Ein ernstes Wort des Bürgermeisters Rumprollen und anpöbeln

Stadt Willich · Bürgermeister Christian Pakusch ist zunehmend entsetzt über den Umgang miteinander.

Bürgermeister Christian Pakusch ist immer für Gespräche bereit - und das mit freundlichem Umgangston. Foto: Stadt Willich

Bürgermeister Christian Pakusch ist immer für Gespräche bereit - und das mit freundlichem Umgangston. Foto: Stadt Willich

Foto: Stadt Willich

Bürgermeister Christian Pakusch ist ein durch und durch kommunikativer und medial durchaus recht präsenter Mensch. Und als Träger eines exponierten politischen Amtes und Chef einer Behörde mit mehr als 1100 Mitarbeitern ist ihm Kritik, sind ihm Anregungen durchaus willkommen.

Aber wie sich diese Kritik zuletzt vor allem im Schutz der vermeintlichen Anonymität des Internets äußert, macht ihm zunehmend Sorgen: „Der Umgang miteinander und analog dazu die sprachlichen Sitten verrohen wirklich zusehends, die Grenzen zur Beleidigung des Gegenübers werden permanent und teilweise bewusst überschritten. Das ist gesellschaftlich einfach der vollkommen falsche Weg.“

Immer wieder kommt es dazu, dass auch seine Mitarbeiter im Netz (und natürlich gerne anonym) übelst und in einer hier nicht wiedergebbaren Art und Weise beschimpft werden. Auch anonyme Schreiben, die an ihn als Bürgermeister gerichtet sind, weisen nicht nur orthographische Besonderheiten auf: Da sind offene Drohungen an der Tagesordnung, (durch nichts belegte) Behauptungen von Fehlverhalten seiner Mitarbeiter werden mit Beleidigungen garniert und bisweilen um die geraunte Ankündigung ergänzt, bald die nächste „Eksalationsstuhfe“ (sic!) selbst in die Hand zu nehmen. Pakusch: „Da ist dann die Grenze der strafrechtlichen Relevanz erreicht - hier stelle ich mich natürlich vor meine Mitarbeiter und erstatte auch Anzeigen, nötigenfalls gegen unbekannt.“

Was auch Pressesprecher Michael Pluschke bestätigen kann, der ähnliches Niveau, Beleidigungen und Pöbeleien vor allem im Bereich der Willicher Social-Media-Kanäle oft genug erleben „darf“. Anregungen, Granaten in Amtstuben zu werfen, kamen ebenso schon vor wie die offene Verbreitung antidemokratischer, rechtradikaler Narrative. Was Pluschke auch schon als Folge entsprechender Anzeigen seinerseits (erfolgreich) in den Zeugenstand vors Gladbacher Gericht brachte: „Spätestens, wenn gedroht, beleidigt wird oder das Dritte Reich und seine Protagonisten als Lösung bestehender Probleme verherrlicht werden, Volksverhetzer am Start sind, bin ich das auch – auf der Gegenseite. Das Netz ist kein rechtsfreier Raum. Punkt“, so Pluschke.

Zurück zu Pakusch, den auch die steigende Zahl der Fälle, in denen Bürger Bürger anzeigen, umtreibt. „Ganz abgesehen davon, dass Denunziantentum für mich generell schon daneben ist, kann ich den Bürgern versichern, dass wir bei der Stadt als Behörde Recht, Sicherheit und Ordnung durchsetzen – und das nicht nur, weil wir dazu rechtlich verpflichtet sind.“ Dass Hass von einigen, eher schlagzeilenträchtigen Medien durchaus medial belohnt werde, sei ein weiterer Aspekt des Themas – was natürlich geltungssüchtige Nachahmer auf den Plan rufe.

Besonders geärgert hat ihn unlängst ein veröffentlichter „Leserbrief“ mit massiven, wirklich kruden Vorwürfen der unterschiedlichsten Art gegen ihn persönlich – geschrieben von einem Menschen, der freilich gar nicht existiert. Pakusch: „Wenn der Umgang mit Amtsträgern derart weiter verroht, muss man sich nicht wundern, dass nach neuesten Statistiken in rund 350 Kommunen bundesweit keine Kandidaten mehr für den Posten als Bürgermeister zu finden sind. Und sehr viele meiner jungen Amtskolleginnen und Kollegen überlegen ernsthaft, aus diesen Gründen nicht mehr anzutreten – das ist erschreckend.“

Dass es auch anders geht, hat Pakusch unlängst positiv erlebt: Da hatte ein (real existierender) Bürger in einem Leserbrief „Mängel in Anrath“ angesprochen. Mit Folgen: Pakusch reagierte, man traf sich, sprach miteinander, diskutierte Möglichkeiten der Verbesserung, und letztlich kam es zu einem öffentlichen „Bürgerspaziergang“, bei dem die Teilnehmer ihre Sicht der Dinge, Sorgen und Anregungen loswerden konnten. Ein Format, das auch in anderen Stadtteilen wiederholt werden wird. Noch einmal Pakusch: „Wer in angemessener Form Kritik äußert, stößt bei mir jederzeit auf offene Ohren. Wer anonym rumprollt und beleidigt, ist raus.“

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