Anwohner sammeln Unterschriften gegen den Bebauungsplan Kritik an Moltkedorf-Planungen

Stadt Willich · Die Stadt Willich hatte jüngst zu einer Informationsveranstaltung rund um die Planung des Moltkedorfes ins Gründerzentrum geladen. Am Ende gab es zahlreiche verärgerte Bürger, die eine Stellungnahme verfasst haben und „Einwendungen gegen die derzeitige Planung“ erheben.

Das geplante Bauvorhaben an der Moltkestraße sorgt für emotional aufgeladene Diskussionen bei den Anwohnern. Foto: Prümen

Foto: Norbert Prümen

Dass in Willich dringend Wohnraum benötigt wird, ist kein Geheimnis. Neuer Wohnraum soll nun auf dem 2,9 Hektar großen Areal Moltkedorf zwischen der Moltkestraße, An Liffersmühle und Krusestraße entstehen. Eine erste Idee hatte die Verwaltung dem Planungsausschuss Mitte Februar vorgestellt. Die ersten Planungen sehen 200 Wohneinheiten vor, darunter Einfamilienhäuser, Doppelhäuser und Mehrfamilienhäuser. Angeordnet werden die Häuser in einer Art Hofstruktur, Grünflächen sollen für ein gesundes Wohnumfeld- und Klima sorgen, die Zufahrt soll über die Moltkestraße erfolgen, von dort aus sollen ringförmig als Einbahnstraße alle Wohneinheiten erreichbar sein, Garagenstellplätze sind geplant, sogar eine Tiefgarage angedacht. Rad- und Fußwege sollen die Krusestraße und die Straße An Liffersmühle verbinden.

Das Projekt wurde nun in einer Infoveranstaltung der Öffentlichkeit durch den Technischen Beigeordneten Gregor Nachtwey und Stadtplanerin Lena Flecken vorgestellt - mit eher mäßiger Begeisterung. „Wir Anwohner haben grundsätzlich nichts gegen die Schaffung von neuem Wohnraum einzuwenden. Wohnraum wird dringend benötigt, und diese Entwicklung ist nachvollziehbar“, sagt Gerd Kleinmanns, einer der Anwohner. Was ihn und viele Nachbarn stört, ist die Dimension des Projektes. Viergeschossige Gebäude, die unmittelbar an die Kleingärten der Anwohner angrenzen - für die Anwohner unverständlich, die bei der Infoveranstaltung mächtig Dampf abließen. Der Blick aus dem Garten direkt vor eine riesige Hauswand - dass die Idee in der Siedlung, die seit den 1960er-Jahren langsam gewachsen ist, auf Unmut stieß, war zu erwarten.

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Foto: RBAV

Voraussichtlich zum Ende des Jahres will die Stadt die Flüchtlingsunterkunft Moltkedorf auflösen. „Uns ärgert, dass die Fläche bislang als Freifläche und Erholungsbereich vorgesehen war, jetzt der Bebauungsplan zu so einem großen Projekt geändert wurde“, so Kleinmanns weiter.

Der vermeintlich zunehmende Verkehr durch die neue Wohnsiedlung beunruhigt die Anwohner zusätzlich. „Wir haben bereits heute bestehende Probleme mit der Verkehrssituation. An der Zufahrtsstraße befinden sich eine Schule sowie ein Kindergarten. Schon jetzt kommt es dort zu starken Verkehrsbelastungen, insbesondere durch parkende Fahrzeuge. Die Durchfahrt für Feuerwehr oder Rettungswagen ist teilweise erschwert und in einzelnen Situationen kaum möglich“, betont Gerd Kleinmanns. Sie sehen mit der neuen Wohnbebauung nicht nur mehr Verkehrsaufkommen und dadurch mehr Lärmbelästigung, sondern auch eine Parkplatznot - auch wenn in der Stadtplanung je Einfamilienhaus zwei Stellplätze für Fahrzeuge und ein bis eineinhalb Stellplätze je Wohneinheit in den Mehrfamilienhäusern vorgesehen werden. Auch andere Anwohner haben in einem Brief ihre Bedenken geäußert, bereits über 70 Unterschriften gesammelt und wollen diese der Stadt Willich übergeben. „Für uns ist der Verkehr und die Erschließung der zentrale Schwachpunkt der Planung“, so ein Anwohner. Das Mobilitätskonzept und die verkehrliche Untersuchung würden große Mängel aufweisen.

Doch nicht nur die zukünftige Verkehrssituation oder die zu hohe bauliche Dichte kritisieren die Anwohner die Planung. Ihnen geht es auch um ökologische Aspekte. „Der südlich gelegene Grünstreifen in der Moltestrasse 31 – 35 sollte erhalten bleiben, da dieser Bereich seit langen ein Habitat für verschiedene Tiere ist und einen natürlichen Sichtschutz zur existierenden Bebauung darstellt“, berichtet eine Anwohnerin.

So hätte es bereits in 2025 einen Bürgerantrag zum Erhalt des Grünstreifens gegeben und der Planungsausschuss hatte in seiner Sitzung am 7. Mai 2025 einstimmig die Verwaltung beauftragt, den Erhalt des Grünstreifens in die planerische Abwägung bei der Aufstellung des Bebauungsplanes zu berücksichtigen.

Das nun eine - wie im Bebauungsplan angedacht - Reduzierung der öffentlichen Grünfläche die Folgekosten für die Stadt senken würde, ist für die Anwohner nicht nachvollziehbar. „Grünflächen erfüllen wichtige Funktionen für unsere Stadt. Sie verbessern das Mikroklima, tragen zur Regenwasserversickerung bei, fördern die Biodiversität und Erhöhen die Lebensqualität“, sagen sie. Eben auch mit Blick auf die klimatischen Veränderungen, seien solche ‚grünen Oasen‘ inmitten der Stadt nicht nur ökologisch sinnvoll, sie seien die geeigneten Maßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels.

„Kurzfristige Einsparungen dürfen nicht dazu führen, dass langfristig ökologische, klimatische und städtebauliche Nachteile entstehen. „Die Gesundheit der Bürger sollte bei der städtebaulichen Planung oberste Priorität haben“, sind sich die Anwohner Moltkestraße, An Liffersmühle und Krusestraße einig.

Gregor Nachtwey und Lena Flecken versuchten die Anwohner zu beruhigen, nahmen alle Kritik auf und wollen die Anwohner in die weitere Planung einbeziehen. Man sei erst am Anfang der Planung, vieles sei noch möglich.

Wenn alle planerischen Schritte - was auch die Beteiligung der Öffentlichkeit beinhaltet - abgeschlossen seien, wäre der nächste Schritt die Investorensuche und die Ausschreibung. Danach soll zusammen mit den Investoren der Auslegungsentwurf ausgearbeitet und der Politik vorgelegt werden. Im Anschluss gäbe es eine weitere öffentliche Beteiligung und Stellungnahme. Und erst wenn die Politik die Satzung beschließt, hänge es immer noch von den Investoren ab, wann tatsächlich mit dem Bau begonnen wird.

Beruhigen konnte das die Anwohner nicht, die bereits eine gemeinsame Stellungnahme verfasst haben und „Einwendungen gegen die derzeitige Planung“ erheben. Bereits am Montag vor der Infoveranstaltung hatten sich die Anwohner getroffen, die Stellungnahme vorbereitet und haben bisher (bei Redaktionsschluss) über 70 Unterschriften gesammelt. Weitere sollen folgen.