Alternativkonzept Theaterplatz Seidenweberhaus soll erstrahlen

Krefeld · Der geplante Abriss des Seidenweberhauses wird von namhaften Architekten der Stadt abgelehnt. Nun legen drei Bürgerinitiativen gemeinsam ein alternatives Konzept vor.

Computeranimation: So soll das heute marode Seidenweberhaus laut Bürgerinitiativen nach einer Sanierung aussehen können.

Foto: wirstadt.org/Animation wirstadt.org

„Viele Leute sagen, es sei hässlich“, moniert der Innenarchitekt Jochen Usinger, „wir blicken mit anderen Augen auf das Seidenweberhaus“.

Mit „wir“ sind drei Bürgerinitiativen gemeint, die sich gemeinsam für den Erhalt des Monumentes einsetzen. Sie wollen damit den Theaterplatz als kompakten Kulturstandort aus Theater, Mediothek und Veranstaltungshalle erhalten.

Die Pläne der Stadt sind indes andere. Der Stadtrat beschloss, den Theaterplatz umzugestalten. Das Seidenweberhaus soll abgerissen und ein neues technisches Rathaus auf dem Platz gebaut werden.

Doch angesichts der Finanzmisere hat Oberbürgermeister Frank Meyer im vorigen Sommer den Architektenwettbewerb zur Umgestaltung des Theaterplatzes ausgesetzt.

Diesen Aufschub nehmen nun die drei Bürgerinitiativen zum Anlass, die gesamte Neugestaltung des Theaterplatzes wieder in Frage zu stellen. Sie bieten statt dessen ein alternatives Konzept, das den Platz als Kulturort erhalten und zudem erheblich Kosten sparen soll.

Es handelt sich um die „Interessengemeinschaft zur Erhaltung des Seidenweberhauses“, in der bekannte Architekten wie Karl Amendt, Klaus Reymann oder Peter Funken ebenso aktiv sind wie die Archäologin Dr. Julia Obladen-Kauder vom Heimatverein oder auch der Umweltschützer Heino Thies. Sie kämpfen seit Langem dafür, das Seidenweberhaus zu sanieren und weiter zu betreiben.

Desweiteren hat sich die „Initiative Stadtkultur“, die sich für die Krefelder Wälle einsetzt, zu dem alternativen Konzept bekannt. Unterstützung kommt auch vom Stadtlabor „wirstadt.org“, das sich aus unterschiedlichen Fachrichtungen mit Fragen der Krefelder Stadtentwicklung befasst.

„Wir wollen keine Verwaltungsachse vom Rathaus zu einem neuen technischen Rathaus“, erklärt wirstadt-Sprecher Jochen Usinger, „sondern uns ist der Kulturstandort am Theaterplatz wichtiger.“

Zumal ein neues technisches Rathaus am Theaterplatz bedeuten würde, dass das alte Stadthaus am Konrad-Adenauer-Platz verkauft würde. „Das wäre schade“, betont Usinger, „das Haus ist eine architektonische Ikone des Modernismus und sollte öffentlich zugänglich bleiben. Ein besseres technisches Rathaus kann es nicht geben.“

Besonders stören sich die drei Bürgerinitiativen am geplanten Abriss des Seidenweberhauses. Dieses sei keineswegs „hässlich“, sondern lediglich über 50 Jahre nicht gepflegt worden. Die Architektur gehöre im Gegenteil zum international anerkannten Stil des „rohen Betons“, von dem es überall in der Welt beeindruckende Beispiele gebe - eines eben in Krefeld. Nur gepflegt müsse es werden.

Die Architekten der Bürgerinitiativen haben ihr Konzept durchgerechnet. „Würde man das Seidenweberhaus und das Stadthaus sanieren, beliefen sich die Kosten auf 167,1 Millionen Euro“, erklärt Architekt Peter Funken. Dies sei deutlich billiger, als das Konzept der Stadt.

Denn das Konzept der Stadt beinhaltet den Abriss des Seidenweberhauses, den Neubau eines technischen Rathauses und den Bau einer neuen Veranstaltungshalle im Business-Park an Girmesgath. Dies würde nach Modellrechnung der Initiativen rund 319 Millionen Euro kosten. Wäre also erheblich teurer als das Alternativmodell.

Überdies denken die Initiatoren auch an den Umweltfaktor. Im heutigen Bauwesen wird dem Aspekt der Nachhaltigkeit großer Wert zugeschrieben. Da gelte grundsätzlich Erhalt vor Abriss und Neubau.