Traumasensibel und queeroffen Jana Wessel startet ihr Vikariat in Asberg

Moers · Freude im Kirchenkreis Moers: Jana Wessel kommt im Rahmen ihrer theologischen Ausbildung für zwei Jahre in die Ev. Kirchengemeinde Moers-Asberg. Diese Woche überreichte ihr Synodalassessor Matthias Immer, der zurzeit den Superintendenten vertritt, ihre Berufungsurkunde.

Matthias Immer und Jana Wessel

Foto: Kirchenkreis Moers

Das Wort „berufen“ trifft: Als Tochter eines Arztes und einer Krankenschwester hatte sie in diese Fußstapfen treten wollen und absolvierte Praktika im Krankenhaus. Aber mehr noch als die Medizin berührte sie die Arbeit der Krankenhausseelsorgerin, die den Menschen zuhörte und ihnen in ihren schwierigen Stunden und Sorgen beistand. „Zudem haben mich die existenziellen Fragen des Konfirmandenunterrichts begeistert und nicht wieder losgelassen: Was ist der Sinn? Was passiert nach dem Sterben? Gibt es Gott? Wie kann Gott das Leid zulassen?“

Sie verließ ihren Heimatort Walsum-Vierlinden, studierte Theologie in Wuppertal, Bochum und Marburg, lernte während ihrer Praktika in der Krankenhausseelsorge, Gefängnisseelsorge und Palliativarbeit die Geschichten derer kennen, die erkrankt waren, mit Schuldgefühlen und gesellschaftlicher Isolation rangen oder um ihr nahendes Ende wussten. Zum Schwerpunkt ihres Studiums und Thema ihrer Abschlussarbeit machte sie schließlich die Traumasensibilität. „Es liegt mir am Herzen, in meiner Theologie aufmerksam für die Wahrnehmung von Wunden und Verletzungsgeschichten zu sein“, sagt die 26-Jährige.

Jetzt ist sie in den Kirchenkreis Moers gekommen, um in Moers-Asberg als Vikarin den praktischen Teil ihres Studiums zu übernehmen. „Ich freue mich, hier zu sein, habe schon mit vielen aus der Gemeinde Kontakt aufnehmen können und bin gespannt auf die vielen Menschen, die ich noch kennenlernen werde.“

Demnächst wird auch ein Studienbericht von ihr zur diskriminierungsarmen Seelsorge in einer Fachzeitschrift erscheinen und sie beschäftigt sich in ihrer Theologie auch mit Queersensibilität. „Es gehört zur Theologie, die Botschaft der Bibel bei aktuellen Fragen in Gemeinschaft und mit vielen verschiedenen Perspektiven immer wieder neu zu diskutieren. Gottes Liebe ist so groß, wir können sie nicht durch Antworten, die früher richtig erschienen, einschränken. Ich bin begeistert über die große Vielfältigkeit und Offenheit, die ich hier in der Gegend, in der Gemeinde und im Kirchenkreis wahrnehme.“