Schlosstheater Moers Drang und Zwang

Moers · Mit Arthur Schnitzlers nahezu vergessenem „Ruf des Lebens“ bringt das Schlosstheater ein Stück der Stunde auf die Bühne. Am kommenden Donnerstag ist Premiere.

Jakob Arnhold und Sandra Höhne in Clemens Blechschmidts Bühnenbild zu „Ruf des Lebens“.

Foto: tw

Den Ruf des Lebens vernehmen gerade viele als „Hinaus!“ in Parks und Cafés. Wenn man denn hinaus kann und nicht etwa ans Bett gefesselt ist - oder pflegender Angehöriger. Aus vielen Gesprächen mit solchen wissen Dramaturgin Sandra Höhne und Regisseur Jakob Arnold, dass die Aufgabe, einen Angehörigen zu pflegen, mit der Aufgabe des eigenen Lebens beinahe gleichkommt.

So verlangt es auch der gestrenge bis verbitterte Vater in Arthur Schnitzlers „Ruf des Lebens“ von seiner Tochter Marie. Niemand sonst, nur sie darf sich um ihn kümmern und muss es gefälligst auch, aus Dankbarkeit, schlechtem Gewissen, was auch immer. Seine Dankbarkeit wiederum besteht aus miesem Benehmen, ständige Anwesenheit verlangt er von ihr, es ist die reine Schikane, schon beim Zuschauen schwer zu ertragen, wie Sandra Höhne verrät. Selbstverständlich bekommt auch der künftige Förster die Tochter nicht zur Frau. Sie liebt aber ohnehin einen der Blauen Kürassiere, deren Ehre wiederum ihr Vater vor Jahrzehnten durch Feigheit vor dem Feind beschmutzt hat, welche Schmach die jetzigen Kürassiere durch ein garantiert todbringendes Manöver auswetzen wollen ...

Pflicht und Pflege, Liebe und Ehre, Drang und Zwang, Leben als Aufgabe versus das nackte Leben - es geht, nur mühsam verdeckt von Konvention und „Schnitzlerscher Romantik“, um alles oder nichts.