„Der Wald hat so vielfältige Bedeutungen“, begründet Kuratorin Dr. Annette Schieck ihre Faszination für das neue Ausstellungsthema im Deutschen Textilmuseum in Linn. Sein Sterben führt uns die Umweltzerstörung und den Klimawandel vor Augen. Seine Mythen begleiten unsere Märchen. Seine frühere Dunkelheit befeuerte die Ängste der Menschen. Romantiker hingegen sahen im Wald die bessere Alternative zur Zivilisation. Der Aufenthalt im Wald steigert unser Wohlbefinden, lässt uns durchatmen. „Waldbaden“ ist eine Therapie für angegriffene Nerven geworden.
Gründe genug, unter dem Titel „Sehnsucht Wald“ eine textile Ausstellung zu organisieren. Annette Schieck sprach Textilkünstler an, die sich mit dem Thema befassen. Überdies steuerten Studenten der Hochschule Niederrhein unter Leitung von Professorin Anna Koch Arbeiten bei. Über 160 Werke können dadurch auf zwei Etagen im Textilmuseum ausgestellt werden.
Eine Wunderwelt aus Bäumen, Pflanzen, Bodenbewuchs und Vermischungen aus Natur und Gegenständen ist entstanden. Alles gehäkelt und genäht aus Wolle und anderen Textilien. Vieles sieht täuschend echt aus, bei anderen Objekten überrascht die kreative Zusammenstellung.
So sind ein Hemd und ein Stuhl zu sehen, beide scheinbar überwuchert von Moosen, als hätten sie lange im Wald gelegen. Eine ganze Kolonie roter Fliegenpilze zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Eine Häkelarbeit, bestehend aus diversen Garnen, wunderschön anzusehen. Die Nachbildung eines Baumes mit grüner Krone zieht sich Meter hoch vom Erdgeschoss in die obere Etage. Kleinformatige Stickbilder, Mobilé und vieles andere an Motiven und Techniken bereichern diese ungewöhnliche Ausstellung.
Sie ist untergliedert in zwei Bereiche: „Im Erdgeschoss konzentrieren sich die Arbeiten auf Bäume“, erklärt Museumsleiterin Annette Schieck, die das Konzept der Ausstellung erstellt hat und auch die Idee dazu hatte. Im Obergeschoss sind Objekte zu Moosen, Flechten und Insekten zu besichtigen.
Eine weitere Besonderheit der Ausstellung: Sie wird sich wandeln. Wie die Jahreszeiten den Wald verändern, so werden auch im Laufe der Monate in der Ausstellung Exponate ausgetauscht und die Ausstellung verändert. Deshalb bietet das Museum neben den Einzelkarten ein Vierer-Eintrittsticket an. Damit kann man vier mal die Ausstellung besuchen zum Preis von drei Eintritten (15 Euro).
Die Ausstellung wird am Sonntag, 1. März, um 11 Uhr feierlich in der Museumsscheune unter Anwesenheit des Oberbürgermeisters eröffnet. Sie läuft bis zum 27. Dezember. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt. Infos: www.deutschestextilmuseum.de