Goldonis „Diener zweier Herren“ im Schlosstheater Dienen ist Leistungssport

Moers · Es ist eigentlich gar nicht zu fassen, was für ein Glück Moers mit dem Schlosstheater hat. Jetzt beschenken uns Ulrich Greb und sein fantastisches Team mit einer gewaltigen Lachnummer: „Der Diener zweier Herren“, - zwei Stunden Verwirrung und Akrobatik, pures Theaterglück.

Joanne Gläsel (Pantalone), Ludwig Michael (Brighella), Leonardo Lukanow (Clarice), Lena Entezami (Beatrice) und Matthias Heße (Truffaldino) in „Der Diener zweier Herren“.

Joanne Gläsel (Pantalone), Ludwig Michael (Brighella), Leonardo Lukanow (Clarice), Lena Entezami (Beatrice) und Matthias Heße (Truffaldino) in „Der Diener zweier Herren“.

Foto: Jakob Studnar

Es gibt einen wunderbaren Vierzeiler von Robert Gernhardt: „Der Herr rief: Lieber Knecht, / Mir ist entsetzlich schlecht! / Da sprach der Knecht zum Herrn: / Das hört man aber gern.“ Liebe, Sex und Zärtlichkeit sind immer irgendwie unangenehm, der Tod viel zu traurig und schlimm - das Thema „Herr und Knecht“ ist irgendwie doch das ergiebigste und schönste im Theater und überhaupt.

Und es ist natürlich immer auch, das weiß man am Schlosstheater und sieht es dort auch jetzt wieder, das Thema Frau und Knecht*in. „Das Stück ist so gemacht, dass man die Handlung gar nicht verstehen kann“, hatte Ulrich Greb schon vorher gesagt, und das nicht etwa zu seiner Verteidigung. Denn man versteht trotz aller Rollenwechsel doch erstaunlich viel. Das Stück ist, Stichwort Fachkräftemangel, hier brandaktuell, Matthias Heßes Truffaldino ist ein hungerleidender Mehrfach-Minijobber, und gleichzeitig, ohne museal zu sein, fühlt man sich tatsächlich ins 18. Jahrhundert auf einen italienischen Marktplatz versetzt, wo man sich über die lustigen Verrenkungen der Darsteller im viel zu kleinen Bühnenkasten schief lacht. Und weh tut’s auch, aber man erfreut sich im Theater ja immer daran, dass es einem nicht selber zustößt ... Und wie sie zu- und sich herumstoßen, Birgit Angeles genialer Spiegelraum ist ein menschlicher Flipperautomat. Lena Entezami, Joanne Gläsel, Matthias Heße, Leonardo Lukanow, Ludwig Michael, Ihr seid zum Weinen großartig; umso dankbarer sind wir, dass Ihr uns pausenlos zum Lachen bringt.

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