Bereits im Februar 2025 startete das Engagement der Initiatorin Eva Leroy, die ebenfalls von Lungenkrebs betroffen ist. Mittlerweile freut sich die Gruppe über einen festen Stamm von regelmäßig teilnehmenden Betroffenen und immer wieder neuen Gesichtern, die dazustoßen.
„Ich bin froh, dass es diesen festen monatlichen Termin gibt. Er sorgt für eine gewisse Routine und gibt mir Halt“, erklärt Beate Nebel, Patientin im Krankenhaus Bethanien Moers und nahezu seit Beginn Mitglied der Selbsthilfegruppe. „Der Mensch ist ein soziales Wesen. Online-Foren für von Krebs Betroffene sind das eine, in der Gruppe kommen echte Menschen zusammen. Das Verständnis ist ein anderes. Natürlich haben alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ganz individuelle Verläufe, jedoch ist man in den meisten Fällen relativ schnell sehr herzlich verbunden“, betont sie. Tanja Czarnetzki, seit fünf Jahren von Lungenkrebs betroffen, ergänzt: „Das Ganze ist fast wie ein Treffen unter Freundinnen und Freunden. Man fühlt sich verstanden. Thema ist dabei gar nicht immer die Krankheit. Und das ist auch gut so. Es geht um Umzug, Katzen und Co.“, erzählt sie mit einem Lachen. „Mir persönlich gibt das eine enorme Stärke.“ Diese Ansicht teilt auch Initiatorin Eva Leroy: „Die Treffen und der Austausch bereichern mich persönlich. Wir lachen miteinander, hören uns zu. Einige erzählen von ihren Krankengeschichten, in anderen Momenten sprechen wir über Strategien im Umgang mit der Erkrankung. Ein Buch, das hierbei ebenfalls unterstützen kann, ist das kostenlose ,Wunderbuch‘ (www.wunderbuch.eu), das ich gemeinsam mit einer anderen Betroffenen und starkem Engagement des Bundesverbandes Selbsthilfe Lungenkrebs e. V. geschrieben habe. Es richtet sich an Menschen, die sich in einer metastasierten Situation befinden und die Kinder haben. Das Buch hilft dabei, mit Angehörigen, den eigenen Kindern und dem übrigen Umfeld ins Gespräch zu kommen – und es zeigt auch, dass man in einer solchen Lage nicht allein ist.“
Dr. Kato Kambartel, Ärztlicher Koordinator des Lungenkrebszentrums Bethanien und Lungenfacharzt, betont: „Die Selbsthilfegruppe Lungenkrebs Netzwerk Krefeld/Moers ist eine extrem wertvolle Einrichtung. Bei Krebs gibt es ganz unterschiedliche Arten mit der Erkrankung umzugehen. Wir haben Betroffene, die vieles mit sich selbst ausmachen. Dann gibt es diejenigen, die darüber kommunizieren und sich mit anderen, die das gleiche Schicksal teilen, austauschen möchten.“ Außerdem seien die Treffen eine gute Möglichkeit zur Wissensvermittlung, wenn man das Ganze aus medizinischer bzw. ärztlicher Sicht betrachte. „Mehrmals jährlich komme ich zu den Treffen und berichte beispielsweise über neue Studienergebnisse oder Therapieansätze aus meiner Praxis als Arzt. Denn Medizin wird immer komplexer und ändert sich beständig.“ Eva Leroy, Tanja Czarnetzki und Beate Nebel stimmen dem zu. Dr. Kambartels Besuche der Treffen förderten die Arzt-Patienten-Kommunikation und stärkten das Vertrauen. Man fühle sich gut aufgehoben.
Tipps, wie Außenstehende konkret für Betroffene da sein können
Neben den Treffen der Selbsthilfegruppe ist das persönliche Umfeld ein entscheidender Baustein für Betroffene im Umgang mit ihrer Krebserkrankung. Wie Familie, Freundeskreis, oder Kolleg:innen aktiv da sein können, beschreibt Beate Nebel so: „Eine Krebserkrankung ist nicht zwangsläufig ein Todesurteil. Wir wollen am Leben teilhaben. Also melden Sie sich bei Betroffenen – wir wollen trotz Erkrankung Dinge erleben. Bieten Sie sich an für Unternehmungen, einen Kaffee etc.“ Tanja Czarnetzki ergänzt: „Die Anteilnahme der Menschen aus meinem Umfeld gibt mir viel, beispielsweise durch eine Begleitung zu den Untersuchungen. Daraus ziehe ich neue Kraft.“ „Es geht darum, keine Scheu zu haben, einfach konkret und trotzdem mit dem nötigen Fingerspitzengefühl zu fragen: ,Was kann ich tun, was brauchst du gerade?‘ Man darf auch nicht vergessen, dass jede und jeder anders mit einer solchen Erkrankung bei einer nahestehenden Person umgeht und sich das auch ändern kann, gerade dann, wenn eine Erkrankung über längere Zeit besteht“, so Eva Leroy.
An jedem zweiten Mittwoch von 14 bis 16 Uhr trifft sich die Selbsthilfegruppe Lungenkrebs Netzwerk Krefeld/Moers in der Cafeteria des Krankenhauses Bethanien (Bethanienstraße 21, 47441 Moers). Bei Kaffee und Kuchen steht der gemeinsame Austausch im Vordergrund. Eine Anmeldung zu den Treffen ist nicht notwendig.