Aller Anfang ist schwer – für die häusliche Pflege durch Angehörige gilt das ganz besonders. Die Sorge, etwas nicht zu schaffen, falsch zu machen, oder schlicht überfordert zu sein, beschäftigt dabei ebenso wie Fragen rund um Hilfsmittel, Leistungen der Kassen und Besuche vom MDK (Medizinischer Dienst). Und das nicht selten „über Nacht“.
„Wenn Angehörige zu uns kommen, sind sie belastet, weinen sogar manchmal“, erzählt Sandra Rose – und weiß gleich zu beruhigen: „Wenn wir üben, kommen wir häufig schnell wieder bei einem ersten Lächeln aus.“
Sandra Rose ist eine von zwei Pflegefachkräften/-trainerinnen im Team „Familiale Pflege“ der Kliniken Maria Hilf, die Angehörige auf die Pflege zu Hause vorbereiten – nicht in einem großen Kurs, sondern individuell, auf den konkreten Bedarf zugeschnitten. „Wir führen erst einmal ein Gespräch, fragen ‚Wie geht es Ihnen?‘, schauen, dass die Menschen ihre Angst loswerden, und ermitteln den jeweiligen Bedarf.“
Weiter geht es dann in individuellen Kurseinheiten, zunächst im Krankenhaus. „Hier wird ganz viel mit und an den Angehörigen selbst trainiert“, erklärt Sandra Rose. „Die Selbsterfahrung, das Selber-Spüren und Nachempfinden – wie ist das, wenn man wie angefasst wird, wenn man bewegt oder positioniert wird? – ist ganz wichtig!“ So genannte „Dummies“ werden zum Beispiel eingesetzt, um das Anlegen von Schutzhosen zu trainieren. Später wird dann zuhause mit dem Pflegebedürftigen geübt.
Trainiert werden wichtige Basics wie Bewegung, Transfer, Mobilisierung, Unterstützung bei der Körperpflege. Hier kann die richtige Technik entscheidend sein – wer mal versucht hat, einen pflegebedürftigen Menschen aus dem Stegreif aus dem Bett zu hieven, weiß, wovon die Rede ist (Stichwort „Rücken“). Sandra Rose und ihre Kollegin Gertrude Esser, die über einen eigenen, voll ausgestatteten „Pflegeraum“ verfügen, wo die Trainingseinheiten im geschützten Umfeld stattfinden, zeigen und erklären aber auch, wie Hilfsmittel funktionieren, wie jemand mit Inkontinenz versorgt wird, was bei der Pflege von dementiell veränderten Menschen zu beachten ist, welche Maßnahmen zur Vorbeugung von Folgeerkrankungen (Wundliegen, Thrombose etc.) ergriffen werden sollten oder wie Sondenkost gegeben wird.
„Und wir beraten: Welche Leistungen übernimmt die Kasse, welche Pflegegrade gibt es, wie bereite ich mich vor, wenn der MDK kommt?“, ergänzt Sandra Rose.
Der Kurs geht, solange er gehen muss, bis der pflegende Angehörige sicher ist in dem, was zu tun ist. „Wir können auch mal ein halbes Jahr begleiten“, sagt die Pflegetrainerin – und das so, dass man sich gleich ein bisschen sicherer fühlt.