Neukirchen-Vluyn Oscarreifer Abgang der Q2 der Gesamtschule Niederberg

Neukirchen-Vluyn · Die Q2 der Gesamtschule Niederberg hat am Freitag, 27. März, nicht einfach ihren letzten Schultag bestritten. Sie hat ihn gestaltet, geprägt und mit einer Portion Persönlichkeit versehen, die noch lange nachwirken wird.

Die Q2 der Gesamtschule Niederberg

Foto: Gesamtschule Niederberg

Begonnen hatte das Spektakel schon am Donnerstagabend. Um 19 Uhr versammelte sich die Q2 im Aufenthaltsraum der Oberstufe, begleitet von Beratungslehrer Ingwin Charisius und seiner Kollegin Anja Khoury, Beratungslehrerin der Q1. Bei gemeinsamer Pizza wurden letzte Absprachen getroffen, dann zogen die eingeteilten Teams - unisono in Abschlusspullis gekleidet und mit Partybrille versehen - los und verwandelten die Schule in eine Festung, die am nächsten Morgen erst eingenommen werden musste.

Was die Schülerinnen und Schüler in dieser Nacht aus ihrer Schule machten, verdiente echte Anerkennung. Hunderte Luftballons füllten die Flure zu einem bunten Ballonmeer, das nur durch beherztes Durchschwimmen zu bezwingen war. Mini-Enten mit dem Aufdruck „Abi 26" tauchten in jedem Winkel auf, kleine Botschafter und Andenken eines Jahrgangs, der seine Spuren hinterlassen wollte, und das wortwörtlich. Stühle, Tische, Absperrbänder und Toilettenpapier bildeten Barrikaden, die den Weg ins Schulgebäude zur Herausforderung machten. Das Herzstück jedoch war ein Pavillon, bestückt mit einer zischenden Nebelmaschine: ein mystischer Torbogen, den Lehrkräfte wie Schüler gleichermaßen durchqueren mussten, um ins Oberstufengebäude zu gelangen. Dahinter wartete die Q2 im Spalier; und wer passieren wollte, musste tanzen. „Auch wenn die spätere Veranstaltung in der Aula das eigentliche Highlight darstellte, so war dies dennoch das eigentliche Highlight für mich, denn hier konnte man kurz innehalten und jeden herzen“, erinnert sich Sportlehrer Barnowski an den letzten Schultag einer für ihn besonderen Stufe.

Schulleiter Dr. Kuzu zeigte sich beeindruckt von Geist und Stil des Abigags: „Der diesjährige Abiturgag entfaltete sich wie ein farbenfrohes Mosaik aus Ideenreichtum, Humor und Gemeinschaftssinn. Mit bemerkenswerter Umsicht verwandelten unsere Abiturientinnen und Abiturienten den Schulalltag in ein fröhliches Fest – lebendig, friedlich und ohne Zwischenfälle." Selbst sein Büro blieb nicht verschont: Mit Musik und Elan hielten die Abiturienten Einzug – respektvoll und mit einem Augenzwinkern.

Den Höhepunkt des Tages bildete eine rund 90-minütige Abschlussveranstaltung, die ebenfalls noch bis tief in die Nacht vorbereitet worden war. Björn Lümmen aus der Q1 sorgte als Licht- und Tontechniker für den stimmigen Rahmen und stellte sicher, dass kein Spotlight fehl am Platz strahlte und kein Beat einen Herzschlag zu spät kam. Moderiert wurde der Abend von zwei jungen Frauen, die das Publikum von der ersten Sekunde in der Hand hatten: Lara van Geemen und Johanna Karentzos. Sicher, sympathisch und empathisch führten Lara van Geemen und Johanna Karentzos durch das Programm. „Es war das erste Mal, dass ich ein Mikrofon in der Hand hatte und gleichzeitig Tränen in den Augen", gesteht Lara van Geemen. „Aber wir haben uns gegenseitig gehalten, auf der Bühne und im Herzen." Johanna Karentzos ergänzt: „Man bereitet sich wochenlang vor, und dann stehst du da, schaust in die Gesichter der Menschen, die deine Schulzeit geprägt haben und weißt: Das ist der Moment, für den das alles war."

Herzstück der Veranstaltung war die feierliche Ehrung der Lehrerinnen und Lehrer: Einzeln, jede und jeder mit einer persönlichen Musikhymne auf die Bühne gebeten, erhielt jede Lehrkraft einen Oscar für eine Kategorie, die sie unverwechselbar macht. „Wenn Schüler dir einen Oscar überreichen, ist das ehrlicher als jede Dienstbeurteilung“, sagt Sportlehrer Barnowski mit einem Augenzwinkern.

Im Duell Lehrer gegen Schüler wurde beim Kinderfoto-Raten geschmunzelt, beim Karaoke mitgefiebert und beim sportlichen Kräftemessen schonungslos gekämpft. „Wer gewinnt, ist an Tagen wie diesen sekundär“, bringt es Musiklehrer Mackenroth, selbst ein Mann der Töne und der Tiefe, emotional auf den Punkt: „Was an diesem Tag in der Aula entstanden ist, war mehr als Musik in meinen Ohren. Das war ein Abschied, der klingt, der hallt, der bleibt.“

An Tagen wie diesen bricht aber auch die gefassteste Stimme. Im Kreis stehend, Arm in Arm, sangen Schülerinnen und Schüler gemeinsam auf der Bühne „An Tagen wie diesen" und „The Winner Takes It All". Letzteres fungiert auch zugleich als Abimotto dieses Jahrgangs. Spätestens da haben sich die Gefühle entladen: manche Stimmen brachen, manche Augen glänzten, manche Herzen weinten leise. Ganz typisch, an Tagen wie diesen! Anja Khoury, die die Nacht und den Tag hautnah begleitet hatte, fand danach schlichte, wahre Worte: „Ich werde viele Dinge vergessen in meinem Leben. Diesen Moment nicht.“ Oberstufenkoordinatorin Silvia Miessen verfolgte die Veranstaltung mit sichtlichem Stolz: „Ich bin sehr stolz auf unsere Abiturientinnen und Abiturienten, die eine gelungene Mottowoche gestaltet haben, die sehr gut in die Intensivtage als Vorbereitung auf das Abitur integriert war. Sie haben innerhalb des Abigags und der Abschlussveranstaltung einen überzeugenden und bleibenden Eindruck auf die Schulgemeinde hinterlassen.“

Beratungslehrer Ingwin Charisius, der diesen Jahrgang wie kein anderer begleitet hat, fand Worte, die Bewunderung und Wehmut zugleich atmen: „Mein Jahrgang hat die Mottowoche und den Abigag sehr gut organisiert und sich dabei durchgehend engagiert und zuverlässig gezeigt. Positiv war vor allem, dass sich die gesamte Schulgemeinschaft stets eingeladen fühlen konnte, ohne dass der Unterricht in dieser Woche gestört wurde.“ Und dann, leiser: „Der große Andrang bei der abschließenden Show hat gezeigt, wie besonders diese Woche war - und zugleich meinen Wehmut darüber verstärkt, dass dieser tolle und empathische Jahrgang unsere Schule bald verlassen wird. An Tagen wie diesen wird einem bewusst, welch tollen Beruf wir trotz einiger Widrigkeiten ausüben dürfen.“

Auch aus den Reihen der Q1 war die Wirkung des Abends deutlich zu spüren. „Eine wirklich gelungene Veranstaltung, die Lust auf das nächste Jahr macht, wenn wir unser Abitur machen werden", sagt eine Schülerin. „Dieser Jahrgang hinterlässt aber wirklich große Fußabdrücke, die es uns nicht einfach machen werden.“

An Tagen wie diesen erhält aber auch jede Schülerin und jeder Schüler feierlich die Zulassung zur Abiturprüfung ausgehändigt: ein schlichter Umschlag, aber schwer vom Gewicht eines ganzen Schullebens. Doch selbst eine durchwachte Nacht und ein aufwühlender Morgen konnten dem Nachmittag nicht seinen Glanz nehmen: Um 16 Uhr rollte dann sogar noch der Planwagen an: ein letztes gemeinsames Kapitel, bevor die Osterferien die Bühne der Erinnerungen für einen Augenblick in Stille hüllten.

Ab dem 17. April beginnen die abschließenden Abiturprüfungen. Die Zeugnisübergabe am 3. Juli und der Abiball am 9. Juli warten bereits.