„Pygmalion“ im Schlosstheater My fair Lady und die Klassenschranken

Moers · Das Schlosstheater Moers zeigt „Pygmalion - My fairest Lady“ von George Bernard Shaw - ein richtig gutes Stück, weltberühmt als Musical bzw. Film mit Audrey Hepburn. Es inszeniert das Team der „Zwei Fleischfachverkäuferinnen“.

 Maditha Dolle spielt die Eliza Doolittle in „Pygmalion - My fairest Lady“ am Schlosstheater Moers.

Maditha Dolle spielt die Eliza Doolittle in „Pygmalion - My fairest Lady“ am Schlosstheater Moers.

Foto: Valeria Mitelman

George Bernard Shaw, Sozialist, Literaturnobel- und Oscarpreisträger, wird nicht mehr oft gespielt auf deutschen Bühnen - seine Stücke sind einfach zu gut. Wären seine Stücke Autos, würden sie Auszeichnungen für die saubersten Spaltmaße kriegen, fugendichte Well-made-Plays, elegant, witzig und boshaft, wo sie’s sein müssen. Damian Popp (Regie), Tanja Maderner (Kostüme) und Jonas Schilling (Musik) haben am Schlosstheater Moers schon mit „Zwei Fleischfachverkäuferinnen“ gezeigt, dass sie aus einem eher schwachen Text ziemlich lustiges Schauspiel machen können. Umso gespannter darf man sein, was sie jetzt aus Shaws mehrfach verfilmtem und bearbeitetem Klassiker „Pygmalion“ machen.

Während des Pressegesprächs hat Damian Popp die literarische Qualität des Stücks gelobt und versichert, dass keine Aktualisierungen eingebaut würden, da das Original - wenn auch wie eigentlich immer mit Kürzungen - erhalten werden sollte. Denn aktuell ist das Stück auch so.

Mit Geschick, Fleiß und dem Willen, sich komplett umformen zu lassen, kann die Straßenverkäuferin Eliza Doolittle der Armut und dem Elend entkommen, so lautet das Versprechen, das ihr Phonetikprofessor Henry Higgins macht. Shaws Stück ist eine moderne Variation der Geschichte von Pygmalion, der sich in eine von ihm geschaffene Statue verliebt.

Bernard Shaw habe zeigen wollen, wie die Wissenschaft der Aussprache ein von ihm als überflüssig, schädlich und benachteiligendes Klassensystem demontieren kann, schreibt das Schlosstheater (Dramaturgie: Sandra Höhne). Die unüberwindbaren Klassengrenzen seien für Shaw nur eine Verkettung von Schein und Imponiergehabe. Doch seit Jahrzehnten, spätestens seit dem vermeintlichen Endsieg des Kapitalismus, erleben wir einen geänderten Blick auf Armut und soziale Schranken. Die These, dass sich Leistung auszahlt, wird zunehmend widerspruchslos akzeptiert. Seit einigen Jahrzehnten wird uns vermittelt, dass wir in einer klassenlosen Gesellschaft leben – alle, die nur hart genug arbeiten, können es nach ganz oben schaffen. Die Abwertung von Armen wird in andauernden Attacken auf das Wohlfahrtssystem deutlich sichtbar. Wenige machen sich dabei klar, dass es in einer wirklich klassenlosen Gesellschaft gar kein „Oben“ geben würde.

Das ist das Drama von Pygmalion: Higgins liebt nur sein Geschöpf, das Sprachkunstwerk, nicht den Menschen Eliza. Er formt sie zur Herzogin, nur um sie weiter wie ein Dienstmädchen zu behandeln.

„Pygmalion - My fairest Lady“ von George Bernard Shaw, Premiere am Freitag, 3. Mai, um 19.30 Uhr im Schloss; weitere Aufführungen: 5., 10. 12., 25. und 26. Mai, 2. Juni.

schlosstheater-moers.de

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