Rund 60 Teilnehmer aus dem Gesundheitswesen sowie interessierte Bürger nutzten die Gelegenheit, um über die aktuellen Herausforderungen der Gesundheitsversorgung zu diskutieren. Unter den Gästen waren Vertreter von Krankenhäusern, Krankenkassen, Ärzteschaft, Apotheken und weitere Akteure des Gesundheitswesens.
Mit Prof. Dr. Bernhard Breil, Dekan des Fachbereichs Gesundheitswesen an der Hochschule Niederrhein, hatten Odermatt und Klenner bewusst eine wissenschaftliche Perspektive eingeladen. In seinem Impulsvortrag machte Breil deutlich, dass Reformen im Gesundheitswesen häufig nicht an technischen Möglichkeiten scheiterten, sondern an fehlender Akzeptanz und mangelnder Verständlichkeit. „Da jede Veränderung bei Leistungserbringern wie Patienten oft das Gefühl einer Benachteiligung auslöst, muss der konkrete persönliche Nutzen klarer transportiert werden“, so Breil. Gerade angesichts des demografischen Wandels und steigender Krankheitsbilder brauche es mehr Transparenz, Bürokratieabbau und eine bessere Vernetzung der verschiedenen Versorgungsbereiche. Digitalisierung wie die elektronische Patientenakte könne dabei unterstützen, sei aber kein Selbstzweck, betonte Breil.
Einen eindringlichen Einblick in die aktuelle Situation der Krankenhäuser gab anschließend Thorsten Celary, Geschäftsführer der Städtischen Kliniken Mönchengladbach. Besonders kritisch sei die zunehmende Überlastung der Notaufnahmen. Allein im Jahr 2025 behandelten die Städtischen Kliniken rund 42 000 Patienten im Notfallbereich. Ein erheblicher Teil davon hätte ambulant versorgt werden können. Gleichzeitig führten Schließungen anderer Standorte in der Region zu zusätzlichen Belastungen für die verbliebenen Kliniken. „Man hätte zwingend vor der eigentlichen Krankenhausreform zuerst die Notfallreform und eine Reform des niedergelassenen Bereichs durchziehen müssen“, erklärte Celary. Das Thema Notfallversorgung wollen Vanessa Odermatt und Jochen Klenner nun in einer weiteren Veranstaltung vertiefend aufgreifen.
In der anschließenden Diskussion ging es unter anderem um die schwierige Suche nach Hausarztpraxen, Fragen der Patientensteuerung sowie die Finanzierung und Digitalisierung des Gesundheitssystems. Vanessa Odermatt und Jochen Klenner zogen ein positives Fazit des Abends: „Gesundheitspolitik funktioniert nur im Dialog mit den Menschen, die täglich Verantwortung tragen – in Kliniken, Praxen, Pflege und Verwaltung. Die große Resonanz und die offene Diskussion haben gezeigt, wie wichtig der direkte Austausch ist.“ Die Veranstaltung habe deutlich gemacht: Die Herausforderungen im Gesundheitswesen seien groß – ebenso groß sei aber auch die Bereitschaft vieler Akteure, gemeinsam an tragfähigen Lösungen für die Region zu arbeiten.