Eins der schönsten Theater der Neuzeit, „unaussprechlich schön“, wie Goethe in seiner Italienischen Reise schrieb, steht in der ohnehin sehr schönen Stadt Vicenza, das Teatro Olimpico. Zur überwältigenden Pracht des von außen völlig unscheinbaren Gebäudes tragen die drei Portale in der Bühnenwand bei, die den dahinterliegenden Straßen mit allerlei perspektivischen Tricks eine Tiefe verleihen, die sie tatsächlich gar nicht haben.
Mit Sperrholzoptik etc. eher antiprächtig ist Ella Steinbachs Bühnenbild zu „Wo sind denn alle?“ am Schlosstheater quasi der profane Spiegel zum Olympiertheater Palladios, eine gähnend leere, nackte Tiefe, die durch drei Türen noch vervielfacht und den nach hinten abbiegenden Flur quasi ins Unendliche verlängert wird, nach vorne mit weißlackierten Ziegelfliesen aus dem Baumarkt verblendet, wie überhaupt, die Macher haben’s verraten, vieles im Bühnenbild aus dem Baumarkt kommt - fürwahr, so sieht Einsamkeit aus.
Erklär’s mir nicht, zeig’s mir: Wie das Bühnenbild funktioniert auch das Stück selbst. „Wo sind denn alle?“ besteht aus drei Teilen. Erstmal so Nachbarschaftssituationen auf dem Flur. „Ich habe ein Paket für Sie angenommen.“ Die Türen geben Einblicke frei, verbergen aber auch Geheimnisse. Und dann ist da dieser Fleck an der Wand, der auf einen Wasserschaden hindeutet. Schimmel droht, Ekel – Einsamkeit ist schambehaftet …
Wie das Glück des Alleinseins in Einsamkeit kippt, das wollen Emil Borgeest und Leo Meier mit ihrem Stück, das sie auch selbst inszenieren, in Spiel umsetzen – und so den inflationären Bildern der Einsamkeit etwas entgegenzusetzen, auch: Heiterkeit. Das Thema stehe ja erstmal im Widerspruch zur Bühne als Ort des Zusammenkommens und gemeinsamen Erlebens, sagt Emil Borgeest: „Einsamkeit erzählt sich an den Rändern.“ Die Premiere am Donnerstag ist übrigens längst ausverkauft.
Um Einsamkeit zu überwinden, müsste man sich eingestehen, einsam zu sein, zitiert Dramaturgin Sandra Höhne Olaf Meier. Der wird im zweiten Teil auf der Bühne sitzen. „Er ist, was er ist“, sagt sein Sohn Leo Meier, „und er macht, was er ein Leben lang gemacht hat: zuhören.“ Olaf Meier war katholischer Pfarrer in Berlin, lernte dann seine Frau kennen und legte sein Amt nieder, zog von Berlin hierher, nach Duisburg, wo Leo geboren wurde und aufwuchs. Hier leitete Olaf Meier drei Jahrzehnte lang die Telefonseelsorge. Einsamkeit, das ist sein Herzensthema.
Was dann im dritten Teil geschieht, soll eine Überraschung bleiben.
Schlosstheater Moers: „Wo sind denn alle?“ von Emil Borgeest und Leo Meier, mit Linus Ebner, Catherine Elsen, Matthias Heße, Olaf Meier und Clara Pinheiro Walla.
Premiere (ausverkauft) am 26. Februar im Schloss, Kastell 9, weitere Aufführungen am 28. Februar sowie 1., 6., 7., 11., 27., 28., 29. März
Vorverkauf: Telefon 02841 8834110
www.schlosstheater-moers.de