Blick in die Werkstatt des Textilmuseums Mode für den Strand

Krefeld · In der Werkstatt des Textilmuseums arbeiten die Restauratorinnen an der künftigen Ausstellung über Mode aus vollsynthetischen Fasern. Einen Schwerpunkt bilden Badeanzüge der 50er - 70er Jahre.

Badeanzüge der 50er und 60er Jahre auf dem Tisch: Restauratorin Katja Wagner (l.) hat sie aufbereitet, Kuratorin Dr. Isa Fleischmann-Heck nimmt sie in ihre Ausstellung im Frühjahr 2027 auf.

Foto: Müller

Noch ist im Textilmuseum die spektakuläre Wald-Ausstellung zu sehen. Mit künstlerischen Häkel-Arbeiten, die Pilzen, Gräsern oder Farnen täuschend echt nachgebildet sind.

Doch im Magazin arbeiten die Restauratorinnen schon fleißig an einer neuen Ausstellung, die im Frühjahr 2027 folgen soll. Diese hat Mode aus Chemiefasern zum Inhalt. „Ein Thema, das wir noch nie hatten“, unterstreicht Kuratorin Dr. Isa Fleischmann-Heck. Ein wichtiger Teilbereich dessen ist die Bademode. Denn Badeanzüge aus Chemiefasern sind elastisch und lassen sich leicht waschen. Ideal für den Strandurlaub.

Restauratorin Katja Wagner hat bereits einige Badeanzüge aus den 50er und 60er Jahren fertig präpariert. Gar nicht so einfach. „Denn die Fasern altern“, erklärt die Fachfrau. Behandelt man die Stoffe nicht mit der nötigen Vorsicht, können die Fasern brechen. Das wirft auch Fragen für die Präsentation in der künftigen Ausstellung auf. Würde man die Badeanzüge einfach auf Figurinen, also die üblichen Körperformmodelle aufziehen, würden die Fasern brechen und der Badeanzug ausleihern. „Deshalb präsentieren wir die Badeanzüge ohne Körperform und polstern sie statt dessen vorsichtig mit Schaumstoff aus.“

Somit zeichnen sich die Formen der ersten Badeanzüge, welche die Restauratorinnen schon fertiggestellt haben, anschaulich ab. Und auch die teils bunten Farbmuster nach dem Stil der Zeit kommen zur Geltung. Für die Herren ist die knappe Badehose üblich geblieben. Bei den Damen gab es neben dem Einteiler auch den Zweiteiler. Dieser unterschied sich vom Bikini dadurch, dass der Nabel bedeckt bleibt.

Chemiefasern werden seit den 20er Jahren entwickelt. Die bekannteste dürfte Polyamid sein, zu dem auch das sogenannte Nylon gehört, aus der gerne Damenstrümpfe gefertigt wurden. Die künftige Ausstellung im Textilmuseum konzentriert sich auf die Mode der 50er bis 70er Jahre. „In den 70ern kam es zu einem Einbruch bei der Herstellung vollsynthetischer Fasern“, erklärt Dr. Fleischmann-Heck. Ursache war die Ölkrise. Denn vollsynthetische Fasern werden aus Erdöl gewonnen. Die Hersteller besannen sich wieder auf natürlich Fasern.

Aus welchen Fasern genau die Exponate im Textilmuseum hergestellt worden waren, analysieren die Experten hier am Ort, bevor sie die Teile für die Ausstellung aufbereiten. So steckt in der Ausstellung viel Arbeit, die alles in allem rund zwei Jahre in Anspruch nimmt.

Noch haben die Restauratorinnen ein wenig Zeit. Die Besucher des Textilmuseums können sich derweil noch an der Wald-Ausstellung erfreuen. Zumal Museumsleiterin Dr. Annette Schieck die laufende Ausstellung immer wieder mit neuen Exponaten ergänzt.