Wer sich mit Opern schwer tut, findet in der Krefelder Aufführung von „La Bohéme“ einen idealen Einstieg.
Denn zum Einen gibt Pianist Anton Brezinka 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Foyer eine Einführung. Darin stellt er die wesentlichen musikalischen Motive schon vorab am Klavier vor.
Desweiteren verzichtet Regisseur Dennis Krauß in seiner Inszenierung auf die heutzutage so gern angewandte Abstraktion. Statt dessen bietet er den Zuschauern eine anschauliche Bühne wie aus einem gemalten Bilderbuch. Eine ärmliche Mansardenwohnung wie im Kartenhaus, ein belebter Marktplatz mit einsehbarer Gastronomie und romantischem Lichtspiel sowie ein windschiefes Haus mit spitzem Lattenzaun bilden abwechselnd die Kulissen. Formen und Farben erinnern an die Malerei der frühen Moderne. Schließlich komponierte Giacomo Puccini seine Oper auch am Ende des 19. Jahrhunderts.
Überdies hat sich Kostümbildnerin Raphaela Rose an der Mode des 19. Jahrhunderts orientiert, mit langen wallenden Kleidern für die Damen.
Anhänger einer traditionsbewussten Aufführung werden an dieser bildgewaltigen Inszenierung ihre helle Freude haben. Die mit jedem Akt wechselnden Bühnenbilder sind ein Augenschmaus.
Auch ist der Handlung leicht zu folgen. Krauss hält sich an die vier Akte der Vorlage und trennt sie klar durch herunterfahrende Jalousie voneinander ab.
Die ersten beiden Akte stehen im Zeichen der unbeschwerten Fröhlichkeit. Vier arme Künstler - die „Bohémien“ - pfeifen auf alle Sorgen und genießen den Augenblick des Lebens. Nach der Pause dann der Kontrast: die Handlung kippt ins Tragische. Die Liebe zwischen dem Dichter Rodolfo und seiner Freundin Mimi ist durch deren Schwindsucht überschattet, der sie zum Schluss erliegt.
Das Liebespaar singen Woongyi Lee und Sofia Poulopoulou. Ihre Stimmgewalt ist raumfüllend. Auch die Stimmkraft der übrigen Hauptakteure beeindruckt. Den großen Arien folgte immer wieder kräftiger Szenenapplaus. Gesungen wird in italienischer Sprache. Deutsche Texte im Laufband erleichtern das Verständnis. Im Orchestergraben intonieren die Niederrheinischen Sinfoniker die Musik unter Leitung von Generalmusikdirektor Mihkel Kütson.
Zusätzlich zu den Solisten lässt Regisseur Krauss in der Marktplatz-Szenerie gleich mehrere Chöre auftreten: den Opernchor, den Extra-Chor und sogar einen Kinderchor, den die Krefelder Musikschule aufgeboten hat. Sie alle bilden die quirlige Volksmenge. Die Kinder genießen dann das Privileg, sich schon zur Pause vor dem Publikum verbeugen und dessen stürmischen Applaus entgegennehmen zu dürfen.
Die Erwachsenen-Chöre und die Solisten warten damit wie üblich bis zum Ende der Vorstellung. Dann aber fällt der Beifall umso heftiger aus. Das Premierenpublikum war merklich hingerissen. Kaum erhob sich der Beifall, da erhob sich auch schon das ganze Auditorium von den Sitzen und applaudierte stehend. Die Künstler lächelten glücklich und der Applaus endete erst, als sich der Vorhang endgültig senkte.
Weitere 22., 26. April; 1.,5.,7. Mai; 5., 27. (18 Uhr) Juni; 9., 19. (16 Uhr) Juli. Beginn: 19.30 Uhr.
Karten an der Theaterkasse, Tel.: 02151- 805125 oder www.theater-kr-mg.de