Krefelds Wahrzeichen bleibt den Krefeldern erhalten, aber es steht künftig im Lokschuppen an der St. Töniser Straße - und wird auch weiterhin besichtigt werden können. Die Entscheidung ist die Konsequenz eines Prozesses, den alle leidenschaftlich Schluff-Engagierten über Jahre nach Kräften versucht hatten aufzuhalten und ihm entgegenzuwirken: die SWK MOBIL als Eigentümerin der Eisenbahninfrastruktur für den Schluff, der Rheinhafen Krefeld als Dienstleister, letztendlich der Verein „Schluff und historische Verkehrsmittel e.V.“, dem die historische Lok gehört. Guido Stilling bringt es als SWK MOBIL-Chef und technischer Geschäftsführer des Vereins aus den Punkt: „Es schmerzt natürlich, ist wirtschaftlich aber alternativlos.“
Wer die Entwicklung des Schluffs in den letzten Jahren aufmerksam verfolgt oder die Jahreshauptversammlungen des Vereins besucht hat, der weiß: Nur durch großzügige Zuwendungen von Spendern wie dem Autohaus Borgmann und der Sparkasse Krefeld oder durch kreative Benefiz-Fahrten – meist organisiert durch das Team des Nordbahnhofs – konnte der Verein den Regel-Betrieb sichern. Denn schluffen kostet sehr viel Geld, die Ticketeinnahmen und Mitgliedsbeiträge des Vereins decken die Ausgaben bei Weitem nicht. Guido Stilling ergänzt: „Was haben wir nicht alles versucht: Schienenmeter an Paten verkauft, das Vorgriffsrecht auf Karten für die Nikolausfahrten an eine Vereinsmitgliedschaft gekoppelt, das Ticketing digitalisiert…“
Dazu: Die alte Dame, die Lok Graf Bismarck, fiel immer wieder mal aus und musste, wenn spontan möglich, durch eine Diesellok ersetzt werden. Manches Ersatzteil für den historischen Schluff war zudem nur sehr schwer oder gar nicht mehr zu bekommen. Umstände, die man nicht zuletzt auch durch
den Einsatz der vielen Ehrenamtler rund um die Schluff-Sonntage immer wieder habe irgendwie kompensieren müssen - und meist auch können.
Ursächlich für den nun endgültigen finanziellen Achsbruch, so Stilling, seien allerdings die regelmäßigen Sonderkosten. Die letzte Hauptuntersuchung vor vier Jahren kostete 800 000 Euro, konnte nur durch ein hohes Darlehen der SWK MOBIL gestemmt werden und wird heute noch abbezahlt. Die nächste Hauptuntersuchung wird schon 2030 fällig und dürfte diesmal mehr als eine Million Euro kosten. Geld, das der Verein nicht hat und das wieder durch ein Darlehen der SWK MOBIL vorgestreckt werden müsste. „Noch schwerer wiegt der Betriebsunterhalt“, erklärt Stilling. „Hier entsteht ein Defizit von 700 000 Euro pro Jahr. Dabei würde es nicht bleiben, der jüngst festgestellte Sanierungsbedarf für die Jahre 2026 und 2027 liegt sogar bei 2,5 Millionen Euro. Eine böse Überraschung und ein Schock für alle Beteiligten.“
Und am Ende initial dafür, aus dem rollenden Denkmal ein stehendes zu machen. Stilling beschreibt das so: „Es gibt keinen guten Zeitpunkt für eine solche Entscheidung. Nach sehr intensiven Prüfungen konnten wir mit einer Investition im kleinen sechsstelligen Bereich noch quasi in letzter Sekunde die angelaufene Saison retten. Aber danach geht es schlicht nicht mehr.“ Nach den Nikolaus-Sonderfahrten im Dezember geht die alte Dame endgültig in den Ruhestand.
Gleichwohl soll der Schluff Krefeld als gutes Stück Identität erhalten und für interessierte Besucher zugänglich bleiben. Bis dahin, so Stilling, sei vieles noch zu regeln. „Keine schöne Aufgabe, aber am Ende eine vernünftige.“ Der Schluff-Verein wird auf seiner kommenden Vorstandssitzung und Mitgliederversammlung im September über die konkrete Ausgestaltung für den Schluff als künftig „stehendes“ Denkmal beraten.