Jung und dynamisch - so präsentieren sich die Willicher Liberalen. Auf ihrem Parteitag bestätigten sie nochmals ihre neue Marschrichtung. Hannes Zühlsdorff (28) wurde ohne Gegenstimmen als Vorsitzender wiedergewählt. Mit Christian Koch (28) und Max Brauckmann (21) rücken zwei junge Stellvertreter an seine Seite, die die strategische Verjüngung der Parteispitze weiter vorantreiben.
Natürlich wurde bei ihrem Parteitag auch auf das Wahlergebnis zurückgeblickt. Doch statt Pessimismus wollen die Liberalen Probleme in der Stadt unbürokratisch und pragmatisch angehen „...und dazu muss man eben auch mal den Finger in offene Wunden legen“, sagt Vorsitzender Hannes Zühlsdorff. Das neue Leitprogramm der Willicher FDP gibt die Richtung vor: „Denken wir uns frei“ haben sie ihr Comeback-Programm tituliert und wollen damit nicht nur auf alte Probleme in der Stadt aufmerksam machen, sondern auch neue, moderne und unkonventionelle Wege aufzeigen, um die Stadt zukunftsfähig zu gestalten. Bürokratieabbau, wirtschaftliche Erneuerung, solide Finanzen, moderne Bildungspolitik, Chancenorientierung in der Integration und eine digitalere, transparentere Verwaltung sind hierbei die besonderen Schlagworte. Immerhin, ist sich Zühlsdorff sicher, war es der Antrieb der FDP, dass fast in ganz Willich das Glasfasernetz ausgebaut wurde.
„Dabei haben wir natürlich auch die aktuelle Haushaltslage im Blick“, sagt der Vorsitzende. Er, wie auch Max Brauckmann begrüßen die Entscheidung, den Haushalt erst im April zu verabschieden. „Vor diesem Hintergrund haben wir als Vorschlag eingebracht, die Fraktionszuwendungen auf den Prüfstand zu stellen“, so Zühlsdorff. „Wenn es ums Sparen geht, müssen die Fraktionen als gutes Beispiel vorangehen“, ergänzt der FDP-Vorsitzende. Bei einigen Fraktionen müsse man leider noch Überzeugungsarbeit leisten. „Dabei geht es nicht darum, komplett auf Fraktionszuwendungen zu verzichten und damit die Arbeit der Fraktionen zu beschränken, sondern lediglich darum, die Zuwendungen nicht zu erhöhen“, sagt Max Brauckmann. Fraktionen sollen kosteneffizient und transparent arbeiten. „Sparen betrifft uns alle - nicht nur die Bürger, sondern auch uns in der Politik“, betont Zühlsdorff.
Sparen könnte man auch in den Ausgaben der Stadt vor allem bei den Energiekosten. „Wir sind immer noch für Photovoltaik-Anlagen auf städtischen Gebäuden. Uns ist nicht klar, warum man dies in unserer Stadt nicht umsetzen kann, während es in anderen Städten problemlos funktioniert“, sagt der FDP-Vorsitzende. Gründe dafür lägen vor allem bei den Stadtwerken, die dafür noch nicht die technischen Geräte wie sogenannte „Smart Meter“ anbieten würden. „Smart Meter“ sind intelligente, digitale Stromzähler, der den Verbrauch nahezu in Echtzeit messen und Daten via Gateway an den Versorger übermittelt. „Ohne diese stimmt am Ende das Abrechnungssystem nicht“, sagt Brauckmann. Die Stadtwerke müssten die Ausstattung mit „Smart Metern“ anbieten. „Photovoltaik auf städtischen Gebäuden - das würde der Stadt nicht nur Kosten sparen, sondern auch noch Geld einbringen“, sagt Max Brauckmann und verweist auf eine von FDP-Beisitzer Ralf Klein ausgearbeitete Berechnungsgrundlage für einen Photovoltaik-Antrag. Laut dieser Berechnung würde die Stadt pro Jahr nicht nur 800 000 Euro einsparen, sondern auch noch 1 386 Tonnen CO2 pro Jahr, was einer Wirkung von 110 000 Bäumen gleichkommen würde. „Gut für das Stadtsäckl, gut für die Umwelt“, so Hannes Zühlsdorff.
Vor diesem Hintergrund müsste auch die Struktur der Stadtwerke auf den Prüfstand gestellt werden. Hier sehen Hannes Zühlsdorff und Max Brauckmann ebenfalls Handlungsbedarf. „Wenn man das Angebot der NEW mit dem der Stadtwerke Willich vergleicht, sehen wir hier noch viel Potenzial, das nicht ausgeschöpft ist“, ist sich Zühlsdorff sicher. Ihr Vorschlag: Einen externen Gutachter bestellen, der genau prüft, was zu optimieren möglich ist. „Hier stellt sich auch die Frage, ob man nicht strukturelle Synergien nutzen kann. Gerade unter marktwirtschaftlichen Aspekten ist es wichtig, die Stadtwerke zukunftsfähig aufzustellen“, sagt Hannes Zühlsdorff.
Priorität habe natürlich auch, dass die Stadt zukünftig mehr Haushaltsdisziplin zeige. „Außerdem“, so Zühlsdorff und Brauckmann, „müssen wir anfangen ‚out of the Box‘ zu denken“. Beide meinen damit, auch mal unkonventionelle Wege und Ideen anzugehen. „Warum suchen wir uns beispielsweise keinen Hauptsponsor für die Festspiele, so dass auch hier Geld für die Stadt erwirtschaftet werden kann? Warum greifen wir nicht mehr Fördermittel von der KfW-Bank ab? Das ist im Prinzip geschenktes Geld“, ist sich Zühlsdorff sicher, wohlwissend, dass die Verwaltung dafür Personal abstellen müsste. „Es wäre halt schade, wenn wir all diese Chancen vertun würden“, merkt Hannes Zühlsdorff an.