Mönchengladbach hat eine wachsende Bevölkerung und damit auch mehr schulpflichtige Kinder, gleichzeitig liegen Gesamtschulen beim Wahlverhalten der Eltern voll im Trend. „Fast 44 Prozent aller Eltern wünschen sich, dass ihr Kind nach der Grundschule auf eine Gesamtschule wechselt“, erklärte Christiane Schüßler, Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport. „Das große Interesse an der neuen Gesamtschule Breite Straße zeigt, dass wir mit der Entscheidung für eine siebte Gesamtschule den richtigen Weg eingeschlagen haben“, ergänzte Oberbürgermeister Felix Heinrichs.
Zum Start der Gesamtschule ab dem Schuljahr 2026/27 gab es bereits 142 Anmeldungen, 108 Kinder können aufgenommen werden. Sie werden zunächst in einem Interimsbau beschult, für den nächste Woche die ersten Gebäudemodule angeliefert werden: „Ein schlanker Baukörper mit Flachdach in L-Form“, so gmgm-Betriebsleiter Raimund Eckers. Statt der bisherigen 30 Züge gibt es somit ab dem Sommer 34 Züge, mit dem permanenten Neubau später sogar 36 Züge.
Das Projekt ist ambitioniert, sowohl was die Kosten als auch den Zeitplan angeht. Für beide Gebäude (Interim und dauerhafter Schulstandort) werden rund 130 Millionen Euro investiert (Voraussetzung ist der finale Baubeschluss durch den Rat). Baustart für das dauerhafte Gebäude ist 2027 (1. Bauabschnitt), und bereits zum Schuljahr 2028/29 sollen die ersten Kinder einziehen. Parallel dazu erfolgt der Abbau des Interimsgebäudes und der Start des 2. Bauabschnitts. Die Fertigstellung ist für 2031 geplant. „Eine komplett neue Schule zu bauen machen wir auch nicht alle Tage“, betonte OB Felix Heinrichs, „zumal es sich dabei nicht um ein reines Funktionsgebäude handelt, sondern sich die pädagogische Idee in Holz und Stein wiederfinden muss“.
Hier konnte sich mit seinem Entwurf das Architekturbüro Auer Weber aus München durchsetzen. „Der Entwurf berücksichtigt stadträumliche Gegebenheiten ebenso wie allgemeine räumliche Anforderungen an ein modernes Lernumfeld und das pädagogische Konzept der neuen Gesamtschule“, begründet die Technische Beigeordnete Claudia Schwan-Schmitz die Entscheidung. Schule werde heute nicht mehr nur in Klassenräumen gedacht, das Gebäude sei der „dritte Erzieher“ mit Räumen, die Lernen, Bewegung, Begegnung und Kreativität unterstrichen, so Christiane Schüßler.
Architekt Stephan Suxdorf stellte das neue Gebäude vor: Die Planungen sehen einen Baukörper mit einer aufgelockerten und abwechslungsreichen Gebäudestruktur vor. Der Schulbau gliedert sich in fünf Bauteile mit eigenen Innenhöfen sowie die Sporthalle. Über einen durchgehenden Verbindungsgang – die „Schulstraße“ - sind alle Bauteile aus dem Gebäudeinneren erschlossen. Die Sporthalle, die auch für den Vereinssport und Veranstaltungen außerhalb der Schulzeiten genutzt werden soll, erhält einen zusätzlichen Eingang. Da die einzelnen Bauteile unterschiedlich hoch sind (zwischen ein und vier Geschosse) und an der Gebäudefront zur Breite Straße vor- und zurückspringen, fügt sich der Neubau harmonisch in die Umgebung ein.
Den Haupteingang zur Schule bildet das mittige und mit vier Geschossen höchste Bauteil. Dieses „Herz der Schule“ beherbergt im Erdgeschoss Nutzungen wie Foyer, Forum und Speisesaal. Über eine offene Treppe gelangt man unter anderem zu den Bereichen für Verwaltung und Ganztagsbetreuung. Im Geschoss darüber sind beispielswiese Ateliers für Kunst und Textilgestaltung geplant, die sich rund um eine Kunstterrasse gruppieren.
Ein weiterer Kernbereich wird, links vom Vorplatz, das Selbstlernzentrum mitsamt der Bibliothek und den Räumen für Musik. Daneben schließt an der westlichen Grundstücksgrenze die Dreifach-Sporthalle die Bebauung ab, die auf dem Dach ein Spielfeld erhalten soll. Die weiteren Gebäudeteile mit den Unterrichtsräumen sind als „Kleine Schule in der Schule“ konzipiert. Gegliedert werden sie durch feste Bausteine wie Lichthöfe, Stammklassen, flexible Differenzierungsräume, Team- und Nebenräume. Dazwischen ermöglichen Mehrzweckflächen eine flexible Nutzung.
Im rückwärtigen Grundstücksbereich befinden sich Pausenhof, Schulgarten, Sport- und Aktivitätsbereiche sowie eine Grünfläche, die als Retentionsbereich, Chillout-Wiese oder grünes Klassenzimmer dienen kann. Auch eine Tiefgarage gehört zum Gebäude. Alle Bereiche - inklusive Dachgärten und Dachspielfeld - sind über Aufzüge und stufenlose Übergänge barrierefrei erreichbar. Für eine gute Energiebilanz sorgt eine Erdwärmepumpe in Kombination mit Photovoltaik und einem Eisspeicher.
Gesamtschule in Gründung
Im Oktober 2024 hat sich der Rat der Stadt Mönchengladbach für den Bau einer siebten Gesamtschule auf einem ehemaligen Sportplatz am Standort Breite Straße ausgesprochen. Ab dem Schuljahr 2026/2027 nimmt die neue Schule ihren Betrieb in einem Interims-Modulgebäude mit 1 800 Quadratmetern Nutzfläche auf, das Platz für rund 240 Schülerinnen und Schülern bietet. Bis 2031 soll auf demselben Grundstück in zwei Bauabschnitten das dauerhafte Schulgebäude mit rund 13 000 Quadratmetern Nutzfläche errichtet werden, das als sechszügige Gesamtschule Raum für 1 200 Schülerinnen und Schüler bieten wird.