Fünfte Gedenkfahrt des Riga-Komitees Erinnern an das Unfassbare

Mönchengladbach · 44 Delegierte aus 34 Riga-Städten werden Anfang Juli nach Riga fahren. Sie kommen unter anderem aus Bochum und Brno (Brünn), Detmold und Dresden, Herten und Hamburg, Kassel, Mönchengladbach, Münster und Wien. Schwerpunkte der Fahrt werden das Gedenken an Deportation und Ermordung jüdischer Menschen in Riga vor 85 Jahren sein sowie die Einweihung der Gedenkstätte Riga-Bikernieki vor 25 Jahren. Für die Stadt Mönchengladbach wird Bürgermeister Bernhard Stein nach Riga reisen.

Auch ein Besuch der Gräber- und Gedenkstätte Riga-Bikernieki gehört zur Fahrt des Riga-Komitees.

Foto: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Die lettische Hauptstadt am Ostseestrand hat eine bewegte Geschichte mit düsteren Kapiteln. Der Erinnerung daran hat sich das Riga-Komitee verschrieben – ein einzigartiges europäisches Städtebündnis mit rund 80 Mitgliedern, dem die Stadt Mönchengladbach seit 2018 angehört.

Enthüllung einer verdeckten Tragödie

In den Wintermonaten 1941/42 wurden über 25 000 jüdische Kinder, Frauen und Männer aus dem Deutschen Reich nach Riga deportiert, die allermeisten von ihnen wurden dort ermordet. Die Deportationen aus Mönchengladbach, Rheydt und Wickrath fanden am 11. Dezember 1941 statt. Damals wurden etwa 180 jüdische Bürgerinnen und Bürger mit einem Sammeltransport über Düsseldorf in das Ghetto Riga verschleppt.

Lange war das kaum bekannt. Dem Politiker Winfried Nachtwei ist es zu verdanken, dass er bei einer Spurensuche 1989 in Lettland diese vergessene Tragödie aufdeckte: „Die Deportation war eine Schande. Unfassbar war, wie die Menschen gequält und ermordet wurden.“ In Münster initiierte Nachtwei zum Jahrestag der Deportation eine Gedenkveranstaltung. Das war der Anstoß zur Gründung des Deutschen Riga-Komitees.

Im Jahr 2000 schlossen sich auf Initiative des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge 13 deutsche Städte, aus denen die jüdische Bevölkerung nach Riga deportiert worden waren, zu dem Städtebündnis zusammen. Damit übernahmen sie die Aufgabe, an ihre ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger zu erinnern.

34 Delegationen der Mitgliedsstädte aus drei Ländern werden am 2. Juli die Gedenkorte Rumbula und den Bahnhof Skirotova sowie die Überreste des Konzentrationslagers Jungfernhof besuchen. Dort werden sie gemeinsam mit Ilya Lensky, Direktor des Museums der Juden in Lettland, Kinder von Überlebenden treffen.

Am nächsten Tag werden die Delegierten die Gräber- und Gedenkstätte Riga-Bikernieki besuchen – ein authentischer historischer Ort, der niemanden unberührt lässt. Die 55 Massengräber sind durch steinerne Umrandungen erkennbar gemacht. Auf Steintafeln stehen die Namen der Heimatstädte der Toten. Unterschiedlich hohe Granitstelen sollen an die Menschen erinnern, die sich angesichts ihrer Ermordung zusammendrängten. 2022 installierte der Volksbund dort eine Außenausstellung, die Besucher über die Geschichte des Ortes informiert.

Die Delegationen werden auch an der offiziellen Gedenkveranstaltung zum lettischen Holocaustgedenktag an der Ruine der Großen Choral-Synagoge teilnehmen.

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