Die georgische Sängerin exklusiv im Interview Katie Melua bei der SommerMusik: „Es wird wunderschön werden“

Bei der SommerMusik singt die georgische Sängerin Katie Melua am 27. August ihre Welthits am Rheydter Schloss. Der Extra-Tipp hatte die Gelegenheit, mit ihr ganz persönlich über ihre Musik, ihr Leben und ihre Karriere zu sprechen.

Superstar Katie Melua freut sich auf ihr Konzert am 27. August bei der SommerMusik Schloss Rheydt.

Foto: Wojtek Rojek

Die Fans in Mönchengladbach freuen sich schon sehr darauf, Deine wunderbaren Lieder zu hören. Du bist schon an großartigen Orten wie der Royal Albert Hall in London aufgetreten. Unser Schloss Rheydt ist da schon etwas kleiner. Was bevorzugst Du, ein kleines oder ein großes Auditorium?

Ich fühle mich einfach geehrt, auf jeder Bühne zu stehen, wo Leute zuhören. Ich schätze mich glücklich, wenn die Leute zu unseren Shows kommen und ich das Gefühl habe, dass sie der Musik wirklich aufmerksam zuhören. Manchmal kommt es eher auf die Atmosphäre an. Und ich weiß, dass wir in Mönchengladbach in einem Renaissance-Schloss spielen werden. Ich bin mir ganz sicher, dass die Atmosphäre wunderschön sein wird.

Fast jeder auf der Welt kennt Deinen Song „Nine Million Bicycles“. Allerdings konzentrieren sich viele auf diese berühmte Zeile, ohne zu wissen, dass es sich eigentlich um ein Liebeslied handelt. War das beabsichtigt?

Songwriting ist für mich Kunst. Es bedeutet mir alles, die Bilder, die wir verwenden, in Metaphern und Ideen umzusetzen. Zunächst einmal wurde dieser Song von meinem Mentor Mike Batt geschrieben, als ich 21 Jahre alt war. Wir waren gerade auf Promotion-Tour nach China gereist. Danach erzählte mir Mike, dass er von unserem Reiseleiter erfahren hatte, dass es in Peking neun Millionen Fahrräder gibt. Er fand diese Vorstellung wirklich interessant.

Ich glaube, die Titelzeile „Nine Million Bicycles in Beijing“ ist wahrscheinlich wunderbar für die Menschen, die in Peking leben. Aber ein Lied braucht eine gute, universelle Botschaft, die jeden anspricht. Und ich glaube, Liebe ist etwas, dass das wirklich tut. Jeder auf der ganzen Welt hat das in irgendeiner Form schon einmal erlebt.

Glaubst Du an unendliche, bedingungslose Liebe?

Ja, das tue ich tatsächlich. Vor allem, seit ich Mutter geworden bin. Ich habe so viel Glück mit der Familie, in die ich hineingeboren wurde. Meine Mama und mein Papa sind einfach unglaublich. Und seit ich meinen Partner kennengelernt habe, habe ich das Gefühl, die Liebe meines Lebens gefunden zu haben. Und dann haben wir ein gemeinsames Baby bekommen. Also, ja – ich glaube an die unendliche Liebe!

Viele deiner Lieder scheinen autobiografisch zu sein und in Interviews sprichst du ganz offen über schwierige psychische Phasen in deinem Leben. Hast du jemals Angst, zu verletzlich zu wirken? Und wie schützt du deine Privatsphäre im Zeitalter der sozialen Medien?

Ich glaube, ich hatte Glück mit den Leuten, mit denen ich zusammenarbeite. Meine erste Pressesprecherin Sue Harris hat mir gezeigt, dass ich bestimmte Presse- und Interviewtermine wahrnehmen soll und andere besser nicht mache, und dass ich über bestimmte Aspekte meines Lebens und meiner Musik sprechen sollte und über andere nicht. Mir ist also klar geworden, dass es durchaus möglich ist, flexibel zu sein, was man preisgibt und was nicht.

Worum geht es in deinem Song „Love and Money“? Und was sind deine Lieblingsthemen, über die du schreibst?

Es geht um die Geschichte meiner Familie, die nach Großbritannien ausgewandert ist. Ich fand das wirklich inspirierend, weil wir selbst die Erfahrung gemacht haben, umzuziehen, um ein besseres Leben zu finden. Ich habe immer noch eine Familie zu Hause, und ich sorge für sie.

Wenn du einen Song schreibst, was kommt normalerweise zuerst, die Melodie oder der Text?

Meistens fange ich damit an, Tagebuch zu schreiben und zu versuchen, mir von der Seele zu reden, was mir so durch den Kopf geht, was mich beschäftigt. Manchmal geht es dabei um ganz alltägliche Dinge oder um Sachen, die mich nerven. Dann passiert etwas beim Schreiben – eine Formulierung oder eine Art von Gefühl. Und dann denke ich, oh, das könnte zu etwas führen. Ich nutze diesen Satz und überlege, wie ich ihn mit Musik kombinieren kann. Ich würde also sagen, dass ich mich mehr von den Texten leiten lasse. Aber Songwriting ist ein ewiges Rätsel und es kann jede Form annehmen.

Kannst Du uns einen kleinen Vorgeschmack geben, was das Publikum in Mönchengladbach von Deinem Konzert erwarten kann?

Ich bin total aufgeregt wegen der Shows im Sommer. Ich habe eine tolle neue Band, mit der ich seit letztem Jahr zusammenarbeite. Das sind so umwerfende Musiker. Einige von ihnen sind Teil der Londoner Jazzszene. Hier in Großbritannien ist gerade so eine Art Jazz-Renaissance. Die Musik, die wir machen, fühlt sich frisch an, aber wir peppen sie nicht auf. Wir verändern sie nicht. Es gibt kleine Momente, in denen die Musiker tatsächlich improvisieren, und darin sind sie wirklich wunderbar. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll – im Grunde genommen erwecken wir die Songs zum Leben und die Musik hat absolute Priorität. Damit versuchen wir, unsere Freiheit als Musiker zu finden.

Welche Art von Musik hörst du gerne in deiner Freizeit?

Ich liebe so viele Arten von Musik, aber im Moment bin ich total begeistert von Big Thief. Ich liebe Lana Del Rey. Ich liebe auch Sabrina Carpenter und Chappell Roan. Ich liebe Leonard Cohen, die Klassiker. Und Eva Cassidy natürlich.

Welche Instrumente spielst Du?

Ich spiele hauptsächlich Gitarre, Akustik- und E-Gitarre. Es ist wirklich wunderschön, die Gitarre gewissermaßen zu „öffnen“ – sie so klingen zu lassen, als würdest du sie zum ersten Mal spielen. Denn die verschiedenen Stimmungen nehmen dir gewissermaßen die Orientierung, sie löschen alle gewohnten Muster. Es ist faszinierend, damit zu arbeiten.

In dem ABBA-Song „Thank You for the Music“ gibt es die Zeile „Mama says, I was a dancer, before I could walk, she says, I began to sing, before I could talk“. Wie und wann hat die Musik für Dich angefangen?

Für mich begann die Musik, glaube ich, schon in sehr jungen Jahren. Ich habe meine Eltern und meine ganze Familie in Georgien dazu gebracht, sich hinzusetzen und mir zuzuhören, wenn ich für sie gesungen und getanzt habe. Meine Mutter erzählt auch Geschichten davon, wie wir von Tiflis nach Moskau geflogen sind und ich am Ende des Fluges oft die Namen aller Passagiere kannte, weil ich den Gang auf und ab ging und für sie sang.

Ich schätze, Musik ist für mich einfach immer eine Konstante geblieben. Als wir in den Westen zogen, war die Vorstellung für uns so positiv wegen der Musik, wegen Bands wie Queen, Led Zeppelin und den Beatles. Wir hatten wegen der Kultur einfach das Gefühl, im Lotto gewonnen zu haben.

Welche Bands, Sänger oder Songwriter haben dich am meisten beeinflusst?

Ich glaube, Eva Cassidy hatte einen sehr großen Einfluss. Ich würde auch Jeff Buckley nennen. Er ist einfach so voller rauer Emotionen. Ich liebe auch Bobby Gentry, und natürlich gibt es da noch Joni Mitchell. Was das Singen angeht, möchte ich auch Hamlet Gonashvili erwähnen. Ein georgischer Sänger, der vor vielen, vielen Jahren gestorben ist. Er hat einfach die schönsten Aufnahmen georgischer Volkslieder gemacht.

Wo singst du außerhalb der Bühne? Im Auto, unter der Dusche, mit deinem Kind? Und übrigens, was ist dein Lieblingsschlaflied?

Oh, was für eine süße Frage. Nun, da gibt es einige. Ich spreche mit Sandro, meinem Sohn, fast ausschließlich Georgisch. Es ist eine wunderschöne Sprache, deshalb würde ich sagen, die georgischen Wiegenlieder.

In „Nine Million Bicycles“ singst du die berühmte Zeile: „We are twelve billion lightyears from the edge“. Wenn es in der heutigen Welt etwas gäbe, von dem du so weit weg sein möchtest, was wäre das?

Was für eine tolle Frage. Nun, es gibt etwas, das ich wirklich hasse. Es ist ja klar, dass all die politischen Schwierigkeiten auf der ganzen Welt einfach schrecklich sind und es ist wirklich herzzerreißend, das mit anzusehen. Wenn ich mich davon distanzieren könnte, wäre das einfach wunderbar. Das wünsche ich mir für uns alle.

Katie Melua ist am Donnerstag, 27. August, in Mönchengladbach zu erleben. Das Konzert ist erwartungsgemäß bis auf ein paar Stehplatzkarten restlos ausverkauft.

Auch für die weiteren Konzerte der SommerMusik sind die Tickets heiß begehrt. Bereits ausverkauft ist das Konzert mit Giovanni Zarrella am Abschlusstag des Festivals. Nur noch wenige Restkarten gibt es für die preisgekrönte ABBA-Tributeshow „One Night in Sweden“ und für „Köbes Underground“ aus Köln. Bei Tony Hadley (21. August) und Culcha Candela (23. August) wird es in den kommenden Wochen ebenfalls langsam knapp. Ein Highlight wird das Konzert der kanadischen Bluegrass Truppe „The Dead South“. Hier erwartet Veranstalter Günter vom Dorp eine Fanbase, die aus ganz Europa anreist und verspricht einen Abend mit viel Energie und Spaß.

Erstmalig bietet die SommerMusik einen Ferienspaß für Kids und die ganze Famile. Die Dino-Metalband „HEAVYSAURUS“ wird am Montag, 24. August, nachmittags die Bühne rocken. Für die Kids gibt es eine Extra-Zone direkt an der Bühne. Und natürlich darf im Jubiläumsjahr die Kultnacht mit FUN und dem Jugendsinfonieorchester nicht fehlen (29. August); ein Konzert wie immer mit viel Nostalgie und Gänsehautmomenten.

Tickets für alle Konzerte gibt es in Mönchengladbach beim Extra-Tipp, Blumenberger Straße 143-145, 02161/81 98 0, sowie online unter voilakonzerte.de