15 Jahre ist es her, dass Ursula Erkelenz‘ damals 13-jähriger Sohn Daniel bei einem Unfall ums Leben kam. Für die heute 62-Jährige brach damit eine Welt zusammen. In ihrem im November erschienenen Buch schildert sie offen, hautnah und authentisch ihre Erfahrungen seit diesem schicksalhaften Tag. Höhen und Tiefen, Momente der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, aber auch solche, in denen Mut und Zuversicht wieder aufkeimten, werden intensiv beschrieben – und zeugen dabei von einem Band zwischen Mutter und Sohn, das über den Tod hinaus Bestand hat.
Den Wunsch, sich den Schmerz von der Seele zu schreiben, hatte Ursula Erkelenz schon früh nach Daniels Tod. „Aber ich habe dann schnell gemerkt, dass das Schreiben eigentlich wenig Sinn machte, da ja abgesehen von der erdrückenden Trauer noch nicht viel passiert war“, sagt sie. Erst viele Jahre später habe sie dann – auch auf Anregung ihrer Psychologin – wirklich angefangen, an einem Buch zu arbeiten. „Die Situation war gerade günstig, ich hatte die Zeit, und da ich all die Gefühle aus den vergangenen Jahren ja einfach nur abzurufen brauchte, konnte ich dann das ganze Buch innerhalb von vier Monaten fertigschreiben“, so die Autorin.
Als Art der Verarbeitung sieht Ursula Erkelenz ihr Schreiben nicht. „Wenn man ein Kind verliert, dann leidet man sein ganzes Leben lang darunter“, weiß sie, auch wenn man irgendwann lerne, den Schmerz als Teil des eigenen Lebens zu akzeptieren. Ihr Sohn solle nicht vergessen werden – das ist eines der Ziele, das die Osteratherin mit ihrem Buch erreichen will. Viele ehemalige Wegbegleiter hätten sich inzwischen aus ihrem Leben verabschiedet, aus ihrem heutigen Umfeld hätten wiederum viele Menschen ihren Sohn gar nicht mehr gekannt. Auch für sie hat Ursula Erkelenz „Mein unsichtbarer Sohn“ geschrieben, um ihnen zu zeigen, wie Daniel so war. Davon vermitteln etwa Briefe einen Eindruck, die die Mutter von den Freunden ihres Sohnes nach dessen Tod erhalten hat und die auch in dem Buch aufgearbeitet werden.
Vor allem will die Autorin aber eines: Menschen helfen, die in ihrem Leben Ähnliches durchmachen mussten. Als sie kürzlich über Instagram von einer Leserin die Rückmeldung erhielt, das Buch habe der Frau sehr bei der Verarbeitung des Todes ihres Ehemannes geholfen, da habe sie das sehr gefreut und auch berührt, berichtet Erkelenz. Darum gehe es ihr schließlich, zu zeigen, dass „man es schaffen kann, wieder ein lebbares Leben zu führen, auch wenn man ganz am Boden ist“. Sie weiß aus eigener Erfahrung: „Der Schmerz geht nie ganz weg – aber das soll er auch gar nicht, bildet er doch eine Verbindung zu dem verlorenen Menschen.“
Erhältlich ist das Buch „Mein unsichbarer Sohn“ (ISBN-13: 9783695186006) auf allen gängigen Onlineportalen sowie im stationären Buchhandel. Ihr „Herzensprojekt“ ins Spanische zu übersetzen, ist jetzt das nächste Ziel von Ursula Erkelenz: „Immerhin habe ich 15 Jahre lang in Spanien gelebt, mein Sohn ist dort geboren und ich habe noch viele Kontakte in dem Land – da macht es einfach Sinn, an einer Übersetzung des Buches zu arbeiten.“