August Mackes „Ernte“ im Museum Abteiberg Verfemt, verkauft, zurückgekehrt

Mönchengladbach · Im Museum Abteiberg gibt es zahlreiche bedeutende Kunstwerke. Warum ist der Erwerb von August Mackes „Ernte“ so hervorgehoben worden? Neben seinem künstlerischen Wert ist es vor allem um seine außergewöhnliche Geschichte...

August Mackes „Ernte“ ist wieder im Museum Abteiberg.

Foto: Stadt MG/Markus Rick

Im Museum Abteiberg gibt es zahlreiche bedeutende Kunstwerke. Warum ist der Erwerb einer Zeichnung von August Macke so hervorgehoben worden? Bei seinem Werk „Ernte“ geht es neben seinem künstlerischen Wert vor allem um seine außergewöhnliche Geschichte. Denn das Werk ist nun gewissermaßen an seinen ursprünglichen Bestimmungsort zurückgekehrt.

„Die Zeichnung war, beziehungsweise ist Teil einer Sammlung, die in den 1920er-Jahren den Grundstein für ein Museum der Gegenwartskunst in Mönchengladbach legte: Die Walter Kaesbach Stiftung“, erklärt Dr. Felicia Rappe, stellvertretende Museumsleiterin des Museums Abteiberg.

Doch diese Entwicklung wurde jäh unterbrochen. 1937 beschlagnahmten die Nationalsozialisten zahlreiche Werke als sogenannte „Entartete Kunst“, darunter auch Mackes „Ernte“. „Denn die Zeichnung wurde im Depot Schloss Schönhausen in Berlin inventarisiert. Hier waren durch das Regime vornehmlich vier Kunsthändler damit beauftragt, diese Werke zu verkaufen. Mit „Ernte“ passierte dies zwar nicht, aber durch einen Tausch gelangte Mackes Zeichnung in den Besitz des Sammlerehepaars Fohn nach Rom“, so Rappe.

Dort blieb das Werk über das Kriegsende hinaus und wurde erst 1958 versteigert. „Danach wechselte die Zeichnung mehrfach die Eigentümerschaft“, berichtet Rappe, „bis uns Dr. Michael Reisen-Hall half, das Bild vor einem erneuten Weiterverkauf zu sichern. Und dank des NRW-Kulturministeriums und der Kulturstiftung der Länder war uns dann der Ankauf möglich.“

Museumsdirektorin Susanne Titz ordnet die Bedeutung ein: „Dies ist ebenso Teil der Kulturgeschichte Deutschlands wie zum Beispiel die Thematik der Raubkunst. Etwas, wofür Menschen heute weite Wege auf sich nehmen, um es sehen und erleben zu können, wurde damals verfemt. Der Umgang mit Kunst durch einen Staat und dessen Gesellschaft ist dabei auch ein brandaktuelles Thema.“

Auch NRW-Kulturministerin Ina Brandes betont: „Dies ist mit ein Grund, warum wir in NRW das Thema Provenienzforschung sehr ernst nehmen und warum es auch so wichtig ist, solche Arbeiten mit seiner Geschichte einem breiten Publikum wieder zugänglich zu machen.“

Aktuell ist „Ernte“ im Raum für Provenienzforschung zu sehen. „Dann planen wir aber auch, das Werk immer wieder in anderen Zusammenhängen auszustellen“, sagt Rappe. Damit wird die Zeichnung wieder Teil eines Museums der Gegenwartskunst in Mönchengladbach – ganz im Sinne der ursprünglichen Vision Walter Kaesbachs.