Montag ist der Tag, an dem die meisten Menschen zum Arzt gehen. Einige werden krankgeschrieben, viele bekommen Medikamente verschrieben, die sie sich im Anschluss in der Apotheke besorgen möchten beziehungsweise müssen. Am kommenden Montag, 23. März, geht das nicht, oder zumindest nur stark eingeschränkt, denn: die Apotheken streiken – bundesweit und auch in Mönchengladbach.
Hintergrund des Protesttags sind die seit Jahren unzureichenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Apotheken und infolgedessen ein um sich greifendes Apothekensterben. Aktueller Anlass ist die Beratung des Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG) im Deutschen Bundestag. Aus Sicht der Apothekerschaft reiche es nicht länger, die Krise „nur zu beschreiben“. Nach 13 Jahren Honorarstillstand setze sich das Apothekensterben ungebremst fort, mittlerweile schließe in Deutschland etwa alle 20 Stunden eine Apotheke dauerhaft!
Zu spüren ist das auch in Gladbach. „2016 gab es noch 64 Apotheken“, sagt Dirk Lammert, Pressesprecher der Apotheker in Mönchengladbach. „Davon sind 15 geschlossen worden, sodass wir aktuell bei 49 sind.“
Thomas Preis, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), und Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK) warnen: „Die flächendeckende, sichere und schnelle Arzneimittelversorgung für Bürger ist in Gefahr!“ Die von den Regierungsfraktionen im Koalitionsvertrag festgelegte wirtschaftliche Stärkung der Apotheken (durch Erhöhung der Vergütung von 8,35 auf 9,50 Euro pro Packung) müsse daher schnell und „ohne Wenn und Aber“ umgesetzt werden.
Neben verschlossenen Apothekentüren wird es zentrale Kundgebungen geben: in Berlin, Düsseldorf, Hannover, München. Auch Apotheken aus Mönchengladbach beteiligen sich, um mit der gesamten Apothekerschaft den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen.
Für Apothekenkunden bedeutet das kurzfristig Einschränkungen – langfristig profitieren sie hoffentlich vom Protest. Denn je mehr Apotheken schließen, desto weiter die Wege, desto schwerer die Versorgung mit Arznei – was im Akutfall, sei es bei einer schweren Bronchitis, Blasenentzündung, Magen-Darm-Grippe oder sonstigen Erkrankung, fatal sein kann.
„Eine Anpassung des Honorars ist dringend geboten, damit der gesetzliche Auftrag der Arzneimittelversorgung auch in Zukunft aufrechterhalten werden kann“, mahnt Lammert.
Apotheker Dirk Lammert empfiehlt, Rezepte möglichst vor dem Protesttag einzulösen. Doch wohin im Notfall? Da sich nicht alle Apotheken am Streik beteiligen, lohnt es sich gegebenenfalls, telefonisch nachzufragen, ob geöffnet ist. Auf jeden Fall bereit stehen die Apotheken, die am 23. März zum Notdienst eingeteilt sind: in Mönchengladbach sind das ab 9 Uhr die Sonnen-Apotheke, Roermonder Straße 111 in Waldhausen, und die Konstantin Apotheke, Konstantinstraße 161 in Giesenkirchen, in Korschenbroich die Post-Apotheke, Hauptstraße 59.