MKK-Reise Kulturkreis hat Albanien erkundet

Meerbusch · Nachdem der Meerbuscher Kulturkreis im Jahr 2024 Montenegro besucht hatte, ging es 2025 in dessen Nachbarland Albanien, das nach vielen Jahren der Kommunistenherrschaft unter Enver Hoxha 1991 seine Freiheit erlangte.

2025 ist der Meerbuscher Kulturkreis nach Albanien gereist.

Foto: MKK

Über 160 000 Bunker, die Hoxha aus Furcht vor einem Atomkrieg bauen ließ, erinnern an die dunkle Zeit. Heute ist Albanien ein aufblühendes Land, die Küstenstädte sind voller Touristen, es herrscht Religionsfreiheit. Albanien hat nur 1,5 Millionen Einwohner, da eine Million das Land verlassen haben und im Ausland wie zum Beispiel in Deutschland arbeiten. Albanien strebt in die Europäische Union, als Beitrittskandidat werden bereits heute viele Projekte von der EU gefördert. Allerdings steht dem Beitritt noch die Korruption entgegen und die Vergangenheit ist noch nicht ausreichend aufgearbeitet.

Nach der Ankunft in Tirana ging es für die 28-köpfige Reisegruppe mit dem Bus in die Stadt Berat, die zum Weltkulturerbe zählt. Im Weingut Pupa, das mit EU-Mitteln sehr schön restauriert wurde, erfuhren die Teilnehmer etwas über den Wein der dortigen Gegend. Der Tag endete mit einem opulenten Essen mit Weinprobe. Am nächsten Tag wurde Berat besichtigt, die „Stadt der tausend Fenster“, die ihren Namen den vielen großen Fenstern der Altstadthäuser verdankt. Berat besitzt kunstvoll verzierte Moscheen aus dem 15. Jahrhundert sowie zahlreiche byzantinisch-orthodoxe Kirchen mit Fresken des Malers Onufri. Von einer Burg aus dem 13. Jahrhundert hat der Besucher einen großartigen Blick über die Stadt. Am Nachmittag berichtete der namhafte Künstler Agron Polovina im Rahmen eines Atelierbesuchs über seine künstlerische Laufbahn, die noch während der dunklen Zeit des Kommunismus begann.

Am folgenden Tag ging die Fahrt durch den wunderschönen Nationalpark Liogara in die Berge. Zum Mittag gab es Joghurt mit Walnüssen und einheimischem Honig. Die Weiterfahrt führte an der Küste entlang in den Süden von Albanien nach Butrint mit seinen sehenswerten Ruinen aus der Römerzeit. Die abendliche Stärkung in einem leckeren Fischrestaurant erfolgte im quirligen Saranda mit Übernachtung in einem Hotel direkt am Meer.

Der dritte Tag brachte die Gruppe nach Gjirokastra mit einem ersten Halt im Dorf Lavova zur Besichtigung der Kirche „Labova e Krygit“, die der Gottesmutter Maria geweiht ist und zu den ältesten Albaniens zählt; dort war einst eine Reliquie des wahren Kreuzes Christi aufbewahrt. Hinter der Kirche wurden die Reisenden von einer heimischen Familie mit einem leckeren Mittagessen beköstigt, deren bedienende Töchter sich in Berlin zur Krankenschwester und zur Altenpflegerin ausbilden lassen. Gjirokastra, ebenfalls eine UNESCO-Weltkulturerbestadt, wird auch als „Stadt der Steine“ bezeichnet, da viele Dächer mit den örtlichen grauen Steinen als Dachziegel bedeckt sind. In der dortigen Burg gibt es ein Waffenmuseum und die Reste einer Lockheed T-33 der Luftwaffe der Vereinigten Staaten, die 1957 in Kuçova notlanden musste und nach albanischen Angaben Spionage betrieben hatte. Der Abend klang bei einem typischen albanischen Essen mit traditionellem Iso-Polyphonie-Gesang aus – eine Musik, die erst beim zweiten Hinhören durchaus begeisterte. Spontan nahmen die Reiseteilnehmer an einem einheimischen Volkstanz teil.

Am fünften Tage wurde auf der Fahrt zur Küstenstadt Durres das Kloster von Ardenica besucht, das 1282 errichtet wurde und – wie viele Kirchen – beeindruckende Ikonen beherbergt. In Durres selbst konnte ein altes, recht verfallenes Amphitheater besichtigt werden.

Am darauffolgenden Tag wurde Shkodra im Norden Albaniens besucht. Besonders interessant war der Besuch einer Werkstatt, in der venezianische Masken aus Pappmaschee künstlerisch gestaltet und in alle Welt, aber insbesondere nach Venedig verkauft werden. Über der Stadt thront eine Burg, die einen großartigen Blick auf die Stadt und den anliegenden See bietet und deren älteste Mauern auf das erste Jahrtausend vor Christi datiert werden.

Zum Schluss der Reise ging es nach Tirana, die Hauptstadt Albaniens. Moderne Hochhäuser und große Hotels lassen vergessen, dass hier das Zentrum der Gewaltherrschaft von Hoxha lag. Das von den Kommunisten als Pyramide geplante Mausoleum für den toten Hoxha ist heute ein lebendiges Kulturzentrum. Breite Boulevards durchkreuzen die Stadt. Am ersten Abend besuchte die Gruppe ein wunderschönes Symphoniekonzert des Albanischen Rundfunks und Fernsehens. Am letzten Tag stand das Weltzentrum des Bektaschi-Ordens auf dem Programm. Das Besondere dieser mystisch-islamischen Glaubensrichtung mit rund 150 Millionen Anhängern weltweit besteht darin, dass die Gläubigen entgegen den üblichen Regeln des Islams nicht fünfmal am Tag beten müssen und der Besuch Mekkas nicht verpflichtend ist. Sie sind der Meinung, dass das Gute und das Böse in uns selbst steckt und wir selbst das Böse bearbeiten müssen. Zum Ausklang der Reise gab es ein letztes gemeinsames Abendessen mit albanischen Weinen in der neuen Flaniermeile von Tirana, das mit einer spontanen Gesangsdarbietung einer örtlichen Musikgruppe abgerundet wurde.

Es war eine rundum gelungene Reise, wobei sicherlich viel die vorzügliche Reiseleiterin Nimez und das schöne Wetter beitrugen.