Kamp-Lintfort Reaktivierung der Niederrheinbahn verzögert sich

Kamp-Lintfort · Wie die Niederrheinbahn GmbH mitteilt, kann die ursprünglich für Dezember 2026 angedachte Inbetriebnahme der Niederrheinbahn nicht eingehalten werden.

Die Niederrheinbahn zwischen Moers-Rheinkamp und Kamp-Lintfort kann nicht wie geplant im Dezember in Betrieb genommen werden. Grund.

Foto: Thomas Roedel

Grund hierfür sind umfangreichere Sanierungsmaßnahmen an den Bestandsbrücken im Streckenverlauf, die sich im Zuge von vertieften Bauvorbereitungen ergeben haben. Niederrheinbahn Geschäftsführer Dr. René Zweigel erläutert dazu: „Wir wissen, dass viele Menschen auf die Reaktivierung der Strecke warten und die Verzögerung nun zu einer Enttäuschung führen dürfte. Leider haben sich bei Betonkernbohrungen an den Brücken Mängel in der Grundstruktur gezeigt, die zuvor nicht sichtbar waren. Diese Mängel müssen sauber in den Sanierungskonzepten berücksichtigt werden, um die Sicherheit der Bauwerke dauerhaft sicherzustellen.“

Im Rahmen weiterführender Untersuchungen im Jahr 2025 wurden an den Bestandsbrücken zusätzliche bauliche Defizite in den Widerlagern festgestellt, die über die bislang bekannten Schäden hinausgingen. Insbesondere ergaben Betonkernbohrungen und detaillierte Prüfungen der Tragstruktur, dass eine umfassendere Instandsetzung, als bisher angenommen, notwendig sind, um die geltenden statischen und eisenbahnrechtlichen Anforderungen dauerhaft zu erfüllen. Dies macht zusätzliche planerische Anpassungen sowie einen erweiterten Bauumfang erforderlich.

Die Verzögerung war Ende 2025 noch nicht absehbar. Zum Zeitpunkt des letzten Sachstandsberichts Ende 2025 lagen die Ergebnisse der Betonkernbohrungen noch nicht vollständig vor. Die bis dahin verfügbaren Daten stützten sich auf frühere Regelprüfungen und visuelle Einschätzungen von Experten, die allerdings von außen betrachtet keinen Hinweis auf den nun festgestellten Sanierungsbedarf in diesem Umfang ergaben. Erst mit den neu verfügbaren Daten wurden bislang verdeckte Schäden an tragenden Bauteilen sichtbar.

Solche Befunde sind bei älteren Ingenieurbauwerken trotz sorgfältiger Voruntersuchungen nicht vollständig auszuschließen und lassen sich in vielen Fällen erst in späteren Projektphasen eindeutig bewerten.

Weiteres Vorgehen: Derzeit werden die Sanierungskonzepte angepasst und mit den zuständigen Fachbehörden abgestimmt. Parallel dazu erfolgt eine Überprüfung des aktualisierten Bauzeitenplans. Ziel bleibt es, die Maßnahme so zügig wie möglich und mit höchster Priorität fortzuführen, ohne Abstriche bei Sicherheit und Qualität zu machen.

Auswirkungen geplanter Infrastrukturmaßnahmen auf den künftigen Betrieb: Unabhängig von den aktuellen Verzögerungen bei der Streckenreaktivierung haben sich zwischenzeitlich weitere Rahmenbedingungen ergeben, die ebenfalls Einfluss auf den möglichen Betriebsstart haben können. Wie die DB InfraGO AG mitgeteilt hat, sind im Laufe des Jahres 2027 umfangreiche Bauarbeiten auf der Strecke zwischen Moers und Oberhausen vorgesehen. Diese Maßnahmen können abschnittsweise zu Vollsperrungen der jeweiligen Strecken führen.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) als zuständiger Aufgabenträger prüft derzeit in Absprache mit der DB Infra GO die Auswirkungen auf das zukünftige Betriebskonzept. Zum jetzigen Zeitpunkt kann noch nicht abschließend bewertet werden, ob der Betrieb der Linie RE44 im Jahr 2027 durchgehend möglich sein wird. Sobald hierzu belastbare Erkenntnisse vorliegen, werden die Projektpartner und die Öffentlichkeit entsprechend informiert.