Wohlfahrtsverbände im Kreis Viersen schlagen Alarm Furcht vor Kollaps für Kitas

Kreis Viersen · Die Wohlfahrtsverbände im Kreis Viersen schlagen Alarm: Vielen Kitas steht finanziell das Wasser bis zum Hals. Die Träger sehen das Land in der Verantwortung – sonst drohe manchen Einrichtungen bald der Kollaps.

 Schnelle finanzielle Unterstützung für die Kitas fordern (Erwachsene v.l.) Peter Babinetz (Caritas), Nadia Khalaf (AWO), Barbara Shahbaz (Der Paritätische), Detlef Blank (DRK) und Christian Schrödter (Caritas) für die Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände im Kreis Viersen.

Schnelle finanzielle Unterstützung für die Kitas fordern (Erwachsene v.l.) Peter Babinetz (Caritas), Nadia Khalaf (AWO), Barbara Shahbaz (Der Paritätische), Detlef Blank (DRK) und Christian Schrödter (Caritas) für die Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände im Kreis Viersen.

Foto: Caritas

Die Kitas sind in Not: Inflationsbedingt explodierende Sachkosten und deutliche Tariferhöhungen könnten Einrichtungen sogar in ihrer Existenz gefährden, wenn sich das Land NRW nicht bald bewege. Das befürchten die Wohlfahrtsverbände im Kreis. In einem gemeinsamen Pressegespräch fordern Nadia Khalaf (AWO), Peter Babinetz und Christian Schrödter (Caritasverband), Barbara Shahbaz (Der Paritätische) und Detlef Blank (DRK) dringend Unterstützung: Die Landesregierung solle einen Stabilitätspakt auflegen und zusätzliche Mittel freigeben, um die Betreuung der Kinder im Kreis sicherzustellen. Die vier Träger betreiben oder vertreten insgesamt 45 Einrichtungen im Kreis und beschäftigen dort rund 800 Mitarbeitende.

Problematisch sind neben den stark gestiegenen Ausgaben etwa für Energie oder Lebensmittel vor allem die Tarifsteigerungen in einer Größenordnung von 5,5 bis 17 Prozent. „Es ist äußerst wichtig, dass die Mitarbeitenden ordentlich bezahlt werden, deshalb begrüßen wir die Tariferhöhungen sehr“, sagt Nadia Khalaf, Geschäftsführerin der AWO im Kreis, die insgesamt zehn Kitas betreibt und in diesem Bereich rund 230 Mitarbeitende beschäftigt. Allerdings müssten die höheren Gehälter auch finanziert werden. „Wir haben im Juli die erste Rate, 750 Euro, der Inflationsausgleichsprämie ausgezahlt. Im Oktober folgt die zweite Rate, ebenfalls in Höhe von 750 Euro. Und im November ist das Weihnachtsgeld fällig. Spätestens dann wird es sehr eng“, befürchtet Khalaf. Allein für die Kitas der AWO im Kreis entstehen in diesem und dem nächsten Jahr Personalmehrkosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

Nach der geltenden Finanzierungssystematik müssen die Träger der Kitas stets in Vorleistung gehen. Die Finanzierung der Kitas wird immer erst etwa anderthalb Jahre später angepasst. Das sei ohnehin schwierig, nun verschärfe sich die Situation aber drastisch, erklären Peter Babinetz und Christian Schrödter, Vorstände des Caritasverbandes für die Region Kempen-Viersen. „Nach geltendem Gesetz in NRW können die Kindpauschalen trotz des hohen Tarifabschlusses in diesem Frühjahr regulär frühestens zum 1. August 2024 angepasst werden“, so Babinetz und Schrödter.

Was sollen die Kitas bis dahin tun? „Die Träger können sich das Geld ja nicht aus den Rippen schneiden. Wir befürchten, dass viele Träger das Finanzierungsdelta bis zum nächsten Sommer nicht überbrücken können und deshalb Angebote kürzen oder ganz einstellen müssen“, sagt Barbara Shahbaz, Geschäftsführerin des Paritätischen im Kreis, dem 18 Elterninitiativen angehören. Ohne Zwischenfinanzierung könnte etwa die Hälfte aller Kita-Träger in NRW in den nächsten Monaten in finanzielle Schwierigkeiten bis hin zur Insolvenz geraten, auch weil keine oder zu geringe Rücklagen vorhanden seien.

NRW-weit fehlen alleine im Kita-Bereich zeitnah 590 Millionen Euro im System, erläutert Detlef Blank, Kreisgeschäftsführer des DRK. Das DRK unterhält 15 Kitas im Kreis. Mit seinen Kolleg*innen ist er sich einig, dass das Land nun schnell handeln müsse: „Schon während der Corona-Pandemie waren die Kinder und Familien enorm belastet. Gerade sie brauchen jetzt die sicheren Angebote in Pädagogik und Betreuung.“