Neue Spielzeit im Kresch-Theater Doku: Konferenz der Mörder

Krefeld · Das Kinder- und Jugendtheater Kresch stellt sein Programm für die nächste Spielzeit vor, die im September beginnt. Darunter ist auch ein Stück, das Erwachsene tief berührt.

Das Kresch-Team (v.l.):  Ender Efe, Christine Lohmann, Intendantin Isolde Wabra, Franz Mestre, Carmen Querfurth und Andrea Selakovic. Foto: Stadt Krefeld, Kresch-Theater

Das Kresch-Team (v.l.): Ender Efe, Christine Lohmann, Intendantin Isolde Wabra, Franz Mestre, Carmen Querfurth und Andrea Selakovic. Foto: Stadt Krefeld, Kresch-Theater

Foto: Kresch-Theater

„Die neue Spielzeit steht unter dem Motto `Zeit´“, verkündet Kresch-Intendantin Isolde Wabra; und unterstreicht diese Absicht gleich mit einem bedrückenden Blick in die Vergangenheit:

Denn vom 20. bis 31. Januar 2025 führt das Theater in der Fabrik Heeder ein Dokumentarstück zur berüchtigten „Wannseekonferenz“ auf. Jener grausigen Zusammenkunft des Jahres 1942, auf der 15 Nationalsozialisten den Massenmord an den europäischen Juden planten. „Es ging nicht um das Ob“, ordnet Wabra die schaurige Konferenz ein, diese Entscheidung war längst gefallen, „sondern um das Wie“. Es ging um eine Bürokratie des Mordens.

Nicht weniger als 16 Schauspieler werden auf der Kresch-Bühne die damaligen „Besprechungen“ nachvollziehen. Selten hat das Theater so viele Darsteller eingesetzt. Geschrieben wurde das Doku-Stück von dem Schriftsteller Paul Mommertz, der dazu Protokolle der Konferenz und Aussagen von Adolf Eichmann bei dessen Jerusalemer Prozess verarbeitete. Regie führt Isolde Wabra selbst. Unterstützt wird die Produktion von der Krefelder Sparkassen-Kulturstiftung. Premiere ist am 20. Januar, weil die Wannseekonferenz am 20. Januar stattfand. Das Stück ist für Jugendliche ab 16 Jahren gedacht, aber natürlich ebenso für Erwachsene.

Nun ist das Kresch in seinem inneren Kern aber ein Kinder- und Jugendtheater und somit kommen unter dem Generalmotto „Zeit“ auch die Kleinen zu ihrem Recht.

Was könnte dem Motto eher entsprechen, als die berühmte Momo-Geschichte von Kinderbuchautor Michael Ende, in der das Mädchen Momo gegen die Zeitdiebe antritt. Ein aktuelles Thema, wenn man daran denkt, wie unser durchgetaktetes Leben sowie soziale Medien immer mehr unserer Lebenszeit in Anspruch nehmen.

„Wir haben eine Vorlage gewählt, die die Poesie des Romans auf die Bühne bringt“, betont Regisseur Franz Mestre. Die Darsteller sind Schauspielschüler aus Köln, die gerade wegen ihrer Jugend mit Herzblut spielen. Das Stück ist für Kinder ab 10 Jahren geeignet und feiert seine Premiere zum Auftakt der neuen Spielzeit am 14. September 2024.

Für die ganz kleinen Theaterbesucher ab 3 Jahren bietet Isolde Wabra das Ein-Personen-Stück „Die kleine Kuscheltierhexe“ ab 6. Oktober an. „Dazu dürfen die Kinder ihre eigenen Kuscheltiere mitbringen“, ermuntert die Intendantin, die hier auch als Autorin fungiert.

Rechtzeitig vor Weihnachten wartet das Kresch dann mit dem zeitlosen Klassiker „Eine Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens auf. Als Bühnenbild wird ein Modell von London über dem Boden schweben, auf dem fünf Schauspieler aus Krefeld agieren. „Ein bisschen Grusel wird dabeisein“, lacht Wabra, die Regie führt, „aber nicht zuviel, es ist für Kinder ab 6 Jahren“. Premiere ist am 1. Dezember 2024.

Neben den neuen Produktionen nimmt das Kresch auch bisherige Stücke wieder auf. Überdies tragen die Theatermacher Aufführungen auf Anfrage in die Schulen. Und die Kinder- und Jugendclubs, in denen junge Leute selbst zu Schauspielern werden, bleiben auch in der neuen Spielzeit aktiv.

Das gesamte Programm des Kresch ist im neuen Spielzeitheft unter dem Titel „Zeit“ einsehbar, ebenso wie im Internet unter www.kresch.de