Bisher fristete der Spielgerätecontainer auf dem Anne-Frank-Platz ein eher karges Dasein. Der kleine Betonbau im unscheinbaren Grau erfüllte vor allem seine zweckmäßige Funktion: Spielplatzpaten nutzen ihn, um mobile Spielzeuge für die Kinder sicher zu verschließen.
Nun aber haben Kinder und Jugendliche aus dem Jugendtreff Spielhaus Dießem („SpieDie“) gemeinsam mit dem Designstudenten Simon Tenbücken den Container neu gestaltet. Sie erinnern damit zugleich an die Namensgeberin des Spielplatzes: Anne Frank.
Ein aufgespraytes Konterfei, ein Tagebucheintrag und biographische Daten des von den Nazis ermordeten Mädchens zieren fortan die drei Außenflächen des Containers. Ein zusätzlich aufgemalter QR-Code leitet außerdem direkt weiter auf die Internetseite des Anne-Frank-Hauses in Amsterdam.
Auf die Idee gekommen sind Kinder und Verantwortliche aus dem „SpieDie“ in den vergangenen Sommerferien. Während einer Stadtrallye machten sie seinerzeit auch Halt auf dem Anne-Frank-Platz in der Innenstadt. „Und da wir ohnehin ein Kreativprojekt zur Verschönerung verschiedener Container geplant hatten, haben wir den Gedanken dann am Anne-Frank-Platz konkretisiert“, erklärt Marion Brockamp, Leiterin des „SpieDie“, das vom Verein Werkhaus betrieben wird.
Das für die Spielgerätecontainer verantwortliche Kinder- und Familienbüro der Stadt Krefeld unterstützte das Vorhaben von Beginn an. Finanziert wurde es zudem über Projektmittel des Stadtmarketings.
Die Gestaltung hat das „SpieDie“ mit einem Exkurs in Anne Franks Leben verbunden. Gemeinsam schauten sich die acht beteiligten Kinder zwischen sechs und 14 Jahren den Zeichentrickfilm „Wo ist Anne Frank?“ an.
Im Anschluss haben sie ein passendes Zitat aus ihren Tagebucheinträgen recherchiert. „Es war schön zu sehen, wie sehr sich die Kinder mit dem Leben und der Geschichte dahinter auseinandergesetzt haben“, sagt Marion Brockamp.
Die grafische Vorlage hat dann der Künstler Simon Tenbücken ausgearbeitet. Den fertigen Entwurf hatten die Initiatoren vorab auch der Jüdischen Gemeinde in Krefeld zukommen lassen. Tenbücken benötigte rund zwölf Stunden, um die Vorlage auf den Container zu sprayen. Zum Schluss unterstützten ihn dabei auch die Kinder.
Aus einer flüchtigen Idee im vergangenen Sommer ist ein würdiges Andenken an ein beeindruckendes Mädchen erwachsen. Anne Frank wurde 1929 in Frankfurt geboren. 1934 wanderte sie mit ihrer jüdischen Familie in die Niederlande aus, um den Repressalien der Nationalsozialisten zu entkommen. Aufgrund der deutschen Besatzung musste die Familie Frank von Juli 1942 an in einem Hinterhaus in Amsterdam untertauchen. Zwei Jahre später wurde dieses Versteck verraten. Anne Frank starb 15-jährig im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Ihr Vater Otto überlebte das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und bekam nach Kriegsende das Tagebuch seiner Tochter überreicht, das sie während der Zeit im Hinterhaus geschrieben hatte. Mithin wurden diese Aufzeichnungen als das Tagebuch der Anne Frank weltbekannt.