30 Jahre, das ist ein runder Geburtstag, dem ein Fest gebührt. Und das wird es am 25. April auch geben. Doch, wo anderswo großes Theater mit viel Tamtam gemacht wird, wird es beim Jubiläum des Vereins Daheim eher ruhig zugehen. Die Gästeliste wird auf die Namen der Angehörigen beschränkt sein. Menschen im Autismus-Spektrum mögen selten Tamtam, wie sie auch überhaupt skeptisch gegenüber Veränderungen, fremden Menschen und körperlichen Berührungen sind.
„Angefangen hat das Wohnheim quasi als Elternverein“, sagt Ellen Lenzen, Verwaltungsmitarbeiterin und von der ersten Stunde an im Team. Eltern hatten für ihre Kinder im Alter von überwiegend Anfang 20 im Autismusspektrum und mit geistiger Einschränkung eine betreute Wohnlösung gesucht, in der diese – abgestimmt auf ihre Bedürfnisse und so selbstbestimmt, wie möglich – leben und bleiben konnten. Heute wohnen zwölf Männer und Frauen im Alter von 24 bis 62 Jahren dort. Wöchentlich geht es für einige mit Begleitung ins Schwimmbad, manche machen therapeutisches Reiten mit, es wird gemeinsam gekocht, gebastelt, gegärtnert, mal die Disco der Aktion Freizeit behinderter Jugendlicher besucht, der Wald jenseits des Zauns aufgeräumt ... Manche sind am liebsten für sich und in ihren Zimmern. Einige haben einen Schlüssel, andere fühlen sich beschützter, wenn sie nicht alleine raus können. Mehrere Bewohner sind berufstätig.
„Wir als Betreuer unterstützen und halten immer die Augen auf, ob wir deeskalierend einwirken müssen“, sagt Einrichtungsleiterin Daniela Engels, von Hause aus Pädagogin, die wie die meisten ihrer Kolleginnen und Kollegen in Low-Arousal-Schulungen Methoden zur Deeskalation gelernt hat. Denn bei Menschen im Autismusspektrum können kleinste Veränderungen – etwa unpünktliches Essen – schon Krisen auslösen. „Früher ging es hier lauter zu, auch mal aggressiv“, erinnert sich Ellen Lenzen. Das war, als man über Autismus noch nicht so viel wusste, wie heute, und früheres Personal noch nicht so gut auf die speziellen Bedürfnisse der Bewohner eingespielt war. Tägliche Missverständnisse seien normal gewesen. Doch das ist lange her. „Wir sind auf die Menschen eingestellt, wissen um die Wichtigkeit fester Rituale“, sagt Daniela Engels.
Heute werden neue Mitarbeitende geschult und haben zwei Jahre Einarbeitungszeit. Dass der Extra-Tipp in Gestalt einer fremden Frau zu Besuch ist, wurde schon Tage vorher kommuniziert. Trotzdem klopft noch der eine oder andere ans Bürofenster und fragt, ob der Besuch denn auch bald wieder geht.
„Wir müssen klar sein, authentisch und Grenzen setzen“, sagt Daniela Engels, etwa damit eine der Bewohnerinnen, die gerne Wäsche faltet, das nicht den ganzen Tag lang tut, damit der „weltbeste Kartoffelschäler“ unter den Bewohnern nicht schält, bis die Kartoffel weg ist, oder weil Handwerker auch mal tagelang ins Haus müssen, um größere Reparaturen zu erledigen.
Ein solches speziell auf Autisten ausgerichtetes Wohnhaus sei selten, sagt Daniela Engels. Die nächsten gibt es in Köln und Wuppertal. Kein Wunder, also, dass es täglich Anfragen gebe.
Finanziert wird das Haus vom LVR und Spenden – etwa vom Lions Club, Aktion Mensch und der Stiftung Wohlfahrtspflege.