„Jenufa“ im Theater Duisburg Abgründe unter Trachtenkleidern

Duisburg · Wirklich fantastisch, ebenso sehens- wie hörenswert ist die aktuelle Produktion der Rheinoper im Theater Duisburg: „Jenufa“, ein Provinzdrama mit Happy End.

 Stefanie Schaefer (Die alte Buryja), Jussi Myllys (Števa Buryja), Sami Luttinen (Dorfrichter), Giorgi Sturua (Laca Klemen), Verena Kronbichler (Barena), Jacquelyn Wagner (Jenůfa), Rosie Aldridge (Küsterin), Katharina von Bülow (Frau des Dorfrichters), Katarzyna Włodarczyk (Schäferin) und der Damenchor der Deutschen Oper am Rhein in „Jenufa“.

Stefanie Schaefer (Die alte Buryja), Jussi Myllys (Števa Buryja), Sami Luttinen (Dorfrichter), Giorgi Sturua (Laca Klemen), Verena Kronbichler (Barena), Jacquelyn Wagner (Jenůfa), Rosie Aldridge (Küsterin), Katharina von Bülow (Frau des Dorfrichters), Katarzyna Włodarczyk (Schäferin) und der Damenchor der Deutschen Oper am Rhein in „Jenufa“.

Foto: Barbara Aumüller

Es ist schon was Furchtbares mit der Oper, dass es meistens um Mord und Totschlag geht - in „Jenufa“ um Kindsmord, grausamer geht’s wohl kaum - und nachher aber das Publikum jubelt bis zum Tumult, weil so großartig und wunderschön gesungen, gespielt und musiziert wurde, weil sie so schön aussahen in den prächtigen Kostümen oder im Falle Jenufas (Jacquelyn Wagner): so schön traurig.

„Jenufa“ ist - und in Tatjana Gürbacas Inszenierung für die Rheinoper ist es das ganz besonders - ein Stück über Provinz, wo sich Leben, Lieben und Sterben unter den immer streng wachenden Augen Gottes bzw. der Dorfgemeinschaft abspielen, die vorbestimmten Lebensentwürfe in blitzsauberen Trachten fest verpanzert (Kostüme: Silke Willrett).

So lässt man sich ein Einheitsbühnenbild gefallen: Das fugendicht gezimmerte Blockhaus (Bühne: Henrik Ahr) funktioniert als Landschaft mit Mühle ebenso wie als Stube der Küsterin und, im besten Sinne abstrakt, als werweiß Kirche, Waschhaus, Blumenbank und als die sprichwörtliche Enge der Provinz ... Nach oben offen, deutet die Treppe einen Ausweg und Erlösung an, ist aber auch die Luke für das scharf hereinfallende Licht, das wie Gottes Auge so schwer auf der Küsterin lastet (Licht: Stefan Bolliger).

Die fabelhafte Musik von Leos Janacek, von den Duisburger Philharmonikern unter GMD Axel Kober großartig und nur manchmal etwas zu laut gespielt, macht permanent Druck auf den Kessel, ebenso der verzweifelt jubilierende Chor, aus dem einige Damen auch solistisch glänzen und der auf Stück und Publikum mit Frohsinn einprügelt wie das Volksmusik-TV.

Die Sängerinnen und Sänger sind durchweg hervorragend, und daraus noch heraus ragen die beiden weiblichen Hauptfiguren mit ihrer fundamentalen Einsamkeit und ganz, ganz großem Gesang: Jacquelyn Wagner in der Titelrolle und Rosie Aldridge als Küsterin. Es kommt und wirkt hier alles fantastisch zusammen und zu einem guten Ende, das Jenufa und ihre „Zweitlösung“ Laca (Giorgi Sturua) die Möglichkeit von Glück sehen lässt.

„Jenufa“, am 9., 11. und 19. Mai im Theater Duisburg; Karten: 0203 28362100

www.operamrhein.de

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