Archäologen bauen Römerschau auf Mahlzeiten fürs Jenseits

Krefeld · Die Archäologen im Museum Burg Linn bereiten die Ausstellung „Heimat in der Fremde“ vor. Sie hat die Migration in römischer Zeit zum Inhalt und präsentiert noch nie gezeigte Funde.

Aufbau der neuen Ausstellung: Stadtarchäologe Dr. Hans Peter Schletter (l.) und Doktorand Eric Sponville am Modell des "Spenden-Röhren-Grabes". Foto: Stadt Krefeld, Bischof

Aufbau der neuen Ausstellung: Stadtarchäologe Dr. Hans Peter Schletter (l.) und Doktorand Eric Sponville am Modell des "Spenden-Röhren-Grabes". Foto: Stadt Krefeld, Bischof

Foto: Stadt Krefeld/Andreas Bischof

Auf dem Bauch des nachgebildeten Körpers steht ein kleines Tongefäß. Dort mündet ein Rohr, das schräg in das Grab hineinreicht. Auf diese Weise konnten Angehörige ihre Toten mit Speisen für ihr Dasein im Jenseits versorgen. „Es ist ein Grab aus dem dritten Jahrhundert“, sagt Stadtarchäologe Hans Peter Schletter.

Das sogenannte „Spenden-Röhren-Grab“ wurde bereits in den 1930er-Jahren vom Archäologen und damaligen Museumsleiter Albert Steeger entdeckt, wird aber nun zum ersten Mal öffentlich präsentiert.

„Es ist das einzige Grab dieser Art von den über 6.500 Gräbern in Gellep. Nur in Köln gab es bislang einen vergleichbaren Fund in Deutschland“, sagt Eric Sponville, Doktorand am Archäologischen Museum Krefeld.

In der Ausstellungshalle des Archäologischen Museums in Linn herrscht geschäftiges Treiben: Vitrinen werden platziert, Exponate eingeräumt. Schletter und sein Team bauen zur Zeit die Ausstellung „Heimat in der Fremde“ (Eröffnung: 18. März) auf.

Sie ist Teil des Themenjahrs „Provinz – provinciaal“ des Kulturgeschichtlichen Museumsnetzwerks Rhein-Maas, das sich der „Mobilität und Migration“ in der Region widmet.

Für die Krefelder Archäologen lautete die Herausforderung: Wie spiegelt sich das römische Weltreich in dem Kastell und seiner Zivilsiedlung wider? „In Gellep ist das tatsächlich auch möglich“, sagt Schletter. Denn die Römer lebten dort kontinuierlich vom ersten bis zum fünften Jahrhundert.

Aber so einheitlich sich „die Römer“ zuerst anhört, so bunt und vielfältig sammelt sich darunter ein Mix aus Völkern und Kulten, der sich aus allen Teilen des römischen Reiches zusammensetzt. 

So bauten Soldaten aus Spanien das erste Holz-Erde-Kastell um die Jahre 70/71 nach Christus auf der Anhöhe am Rhein. Nachweisen lässt sich das anhand von Ziegelstempeln, welche die Spanier für das erste Badehaus selbst brannten.

Drei Sektionen beinhaltet die kommende Ausstellung – Handel, Religion und Militär. „Es gibt viele Funde, Modelle und Karten, die wir dann zum ersten Mal zeigen“, sagt Schletter.

So wird ein Teilmodell des spätantiken Kastells, ein Lagertor, zu sehen sein, das nach den neuesten Forschungsergebnissen angefertigt wurde. Zudem ist eine 3D-Rekronstruktion des Mithras-Tempels in Vorbereitung. Die Spuren des hölzernen Bauwerkes wurden 1981 nordwestlich des Kastells

entdeckt. Der Tempel aus dem zweiten Jahrhundert war dem persischen Sonnengott Mithras geweiht.