieren“, ergänzt der Energieexperte.

Die aktuellen Wärmebedarfe, aber auch die jeweilige Bau- und Siedlungsstruktur würde - rein technisch betrachtet - in den Ortsteilen Annaberg und Innenstadt auch eine leitungsgebundene Wärmeversorgung ermöglichen. So könnte z.B. die Abwärme aus dem Industriepark Nord oder von der MVA Asdonkshof für angenehm temperierte Wohnungen im Jahr 2045 sorgen. Gleichwohl ist dieses rein technische Potenzial weder mit einer wirtschaftlichen, noch mit einer bauplanerischen Machbarkeit gleichzusetzen. „Die hierfür erforderlichen Detailuntersuchungen könnten überwiegend aus Bundesmitteln finanziert werden, setzen jedoch zunächst einen positiven Stadtratsbeschluss voraus“, erklärte Jan Raimann (Leiter des Fachbereiches Stadtentwicklung, Bauordnung & Umwelt). Grundlegend können Mieter*innen sowie Eigentümer*innen davon ausgehen, dass bis 2040 die Energiepreise für Gas und Öl deutlich ansteigen und damit ein fortwährender Betrieb der aktuellen Gas- bzw. Ölheizung voraussichtlich unrentabel wird.

„Die Gliederung Rheinbergs in dreizehn Ortsteile – teils mit ländlicher Prägung – fordert folglich ihren Tribut“, wie Benjamin Segref vom städtischen Klimaschutzmanagement verdeutlicht. „Denn hierdurch kann es nicht die eine Lösung für alle Rheinberger Gebäude geben, sondern es muss für jedes Gebäude eine individuelle und wirtschaftliche Heizalternative gefunden werden“, wie Klimaschutzmanagerin Nicole Weber Ferreira dos Santos ergänzt. Der nun vorliegende Wärmeplan zeigt auf, in welchen Ortsteilen vorrangig eine dezentrale bzw. in welchen Ortsteilen eventuell auch eine zentralisierte, leitungsgebundene Versorgung denkbar wäre:

VORAUSSICHTLICH DEZENTRAL-VERSORGTE ORTSTEILE: Alpsray, Borth, Budberg, Eversael, Millingen

Orsoy, Orsoyerberg, Vierbaum, Wallach, Winterswick

ANSCHLUSS AN WÄRMENETZ PRÜFEN – WAHRSCHEINLICH DEZENTRALE VERSORGUNG: Annaberg, Innenstadt, Ossenberg

Damit dies nicht für Unsicherheiten in der Bevölkerung sorgt, hat sich die Stadt Rheinberg bewusst dazu entschieden, deutlich vor der gesetzlichen Frist die erstmalige Kommunale Wärmeplanung erarbeiten zu lassen. So lässt sich eine Fehlinvestition in veraltete Technologien vermeiden und den Rheinberger*innen frühzeitig Klarheit geben. In Zeiten globaler Unruhen und wachsender Abhängigkeiten sei eine klimaneutrale Wärmeversorgung in 2045 somit eher ein Segen, als ein Fluch für Rheinberg.

Damit die Rheinberger*innen auch zukünftig professionell bei der Auswahl ihrer Heizung und beim Sanieren unterstützt werden, bekommen Mieter*innen und Eigentümer*innen aus Rheinberg auch in der Zukunft die passende Unterstützung bei der anstehenden Technologieauswahl. Hierzu genügt es, eine Mail an klimaschutz@rheinberg.de zu senden.