Über zwei Jahre hat Mönchengladbach gewartet. Warum eigentlich, fragt der Extra-Tipp den nun zum neuen Polizeipräsidenten berufenen Stephan Zenker...
Stephan Zenker: Zunächst einmal möchte ich mich bei Herrn Wiesselmann und den beiden stellvertretenden Behördenleitern für ihren Einsatz und ihr Engagement bedanken. Die Gesetzeslage auf Bundesebene zur Besetzung der Stelle eines Polizeipräsidenten hat sich in der Zeit verändert, sodass ein Verfahren neu entwickelt werden musste. Früher galten Polizeipräsidenten als politische Beamte. Das hat sich inzwischen geändert.
Innenminister Herbert Reul sagt, Sie bringen die beste Grundlage mit, um die Polizei Mönchengladbach in herausfordernden Zeiten sicher und verantwortungsvoll zu führen. Wo sehen Sie die besonderen Herausforderungen in unserer Stadt?
Die zentrale Herausforderung für mich als Polizeipräsident ist es, für die Sicherheit der Menschen in Mönchengladbach zu sorgen. Für mich ist es nicht nur ein gesetzlicher Auftrag der Polizei, Straftaten zu verfolgen und Gefahren abzuwehren, sondern mindestens genauso wichtig ist es, dass die Bürgerinnen und Bürger erkennen, der Staat und hier die Polizei ist da, nimmt unsere Bedürfnisse wahr und wird aktiv. Nur so können wir das Vertrauen der Menschen sichern.
Wie in anderen Großstädten vergleichbarer Größe, gibt es auch in Mönchengladbach Stadtteile und Straßenzüge, in denen das Sicherheitsgefühl der Menschen beeinträchtigt ist. Hierauf hat die Polizei bereits reagiert. Die Bekämpfung von Brennpunkten, Angsträumen und Stellen, über die die Bürger sich beschweren, sind das behördenstrategische Ziel in Mönchengladbach. Das bedeutet, dass alle Beschäftigten geschlossen, egal ob im Wachdienst, Verkehrsdienst oder in der Kriminalpolizei, täglich daran arbeiten, die Lebensqualität mit allen Möglichkeiten, die zur Verfügung stehen, in Mönchengladbach gerade in diesen Räumen zu steigern.
Meine persönlichen Herausforderungen liegen zunächst darin, neben den Beschäftigten des PP Mönchengladbach alle handelnden Akteure der Stadtgesellschaft kennenzulernen. Die Stadt ist klassisch rheinisch geprägt und das Brauchtum wird durch Schützenfeste und Karneval lebendig gehalten und gepflegt. Hier trete ich in große Fußstapfen von Mathis Wiesselmann, der mit den Menschen in einem guten Kontakt gestanden hat. Das liegt auch mir am Herzen.
Welche Schwerpunkte möchten Sie setzen?
Nach außen geht es mir darum, die gute Arbeit der Vergangenheit fortzusetzen. Dabei sehe ich meine vorrangige Aufgabe als Behördenleiter mit der Stadt Mönchengladbach, der Bundespolizei, der Staatsanwaltschaft, den Gerichten und allen weiteren Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sowie der Zivilgesellschaft eng zusammenzuarbeiten.
Ich habe in meiner dienstlichen Vita die Erfahrung gemacht, dass der Erfolg oft nur im Zusammenwirken aller Beteiligten erreicht werden kann. Unterschiedliche Behörden bringen vielfältige Sichtweisen, Befugnisse und auch Ressourcen mit und im Zusammenwirken entsteht eine viel größere Wirkung, als wenn alle für sich arbeiten. Und das gilt für das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger im Besonderen.
Bei den konkreten Aufgaben der Polizei steht für mich ganz oben, präsent und ansprechbar zu sein für die Bürgerinnen und Bürger. Wir müssen ihre Ängste und Sorgen ernst nehmen und uns um ihre Belange kümmern. Mit Sicherheit werden wir die Präsenzkonzepte fortsetzen und - wenn es notwendig wird - anpassen, wie es erforderlich ist.
Innerhalb der Behörde ist es mir ein vertrauensvolles und konstruktives Miteinander wichtig. Nur im Dialog können die besten Lösungen gesucht und gefunden werden.
In unserer Gesellschaft kommt es zunehmend zu Anfeindungen, auch gegenüber der Polizei – was planen Sie in Sachen Überwachungskameras, Bodycams etc.?
Erstmal möchte ich in Mönchengladbach ankommen und mir ein genaues Bild davon machen, wie die Sicherheitslage aussieht. Aus der Ferne heraus kann ich das nicht abschließend sagen. Fakt ist: Schon seit 2004 gibt es in Mönchengladbach eine Videobeobachtung und dafür gibt es gute Gründe. Zudem nutzt die Polizei Geräte zur mobilen Videobeobachtung, die für bestimmte Veranstaltungen temporär aufgestellt werden können.
Die Sachlage zur Bodycam ist eindeutig durch das Land geregelt. Die Bodycam ist durch die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten mitzuführen und in rechtlich zulässigen Situationen einzuschalten. Es geht hier in erster Linie um Deeskalation. Für diese Linie werde ich auch als Behördenleiter einstehen
Im Mönchengladbacher Präsidium warten 840 Beschäftigte auf Sie – was ist das für ein Gefühl?
Da sprechen Sie eine riesige Verantwortung an, der ich mich aber gerne stelle. Es sind nicht nur sehr viele Menschen mit ihren individuellen Bedürfnissen, Wünschen und Haltungen, sondern auch viele Spezialisten für ihre jeweiligen Bereiche. Es ist mir wichtig, die Menschen in meiner Behörde schnell kennenzulernen und für sie da zu sein.
Sie kommen aus Linnich, waren bei der Polizei Neuss und im LKA bei der Polizei Aachen tätig – wie gut kennen Sie Mönchengladbach, werden Sie auch hier wohnen?
Aus dienstlicher Tätigkeit ist mir natürlich das alte Polizeipräsidium in der Innenstadt auf der Theodor-Heuss-Straße bekannt, aber auch zu den Justizbehörden, der Staatsanwaltschaft und dem Amts- und Landgericht hatte ich regelmäßig Kontakt.
Privat ist dann eher der Borussia-Park oder die Mönchengladbacher Innenstadt für gelegentliche Einkäufe mein Ziel gewesen.
Einen Wohnortwechsel strebe ich nicht an, auch weil mein Sohn noch zur Schule geht. Der Weg nach Mönchengladbach ist für mich kurz und schränkt mich nicht ein. Daher ist es kein Problem, auch am Wochenende oder abends Termine wahrzunehmen.
Was hat Sie zur Polizei geführt, wollten Sie schon als Kind Polizist werden?
Spätestens in der gymnasialen Oberstufe stand für mich der Polizeiberuf als Berufswunsch fest. Ich habe ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl und ich wollte etwas Sinnstiftendes machen. Auch die vielen unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten, die der Polizeiberuf bietet, waren für mich wichtig.
Was machen Sie nach Feierabend, am Wochenende, im Urlaub?
Zum Ausgleich meiner beruflichen Tätigkeit, die nun doch oft durch sitzende Tätigkeiten geprägt ist, halte ich mich durch Sport fit. Ich laufe leidenschaftliche gerne und mache ein bisschen Kraftsport. Mit meiner Familie reise ich gerne und ich bin im Schützenwesen aktiv.