Es waren nur wenige Tage mit Nachtfrost, aber für manchen Vogel dürfte es schon „eng“ geworden sein. Nicht allein die klirrende Kälte – wenn sie dann kein geschütztes Plätzchen haben, reicht auch Aufplustern nicht – ist das Problem. Es ist die lange Dunkelheit, denn Vögel brauchen Licht für die Futtersuche. „Singvögel, vor allem die kleinen, müssen kurz nach dem Wachwerden Futter finden, sonst überleben sie das nicht“, erklärt Ludwig Winkens. Klar, dass er und seine Frau Ingrid füttern. Klar aber auch, dass es kein Billig-Futter, sondern solches aus dem Tierfachhandel gibt. „Mit dem Billigfutter, das ist eine richtige Industrie geworden, da geht es gar nicht mehr um die Vogelwelt“, sagt Winkens und erklärt, worauf man achten sollte. „Es sollte eiweißreich sein, Sonnenblumenkerne, getrocknete Beeren und Insekten enthalten. Amseln mögen gern Rosinen.“ Auch hochwertige Meisenknödel (Stückpreis ca. 50 Cent), die nicht nur aus Fett und Weizen – „den mögen die Vögel gar nicht“ – bestehen, und gefüllte Kokosschalen werden gern gepickt. „Die kann man auch selber machen“, sagt Ingrid Winkens, „einfach Kokosfett erwärmen, wenn es flüssig ist, mit Haferflocken, Rosinen, Sonnenblumenkernen, Hanfsamen zusammen in die Schalen füllen und erkalten lassen.“ Unbedingt darauf achten sollte man, dass Vogelfutter ambrosiafrei ist, auch in der Brutzeit. „Die Vögel füttern das sonst an ihre Jungen und die können daran sterben“, warnt Winkens.
Genauso wichtig wie das richtige Futter ist ein sauberer Futterplatz. „Klassische Vogelhäuser werden schnell zum Hot-Spot für Keime“, so Winkens. Also unbedingt täglich auskehren und mit heißem Wasser säubern. Besser noch sind Futtersilos, die verhindern, dass die Vögel auf dem Futter sitzen und draufmachen.“ Was die beliebten Meisenknödel angeht, spricht nichts gegen die im Netz, wenn man diese aufhängt und in den Müll wirft, wenn sie leer sind. „Bloß nicht auf dem Boden liegen lassen!“
Auch für Trinkwasser gilt: täglich Schalen säubern und frisches Wasser einfüllen, bei anhaltenden Minusgraden öfter prüfen, ob es nicht zugefroren ist.
Bei Winkens wird übrigens das ganze Jahr über gefüttert. „Sicher, die Vögel können sich daran gewöhnen“, so der Vogelfreund. „Daher muss man sich klar darüber sein: Wer füttert, übernimmt die Verantwortung, ist verpflichtet, alles sauber zu halten.“
Einmal im Thema, gerät Winkens, der schon als kleiner Junge seine Leidenschaft für Vögel entdeckt hat, ins Plaudern, weiß zu jedem Vogel etwas zu erzählen, etwa, dass der Eichelhäher auch „Markwart“ (plattdeutsch „Markieff“) oder Wächter des Waldes“ genannt wird, weil er die Laute anderer Vögel nachahmen kann, den Mäusebussard etwa. „Damit vertreibt er die anderen Vögel und sichert sich so eine Futterquelle.“
Ein Rundgang ums Haus und durch den Garten, und überall entdeckt man Nistkästen und Vogelhäuser, sogar ein Spatzenreihenhaus. Der Garten ist naturnah gehalten. Winkens empfiehlt Vogelschutzhecken, von Weißdorn, Schledorn, Eibe, Tuja und Buchenhecke bis zur Benjes- oder Totholzhecke.
Auf die Frage, wie sich die Vogelpopulation entwickelt hat, kann er leider nur betroffen sagen: „Desaströs. Vor allem insektenfressende Arten sind gefährdet. Es gibt nur wenige Gewinner wie das kluge Rotkehlchen und die Kohlmeise.“