Lehmbruckmuseum in Duisburg Hier kann man was erleben

Duisburg · Das Lehmbruckmuseum richtet dem Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger Anish Kapoor, einem der weltweit bedeutendsten und einflussreichsten Bildhauer der Gegenwart, eine große Werkschau aus. Es ist die umfangreichste Ausstellung seines Schaffens in Deutschland seit mehr als zehn Jahren.

Double S-Curve, 2019, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 , Foto: Dejan Saric

Foto: Anish Kapoor, Double S-Curve, 2019, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 , Foto: Dejan Saric/Dejan Saric

16 Werke - das klingt erstmal nicht nach viel. Aber alleine der Korridor zwischen den beiden spiegelnden S-Kurven hindurch ist fast 15 Meter lang. Tonnenschwer sind die drei Skulpturen aus pinkfarbenem Onyx - da waren die Ausstellungsmacher dankbar für die logistische Unterstützung des Duisburger Hafens. Gleichzeitig wirkt die Schwere im Spiel scharfer Kanten und weicher Schliffe wie aufgehoben, gerade so, wie der Betrachter in den Spiegel(-glatten)obejkten sich mal riesengroß, winzig klein, schmal, breit oder kopfüber spiegelt oder aber ganz verschwindet. Von unendlich bis ins Nichts reichen die Dimensionen dieser spektakulären Ausstellung - Anish Kapoor hält die Exklusivrechte für die künstlerische Verwendung des schwärzesten Schwarz der Welt. Während bei mindestens einer der Onyxskulpturen relativ schnell klar ist, was sie abbilden könnten, ein vergrößertes weibliches Genital nämlich, braucht man bei der tiefschwarzen „Mother as a Mountain“ eine ganze Weile, bis man neben den scheinbar verfließenden Seiten die glatte Oberseite und die Öffnungen darin identifiziert. Vollends irre die weiße Halbkugel, die aus der weißen Wand heraustritt, die man aber erstmal überhaupt nicht sieht, dann als flirrendes Grau, als Dampfwolke oder Mückenschwarm vielleicht, und nur von der Seite „erkennt“. Das Zusammenspiel mit einem der schönsten Museumsbauten der Nachkriegszeit findet vor allem im packenden Lehmbruck-Trakt statt, wo Kapoors spitz aufragender Spire für die Dauer der Ausstellung Lehmbrucks emporsteigenden Jüngling ersetzt, und natürlich mit den drei irgendwie nach „Reise ins Ich“ aussehenden Kunstharztoren in der Glashalle. Er fühle sich Wilhelm Lehmbruck und dem, was seine Arbeit mit dem Menschen mache, sehr verbunden, sagte Anish Kapoor, der zur Pressekonferenz noch per Zoom aus London zugeschaltet war, zur Eröffnung aber anreisen wollte, gerade auch mit der tief melancholischen Seite Lehmbrucks. Oberfläche und Innerlichkeit, Entgrenzung ins Unendliche - hier kann man wirklich was erfahren.