Seulenmedaille der Stadt Tönisvorst für Nicole Waßen „Sie prägte zwei Jahrzehnte die Finanzpolitik der Stadt und setzte Maßstäbe“

Tönisvorst · Nicole Waßen war mehr als zwanzig Jahre als Kämmerin und Erste Beigeordnete in Tönisvorst tätig. Vor kurzem wurde sie für ihre Verdienste mit der Seulenmedaille der Stadt geehrt.

Foto: Stadt Tönisvorst

Die damals 38-Jährige war gerade zwei Jahre im Amt, als der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 eine der größten Weltwirtschaftskrisen auslöste: die Finanzkrise 2008/2009. Weltweit brachen die Finanzen ein. In der Folge auch die Wirtschaft. Das führte zu einer deutlichen Verschlechterung der Haushaltslage der Kommunen in Deutschland. Rapide steigende Kassenkredite, höhere Sozialausgaben, schwindende Einnahmen: Mit diesem kollabierenden System sah sich Nicole Waßen - zu diesem Zeitpunkt als Kämmerin verantwortlich für die Finanzen der Stadt – konfrontiert. Mit der ihr typischen Unaufgeregtheit, klarer Haltung und ohne dabei die menschliche Komponente aus den Augen zu verlieren, führte sie die städtischen Finanzen in ein ruhiges Fahrwasser.

Es war nicht die einzige Krise, die sie in über 20 Jahren als Kämmerin und Erste Beigeordnete bei der Stadt Tönisvorst meisterte. „Und wenn immer wieder – oft fast beiläufig – gesagt wird, man danke ihr dafür, dass sie ein Haushaltssicherungskonzept abgewendet habe, dann kann eigentlich nicht deutlich genug gemacht werden, wie strategisch bedeutsam das für uns war. Nicole Waßen prägte über zwei Jahrzehnte die Finanzpolitik der Stadt und setzte Maßstäbe für kommunales Finanzmanagement“, so Bürgermeister Kevin Schagen. Auf Antrag der Politik wurde Nicole Waßen jetzt die Seulenmedaille der Stadt Tönisvorst verliehen. Diese Medaille wird seit 2001 an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die Stadt besonders verdient gemacht haben. „Sie hat viele Finanzkrisen bewältigt. Sie stand für konsequente Sparkurse und konnte so über die Krisen hinweg das Haushaltssicherungskonzept bis heute abwenden und hierdurch finanzielle Handlungsspielräume sichern“, lautet die Begründung der Politik. Der Beschluss fiel einstimmig.

Ab 2005 leitete Nicole Waßen die Abteilung Finanzen der Stadt Tönisvorst und wurde 2006 zur Kämmerin ernannt. Mit ihrer Expertise – sie beherrschte sowohl die traditionelle Haushaltsführung als auch das kaufmännische Rechnungswesen – wurde bei der Stadt Tönisvorst das Neue Kommunale Finanzmanagement (NKF) eingeführt. Tönisvorst war seinerzeit Pilotkommune. 2010 wählte der Stadtrat die Verwaltungsfachfrau und Bilanzbuchhalterin mit einem zusätzlich abgeschlossenen Betriebswirtschaftsstudium an der Uni Dortmund das erste Mal zur Beigeordneten, 2018 das zweite Mal.

„20 Jahre Chefin sein, das schafft man nicht mit ‚nett‘ allein. Geradlinig, ehrlich, direkt im Ton – doch immer mit Herz, das wusste man schon“: Anlässlich ihrer Verabschiedung im Sommer mit rund 70 Gästen überraschten die Kolleginnen und Kollegen Nicole Waßen mit einem eigens für sie kreierten Lied – als Zeichen tiefer Wertschätzung. Darin wird ihr immer wieder attestiert, ein Fels in der Brandung gewesen zu sein. Häufig fallen die Worte ‚ehrlich‘, ‚menschlich‘, dass sie immer für alle ein gutes Wort hatte. „Eindeutig der Dank an eine Frau, deren schnelle Auffassungsgabe, analytischer Blick und deren Fähigkeit, sowohl die menschliche als auch fachliche Dimensionen einer Sachlage umfänglich zu erfassen, sie zu einer geschätzten Vorgesetzten machten“, heißt es in der Mitteilung der Stadt Tönisvorst.