Der 18-jährige Abiturient Mohamad Hajouz betreut beim SC Krefeld 05 eine männliche Jugendmannschaft. Seit den Osterferien kommt er regelmäßig mit einigen seiner Spieler auf das Sonnendeck am Bleichpfad. Zwei Körbe, ein Ball und drum herum Häuser. Perfekt ist hier wenig. Samstags, meist zwischen 11 und 14 Uhr, wird die Fläche aber zum offenen Basketballtreff. Mal sind es acht, an guten Tagen auch 15 Jugendliche.
Ein festes Training ist das ausdrücklich nicht. „Jeder kann hinkommen“, sagt Mohamad. Es braucht keine Anmeldung, keine Vereinsmitgliedschaft und keine feste Mannschaft. Wer Lust auf Basketball oder auch mal Fußball hat, kann einfach mitmachen. Gerade das gefällt ihm an diesem Ort. Anders als in der Halle gibt es hier keinen Trainingsplan und keinen Leistungsdruck. Man spielt miteinander, sitzt zwischendurch zusammen und lernt neue Leute kennen.
Einer seiner Spieler ist der 13-jährige Victor. Er kommt immer wieder auf das Sonnendeck. Allerdings merkt Victor bei jedem Dribbling, dass aus dem Sonnendeck noch kein klassischer Basketball-Court geworden ist. Der Ball verspringe auf der unebenen Fläche immer wieder. Gerade deshalb könnte er sich vorstellen, selbst mit anzupacken und den Platz gemeinsam herzurichten.
Dass hier noch nicht alles fertig ist, ist durchaus Teil der Idee. Sandy Schilling, Leiter des Sozialen Quartiersmanagements in Krefeld, spricht von einem Ort mit „urbanem Charme“. Statt eine fertige Sportanlage hinzustellen, soll sich die Fläche gemeinsam mit den Menschen im Quartier weiterentwickeln.
Die Idee reicht über das Sonnendeck hinaus. Im Bleichpfad-Quartier arbeitet das Quartiersmanagement seit mehreren Jahren daran, Sport und Bewegung stärker in den öffentlichen Raum zu bringen.
Im nahe gelegenen Kaiser-Friedrich-Hain gibt es bereits seit vier Jahren kostenlose Angebote in den Sommermonaten. Mit zusätzlichen Fördermitteln aus dem Landesprogramm „kinderstark NRW“ wurde schließlich ausgelotet, welche weiteren Flächen im Quartier dafür infrage kommen. So geriet auch das Sonnendeck in den Blick – ein ehemaliger und lange stillgelegter Spielplatz unmittelbar am Hochhaus.
Dass heute zwei Basketballkörbe darauf stehen, ist auch der Zusammenarbeit mit dem SC Krefeld 05 zu verdanken. Der Verein verfügte über eine Basketballanlage, die in Uerdingen nicht genutzt werden konnte. Bevor sie eingelagert wurde, kam sie stattdessen auf das Sonnendeck. Im Rahmen von „kinderstark NRW“ soll die Zusammenarbeit mit dem Sportclub nun weiter gestärkt werden. Weitere Elemente sind auf der Fläche bereits hinzugekommen: ein Soccercage, ein Container, künftig soll außerdem ein Bewohnergarten entstehen.
Doch Körbe allein machen noch keinen lebendigen Basketballplatz. Menschen wie Mohamad seien deshalb für die Quartiersarbeit besonders wichtig, sagt Schilling. Über einen jungen Trainer wie ihn ließen sich Jugendliche erreichen, zu denen das Quartiersmanagement allein nur schwer einen Zugang finde. „Das ist natürlich Gold wert“, sagt Schilling.
Wenn regelmäßig Basketball gespielt werde und sichtbar sei, dass auf der Fläche etwas passiert, könnten nach und nach auch Jugendliche aus dem Hochhaus und dem übrigen Quartier dazukommen. Gerade Regelmäßigkeit und Verbindlichkeit seien dafür entscheidend.
Die besondere Lage macht das Sonnendeck zugleich zu einem sensiblen Ort. Die Spielfläche liegt unmittelbar vor einem großen Wohnhaus. Wenn hier gedribbelt und auf die Körbe geworfen wird, ist das auch in den Wohnungen zu hören. Deshalb müsse die Fläche gemeinsam mit Bewohnern und Hausverwaltung behutsam entwickelt werden, sagt Schilling. Ziel sei nicht nur ein Sportangebot, sondern ein Ort, den sich die Menschen im Quartier zunehmend selbst aneignen und mitgestalten.
Das Sonnendeck befindet sich am Bleichpfad 15b im Bleichpfad-Quartier. Geöffnet ist die Fläche donnerstags von 14 bis 16 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr. Das offene Basketballangebot mit Mohamad Hajouz findet samstags statt.