Steht der Anrather Werbering vor dem Aus? Keine Stadtfeste mehr in Anrath?

Anrath · Bei der Jahreshauptversammlung des Anrather Werberings wurden keine Kandidaten für das Amt des 1. Vorsitzenden sowie für die Schriftführung vorgeschlagen. Jetzt steht sogar die Auflösung des Vereins zur Debatte.

Sollte sich der Anrather Werbering auflösen, würde es ganz schön düster werden in Anrath: Kein Weihnachtsmarkt, kein Halloween-Markt sowie keine Weihnachtsbeleuchtung und auch keine Tannenbäume in der Fußgängerzone wären die Konsequenz. Foto: Privat

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Kein Weihnachtsmarkt, kein Halloween-Markt sowie keine Weihnachtsbeleuchtung und auch keine Tannenbäume in der Fußgängerzone – das wäre die Konsequenz, wenn am 25. März die Auflösung des Anrather Werberings beschlossen würde.

Der Anrather Werbering steht vor einer existenziellen Entscheidung. Auf der Jahreshauptversammlung am 24. Februar stand turnusgemäß die Wahl des 1. Vorsitzenden an. Es gab keinen einzigen Vorschlag. Niemand erklärte sich bereit, den Verein weiterzuführen.

Hinter dieser Entwicklung steht ein Verein mit langer Geschichte und klarer Bedeutung für den Ort. Der Werbering wurde 1983 gegründet und vertritt seit mehr als 40 Jahren die Interessen von Unternehmern aus Einzelhandel, Handwerk und Dienstleistung gegenüber der Stadt. Er bündelt ihre Stimme und setzt sich für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Anraths ein.

Die Organisation öffentlicher Veranstaltungen gehört ebenfalls zu den zentralen Aufgaben des Vereins. Was von außen nach einem einfachen Fest aussieht, ist in der Realität das Ergebnis unzähliger ehrenamtlicher Stunden für Planung, Organisation, Abstimmungen mit Behörden, Sponsoren, Sicherheitsdiensten und Ausstellern. Dazu kommen Verantwortung, Haftungsfragen und finanzielle Planung.

Zu den prägenden Aktivitäten des Werberings gehörte auch das früher organisierte Brunnenfest, das bei vielen Bürgerinnen und Bürgern noch mit positiven Erinnerungen verbunden ist, auch wenn es seit einigen Jahren nicht mehr stattfindet. Auch wenn der Halloween-Markt die Meinungen polarisierte, zog er zahlreiche Besucher nach Anrath, schuf ein besonderes Event in der Region und trug dazu bei, den Ort über die Stadtgrenzen hinaus bekannter zu machen.

In den vergangenen Jahren hat sich die Situation im Verein jedoch verändert. Das Engagement ist spürbar zurückgegangen. Die Arbeit wurde zunehmend von denselben wenigen Personen getragen, die über Jahrzehnte vorbereitet, aufgebaut und organisiert haben. Viele der langjährig Aktiven sind nach so langer Zeit verständlicherweise erschöpft. Gleichzeitig ist der Nachwuchs für diese Aufgaben nicht in ausreichendem Maße nachgerückt.

Ohne Vorstand keine Entscheidungen. Ohne Entscheidungen keine Veranstaltungen. Ohne Veranstaltungen weniger öffentliches Leben im Ortskern.

Das ist keine Dramatisierung, sondern die logische Folge der aktuellen Situation.

Trotz dieser schwierigen Lage sieht der Werbering die Zukunft nicht ausschließlich pessimistisch. Die Satzung wurde bewusst geöffnet: Mitglied können längst nicht mehr nur Gewerbetreibende werden. Auch Bürgerinnen und Bürger, die sich für Anrath, für das Miteinander und für die wirtschaftliche Zukunft des Ortes engagieren möchten, sind ausdrücklich willkommen.

Erwartet wird nicht, dass eine einzelne Person alle Aufgaben allein übernimmt. Der Werbering ist offen für neue Strukturen, Teamarbeit und eine gemeinsame Weiterentwicklung des Vereins. Neue Aufgaben könnten auf mehrere Schultern verteilt werden. Nach dem Prinzip „Viele Hände, schnelles Ende“ gilt: Je mehr Menschen sich aus den rund 70 Mitgliedern oder darüber hinaus aktiv einbringen, desto geringer ist die Belastung für den Einzelnen.

Es geht nicht nur um ein Amt – sondern darum, wer bereit ist, Verantwortung für die Entwicklung dieses Ortes zu übernehmen.

Die Entscheidung über die Zukunft des Vereins steht unmittelbar bevor. Am 25. März findet eine weitere Versammlung statt. Sollte sich bis dahin keine Kandidatin oder kein Kandidat für den Vorsitz finden, wird über die Auflösung des Werberings abgestimmt.

Noch besteht die Chance, den Werbering und Anraths Stadtfeste zu erhalten – aber die Zeit wird knapp.