Willicherin Sarah Easter für CARE wieder in der Ukraine Spürbare Eskalation nach vier Jahren Krieg

Stadt Willich/Dnipro · Die Willicherin Sarah Easter, die für die Hilfsorganisation CARE unterwegs ist, ist nun wieder in die Ukraine gereist. Vor Ort spricht mit Menschen und kann Eindrücke geben, wie es den Menschen vier Jahre nach der Kriegseskalation geht.

Die Willicherin Sarah Easter vor einem von Bomben zerstörten Haus in Izium.

Foto: Care Deutschland

„Was in Dnipro gerade passiert, ist keine abstrakte Dauerkrise, sondern eine spürbare Eskalation nach vier Jahren dieses Krieges. Luftalarme werden nicht mehr täglich gezählt, sondern in Stunden“, erzählt Sarah Easter. „In meiner ersten Woche hier, gab es zwischen acht bis zehn Luftalarme am Tag, oft über viele Stunden. In meiner dritten Nacht saß ich im Korridor und habe mehr als 30 Explosionen gezählt, bei denen das ganze Gebäude gewackelt hat – wieder Einschläge auf den Energiesektor, aber auch auf Wohnhäuser. Die Lichter gehen plötzlich aus, Generatoren springen an, wenn man sich überhaupt einen leisten kann. Man lauscht permanent in die Dunkelheit, versucht zu deuten, ob das Surren einer Drohne auf einen zukommt“, schildert sie weiter.

Vier Jahre Dauerstress hinterlassen Spuren, die man nicht sieht: Erschöpfung, Angst, Schlaflosigkeit. Eltern erzählen, sie erinnern sich nicht mehr daran, wie es sich anfühlt, eine Nacht durchzuschlafen. „In Zaporizhzhia habe ich mit einer Frau gesprochen, deren Haus vor zwei Wochen von einer Drohne zerstört wurde. Sie wurde unter den Trümmern ihres eigenen Dachs verschüttet. Sie sagte mir, dass solche direkten Treffer seit Januar in ihrem Dorf fast täglich geworden sind. Das ist die Realität hinter den Zahlen.“

Sarah Easter ist aktuell für CARE in der Ukraine unterwegs.

Foto: Care Deutschland

CARE ist vor Ort, um zu helfen – mit Nothilfe, aber auch vor allem mit psychosozialer Unterstützung, weil die traumatischen Erlebnisse enorm sind und seit vier Jahren kumuliert werden. Doch gleichzeitig brechen die Mittel weg. Projekte müssen gestoppt werden, obwohl die Not jeden Tag steigt. Resilienz ist real, aber sie ist nicht grenzenlos. „Wer jetzt die Hilfe kürzt, riskiert, dass aus anhaltendem Ausnahmezustand dauerhafte Zerstörung wird. Nicht nur von Infrastruktur, sondern von Menschen“, betont die Willicherin.