Kleider erinnern an Wald Pfiffige Mode-Idee

Krefeld · Die viel besuchte Ausstellung „Sehnsucht Wald“ im Deutschen Textilmuseum in Linn hat ein weiteres Highlight hinzugewonnen: die Kleiderkollektion einer jungen Designerin, die das Thema in Mode umgesetzt hat.

In der Wald-Ausstellung im Textilmuseum: die junge Designingenieurin Lina-Sofie Marschall präsentiert ihre Kollektion von Kleidern zum Thema Wald. Foto: Müller

Foto: Müller

„Ich bin ein naturverbundener Mensch“, sagt Lina-Sofie Marschall, „und da sehe ich mit Sorge, wie der Wald immer trockener wird, abstirbt und vom Borkenkäfer befallen wird.“ Das brachte die Studentin des Textil-Designs auf die Idee, aus ihren Eindrücken eine Modekollektion zu entwerfen. Als Abschlussarbeit ihres Studiums an der Hochschule Niederrhein.

Ein halbes Jahr zeichnete und nähte sie. Dann waren sechs Kleider fertig. Alle sechs weisen deutliche Bezüge zu Baum, Wald und Pilzen auf. Eines ist sogar angebrannt, durch echtes Feuer, mit dem Marschall das Leinen angekokelt hat. „Das ist ja hochaktuell“, denkt Dr. Annette Schieck an die schlimmen Waldbrände dieses Sommers und bewundert die Symbolik des Kleides.

Die Leiterin des Textilmuseums in Linn hat die Kollektion in ihre derzeitige Ausstellung mit aufgenommen. Sie heißt „Sehnsucht Wald“ und präsentiert künstlerische Textilarbeiten zum Thema. Die Entwürfe der Studentin waren gar nicht für die Ausstellung vorgesehen. Doch die Professorin, die Lina-Sofie die Prüfung abnahm, dachte sofort an das Textilmuseum und stellte den Kontakt her.

Nun stehen sechs Figurinen mit den Modellkleidern auf der oberen Etage des Ausstellungsraums. Jedes Kleid weckt eine andere Assoziation. Ein grüner Zweiteiler erinnert an die Baumkronen. Beim Entwurf eines engen orangefarbenen Kleides mit Rüschen dachte die junge Künstlerin an einen Pilzbefall mit dem Schwefelportling. Ein weiteres Kleid weist eine gewundene Halsschleppe auf. „Da dachte ich an das Wurzelwerk eines Baumes“, erklärt Lina-Sofie Marschall und weist noch auf die Musterung hin: „durchsetzt mit Pilzfäden.“ Ein grüner Umhang, der das Kleid daneben ergänzt, symbolisiert eine dichte Moosbedeckung.

Allen Kleidern gemeinsam ist die knöcheltiefe Länge. „Das wirkt wie die Silhouette von Bäumen“ , erklärt die Designerin. Das „Wurzelkleid“ erfüllte zudem Marschalls Anspruch auf Nachhaltigkeit bei der Produktion. Denn in der Boa konnte sie alle Stoffreste unterbringen, sodass bei der Anfertigung der Kollektion kein Abfall zurückblieb.

Dass die Kleider auch tatsächlich tragbar sind, hat die Absolventin bereits beweisen können. Auf der Berliner Fashion-Week im Juli führten Models die Kollektion bereits vor Publikum vor. Ein weiterer Erfolg der frisch gebackenen Designingenieurin. Diese verbindet mit ihrer Kollektion auch einen Sinngehalt: „Erinnern, wie schön unser Wald ist und wie gefährdet.“

Die Ausstellung im Textilmuseum läuft noch bis 27. Dezember und weist jetzt bereits über 5000 Besucher auf. Bleibt zu wünschen, dass durch den „Neuzugang“ noch weitere Besucher den Weg zum Andreasmarkt in Linn finden. Es lohnt sich sicherlich.