Vogelexperte Ludwig Winkens zum Thema Winterfütterung Wer füttert, trägt Verantwortung

Mönchengladbach · Ob Discounter, Baumarkt oder Resterampe – überall gibt’s im Winter Vogelfutter zu kaufen. Aber 200 Meisenknödel für 23 Euro – taugen die was? Wann ist es überhaupt sinnvoll, die Vögel draußen zu füttern? Und worauf sollte man achten? Der Extra-Tipp hat jemanden getroffen, der sich auskennt: Ludwig Winkens, ornithologischer Ansprechpartner beim NABU Mönchengladbach.

Im Garten von Ludwig Winkens und seiner Frau ist für Spatz & Co. immer was zu holen.

Foto: Petra Käding

Es waren nur wenige Tage mit Nachtfrost, aber für manchen Vogel dürfte es schon „eng“ geworden sein. Nicht allein die klirrende Kälte – wenn sie dann kein geschütztes Plätzchen haben, reicht auch Aufplustern nicht – ist das Problem. Es ist die lange Dunkelheit, denn Vögel brauchen Licht für die Futtersuche. „Singvögel, vor allem die kleinen, müssen bei klirrenden Nachtfrostnächten kurz nach dem Wachwerden Futter finden, sonst überleben sie das nicht“, erklärt Ludwig Winkens. Klar, dass er und seine Frau Ingrid füttern. Klar aber auch, dass es kein Billig-Futter, sondern solches aus dem Tierfachhandel gibt. „Mit dem Billigfutter, das ist eine richtige Industrie geworden, da geht es gar nicht mehr um die Vogelwelt“, sagt Winkens und erklärt, worauf man achten sollte. „Es sollte eiweißreich sein, getrocknete Beeren, Sonnenblumenkerne, Hanfsamen, Haferflocken enthalten und besonders während der Brutzeit Insekten. Amseln sind nicht besonders wählerisch, mögen aber gerne Rosinen.“ Gut sind auch hochwertige (!) Meisenknödel (Stückpreis ca. 50 Cent), die – ganz wichtig – nicht nur aus Fett und überwiegend Weizen bestehen, denn „den mögen die Kleinvögel so gut wie gar nicht, er gefährdet während der Brutzeit sogar den Nachwuchs“, sagt Winkens. „Jungvögel können dieses Futter in der Regel nicht verdauen.“

Gern gepickt werden auch gefüllte Kokosschalen. „Die kann man auch selber machen“, sagt Ingrid Winkens, „einfach Kokosfett erwärmen, wenn es flüssig ist, mit Haferflocken, Rosinen, Sonnenblumenkernen, Hanfsamen zusammen in die Schalen füllen und erkalten lassen.“ Unbedingt darauf achten sollte man, dass Vogelfutter ambrosiafrei ist, denn „Ambrosia und sonstiger nichtheimischer Samen verbreiten sich zunehmend in unserer Natur – zum Nachteil der heimischen Pflanzen.“

Genauso wichtig wie das richtige Futter ist ein sauberer Futterplatz. „Klassische Vogelhäuser werden schnell zum Hot-Spot für Keime“, so Winkens. Also unbedingt möglichst täglich kontrollieren und auskehren sowie regelmäßig mit heißem Wasser säubern. Besser noch sind Futtersilos, die verhindern, dass die Vögel auf dem Futter stehen und draufmachen.“ Was die beliebten Meisenknödel angeht, sollte man diese möglichst ohne Netz anbringen, stattdessen Metall- oder Kunststoffhalterungen verwenden. Wenn Netze, dann bitte niemals leer hängen oder auf dem Boden liegen lassen. „Das könnten Todesfallen für Kleinvögel und andere Kleintiere werden“, warnt Winkens.

Auch für Trinkwasser gilt: täglich Schalen säubern und frisches Wasser einfüllen, bei anhaltenden Minusgraden öfter prüfen, ob es nicht zugefroren ist.

Bei Winkens wird übrigens das ganze Jahr über gefüttert. „Sicher, die Vögel können sich daran gewöhnen“, so der Vogelfreund. „Daher muss man sich klar darüber sein: Wer füttert, übernimmt die Verantwortung und ist verpflichtet, alles sauber zu halten und das richtige Futter zu wählen.“

Einmal im Thema, gerät Winkens, der schon als kleiner Junge seine Leidenschaft für Vögel entdeckt hat, ins Plaudern, weiß zu jedem Vogel etwas zu erzählen, etwa, dass der Eichelhäher früher auch „Markwart“ (plattdeutsch „Marküff“) genannt wurde oder heute „Wächter des Waldes“, weil er die Laute anderer Vögel nachahmen kann, den Mäusebussard etwa. „Damit vertreibt er die anderen Vögel und sichert sich so eine Futterquelle.“

Ein Rundgang ums Haus und durch den Garten, und überall entdeckt man Nistkästen und Vogelhäuser, sogar ein Spatzenreihenhaus. Der Garten ist naturnah gehalten. Winkens empfiehlt Vogelschutzhecken: Weißdorn, Schlehdorn, Eibe, Liguster und Buche. Eine sogenannte Benjeshecke und Totholzecke ist ebenfalls sehr hilfreich für Vögel, Insekten und Kleintiere.

Auf die Frage, wie sich die Vogelpopulation entwickelt hat, kann er leider nur betroffen sagen: „Desaströs. Vor allem insektenfressende Arten sind gefährdet. Es gibt nur wenige Gewinner bei den Klein- und Singvögeln wie das kluge Rotkehlchen und die Kohlmeise.“

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