An frühe Festivalbesuche noch an der Hand ihrer Mutter kann sich auch Julia Zupancic erinnern, nur an den Schlosshof nicht mehr, „weil ich erst kurz danach geboren wurde.“ Für die neue Moerser Bürgermeisterin ist es die erste Comedy-Arts-Pressekonferenz, aber die Rückkehr zu den Wurzeln findet sie schon besonders. Am 17. Mai, dem Museumssonntag, tritt Nessie Tausendschön im Moerser Schlosshof auf. Der war 1979 die erste feste Spielstätte des damaligen „Folk & Fool“-Festivals, das Werner Schrick 1976 nach Amsterdamer Vorbild als reines Straßentheaterevent begonnen hatte. Wobei es Theater schon damals nicht ganz traf, wie sich Holger Ehrich erinnert, der das Festival 2006 vom Gründer übernahm. Als „Folk“ dann auch ein bisschen anfing zu riechen, hatte wiederum Schrick den richtigen Riecher und griff zum „Nullwort“ Comedy, was 1990 in Deutschland noch quasi ein ungebräuchlicher (und von der immer schon recht ranzigen Kabarettszene abgelehnter) Begriff war, setze „Internationales“ davor und „Arts“ dahinter, doppelt selbstbewusst und bis heute Jahr für Jahr von den internationalen Künstlern voll bestätigt ... „Auch da war Moers wieder Vorreiter“, sagt Holger Ehrich zur Namenswahl. 1996 ging’s auch räumlich nach vorne, vom Schlosshof auf den Kastellplatz nämlich. Seit 2014 ist die Enni-Eventhalle der Spielplatz mit viel Planungssicherheit innendrin und Boulevard der Möglichkeiten draußen vor der Tür.
An die Ursprünge umsonst und draußen wird ein zweites Jubiläumsspecial erinnern, wie der aktuelle Festivalleiter Stefan Basso verrät: der Straßentheatertag am 29. August. icht an der Eventhalle, sondern wieder in der moerser Innenstadt sind dann fünf verschiedene Acts an unterschiedlichen Stellen zu verschiedenen Zeiten zu finden.
Lebenslanges Lernen wird ja allenthalben gefordert, und offensichtlich würden die hiesigen Bildungsbürger am liebsten lebenslänglich zur Schule, denn jedenfalls längst ausverkauft ist der eigentliche Festivalauftakt am 18. September Es kommt: Herr Schröder, „Der Rest ist Hausaufgabe“. „Da darf ich den Aufkleber nicht vergessen“, sagt Basso: Schröder klebe sich bei jedem Auftritt das jeweilige Stadtwappen auf seinen Overheadprojektor. „Bringe ich mit“, verspricht Julia Zupancic. Wir werden kontrollieren ...
„Happy birthday“ heißt es dann aber international am Samstag, 19. September, mit der großen Gala zu 50 Jahren Comedy-Arts. Angesagt hat sich dazu Torsten Sträter, der ja gerade seine tumorerkrankung öffentlich gemacht hat, aber hofft, schon ab Mai wieder auf der Bühne stehen zu können. Und der mittlerweile zwar auch größte Hallen mehrere Tage hintereinander vollkriegt, Moers aber trotzdem die Treue hält. Außerdem werden die Barbaren-Barbies das komplette Genre dekonstruieren, wie Basso verspricht: „Eine der besten Sachen, die man im Moment sehen kann.“ Musikkabarettistin Sarah Hakenberg wird in Moers erstmals Stücke aus ihrem neuen Programm „Ich war’s nicht“ spielen. Was Ulan & Bator eigentlich machen, kann Basso auch nicht so richtig sagen, aber es wird klar, dass genau das sie herausragend macht. Nach der Open-air-Verzauberung im Coronajahr 2021 dürfen sich jetzt auch Felice & cortes in der Halle beweisen. In Moers seit 30 Jahren regeömäßig gefeiert werden und in Spanien ein Arenenfüller sind Yllana - the Gagfathers. Moderiert wird der Galaabend von Holger Ehrich und seiner Frau Deana alias Duo Diagonal. „Was für eine Ehre“, finden beide.
Am Sonntag, 20 September, lädt dann Frau Jahnke ein, und Anka Zink, Patrizia Moresco und Tina Teubner haben zugesagt. Weit mehr als Damentoilettengeschnatter - aber hoffentlich das auch ...