Das Gebäude Kita Alperhof wird abgerissen Eine veränderte Kita-Situation

Stadt Willich · Der Hauptausschuss der Stadt Willich hat sich am Dienstagabend mit der komplett veränderten Situation in Sachen Kindertagesbetreuung befasst – und einstimmig die nächsten konkreten, einschneidenden Schritte beschlossen.

Das Gebäude, in dem sich die Kita Alperhof befindet, soll laut der Technischen Beigeordneten Sarah Bünstorf, zukünftig abgerissen werden.

Foto: Kellys Grammatikou

Das Thema Kita, Fachkräfte und Kinderbetreuung scheint in Willich ein Dauerthema zu sein. Wurde von wenigen Jahren noch der Fachkräftemangel und die fehlende Betreuung beklagt, hat sich die Situation nun umgekehrt. „Bis 2029 werden wir vermutlich einen Überhang von 440 Plätzen haben“, äußerte sich der Bürgermeister noch vor zwei Wochen bei der Neueröffnung der Kita Glückskinder in Münchheide. „Die Bedarfssituation in Sachen Kindertagesbetreuung ist total gekippt. Einem massiven Bedarf, der in den letzten Jahren nicht immer gedeckt werden konnte, stehen nun geburtenschwächere Jahrgänge und nicht nur perspektivisch, sondern schon aktuell nicht mehr vertretbare Überkapazitäten gegenüber“, heißt es in einer Pressemitteilung der Verwaltung.

Also standen und stehen die Zeichen auf Umdenken. Das hat der Hauptausschuss am Dienstagabend nun in seiner Sitzung getan und der Verwaltung konkrete Vorschläge unterbreitet, wie man die Situation entschärfen könne.

Konkret sehen die Vorschläge so aus: Die Einrichtung St. Irmgardis soll zum Ende des Kitajahres 2026/2027 auslaufen; die Stadt wird mit dem katholischen Eigentümer über die Anmietung der Liegenschaft St. Irmgardis ab dem Kitajahr 2027/2028 verhandeln. Einziehen soll dort die Kita Villa Kunterbunt. In dem modernisierten und deutlich größeren Gebäude kann sie ihr Angebot zeitgemäß ausweiten (Mittagessen und Ganztagsbetreuung) und sich zukunftsfähig aufstellen.

Weiter wurde beschlossen, den freiwilligen Zuschuss für die AWO-Kita „Blaues Haus“ in Schiefbahn letztmalig bis zum 31. Juli 2027 zu verlängern - und die Verwaltung wird beauftragt, Gespräche mit dem Träger zum Auslaufen dieser Einrichtung zum genannten Termin zu führen.

Die Planungen für einen Neubau der Kita Alperhof sollen nicht an deren bisherigem Standort umgesetzt werden. Vielmehr soll diese Kita ihre neue Heimat im „Mehrgenerationenprojekt Reinershof“ finden. Dieses soll dann als einziges verbleibendes Kita-Neubauprojekt einschließlich der geplanten viergruppigen Tageseinrichtung trotz des Bedarfsrückgangs weiterverfolgt werden. Empfohlen wurde auch, mit dem DRK-Ortsverband als Träger des Brückenprojekts „Schatzkiste“ ein Auslaufen des Projekts zum 31. Juli 2026 anzuvisieren

Diese Entscheidungen haben vor allem bei Eltern, deren Kinder die betroffenen Einrichtungen besuchen, für Unmut gesorgt. „Für uns kommt diese Entscheidung sehr überraschend“, sagt Corinna Schulze, die im Willicher Norden wohnt und deren Kinder die Kita Alperhof besuchen. „Zunächst wurde uns gesagt, dass der Umzug nur eine Zwischenlösung sei, bis es einen Neubau Alperhof an der Pasteurstraße gibt und erst Anfang März hat man uns informiert, dass es dazu nicht kommen wird“, so die Mutter zweier Kinder. Tatsache ist: Das Gebäude Alperhof weist erhebliche Mängel auf. „Dass hier was passieren musste, war für uns absolut klar“, sagt sie. Unverständlicher für sie hingegen eine andere Situation: „Fast alle Kitas befinden sich gefühlt zentral rund um Alt-Willich - als Eltern im Willicher Norden fühlen wir uns da verlassen.“ Vor allem vor dem Hintergrund, dass sich gerade im Willicher Norden ein Generationenwechsel vollziehen würde, wäre dies ohne eine Kita in der Nähe für junge Eltern unattraktiv. Mit ihren Sorgen wäre sich auch zur Bürgerfragerunde im Jugendhilfeausschuss gewesen und dabei „... nur auf taube Ohren gestoßen. Sehr enttäuschend“, so Corinna Schulze. Gemeinsam mit dem Förderverein der Kita Alperhof als auch mit der Elternvertretung hat sie nun eine Petition gestartet, sammelt Unterschriften - auch online. Für sie fühlt sich die Situation an wie ein Kampf gegen Windmühlen. Außerdem befürchten die Eltern, dass das tatsächlich baufällige Gebäude Alperhof zu einem „Lost Place“ wird.

Die Pläne der Verwaltung sehen jedoch ganz anders aus. „Die Kita Alperhof bleibt bestehen - wird nur umziehen“, sagt die Technische Beigeordnete Sarah Bünstorf. „Das Gebäude Alperhof wird abgerissen. Ein Neubau würde fünf Millionen Euro kosten“, so die Beigeordnete weiter. Geld, dass die Stadt mit Blick auf die angespannte Haushaltslage nicht investieren kann. Die Sorge der Eltern könne man durchaus verstehen, dass der Weg zur nächsten Kita weiter sein könne. Aber auch hier habe die Stadt die neuen Distanzen genau geprüft. Mit den Buslinien 55 und 56 seien es nur 16 Minuten Fahrzeit, mit dem Auto gerade mal neun Minuten - rechtlich gesehen absolut zumutbar.

Fakt ist: Die Stadt kann angesichts des Bedarfsrückgangs und der angespannten Finanzlage des Haushalts nicht mehr zwei Neubauten für städtische Kitas (bisher geplant: Alperhof am bisherigen Standort und Villa Kunterbunt als Teil des Mehrgenerationenprojekts Reinershof) rechtfertigen.

„Darum hat man sich konstruktiv gemeinsam auf den Weg gemacht, um Wege auszuloten, wie die umfassend modernisierten und vom katholischen Träger zuletzt nicht ausgelasteten Räume der Kita St. Irmgardis künftig für städtische Zwecke genutzt werden können. Damit möchte man gemeinsam auf die veränderte Lage reagieren. Auch perspektivisch wollen Stadt und Kirchengemeindeverband im Gespräch bleiben und die gute Zusammenarbeit mit Blick auf die künftige Bedarfsentwicklung und daraus resultierende Maßnahmen fortsetzen“ heißt in der Mitteilung der Stadt.