Zu der nördlich der Nordtangente gelegenen Fläche ist die Stadt Kamp-Lintfort zur Stellungnahme aufgefordert. Antragsteller ist Heidelberg Materials Mineralik DE GmbH, die gemeinsam mit der Firma Hülskens das Rossenrayer Feld großräumig auskiesen. Was als zeitlich absehbares Projekt begann, drohe nun zu einer unendlichen Geschichte zu werden, die städtische Entwicklungspläne blockiere, sagt die Stadt Kamp-Lintfort
Eigentlich läuft der aktuelle Rahmenbetriebsplan für den Tagebau Rossenrayer Feld Süd nach einer fast 25-jährigen Historie am 13. August 2027 aus. Doch statt des vereinbarten Endes hat die Betreiberfirma nun bei der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg eine Laufzeitverlängerung um weitere vier Jahre bis mindestens 2031 beantragt. In den bereits ausgekiesten Abschnitten 5, 6 und 7 sollen noch einmal rund acht Meter tiefer gegraben und zusätzliche 500.000 Kubikmeter Rohstoff gefördert werden.
Aus Sicht der Stadtverwaltung ist damit das Maß voll. Durch das ständige Nachschieben von Tieferauskiesungen werde der Tagebaubetrieb auf unbestimmte Zeit verlängert. Das Problem würde nicht nur die Stadt Kamp-Lintfort betreffen. Die Stadt kritisiert scharf, dass diese zusätzlichen Tiefenvolumina im offiziellen Abgrabungsmonitoring des Geologischen Dienstes überhaupt nicht korrekt erfasst werden würden. „Weil das Monitoring rein luftbildgestützt erfolgt, betrachtet es quasi nur die Oberfläche, übersieht aber die jeweilige Tiefe der Lagerstätten. Die Folge sind fehlerhafte Berechnungen der Versorgungszeiträume, die zu den Festlegungen neuer Auskiesungsflächen im aktuellen Regionalplan geführt haben“, heißt es. Nicht ohne Grund klagt die Stadt gemeinsam mit dem Kreis Wesel gegen den aktuellen Regionalplan.
Für die Kommune steht die eigene Planungshoheit auf dem Spiel. Denn Kamp-Lintfort hat ambitionierte Pläne: Da im Stadtgebiet dringend neue Gewerbe- und Industrieflächen benötigt werden und andere Standorte durch Restriktionen blockiert sind, sollen Teilflächen im Rossenrayer Feld als Erweiterung des Gewerbegebiets Nord Kamperbruch genutzt werden. Der in Aufstellung befindliche Flächennutzungsplan sieht genau diese zukunftsweisende Nachnutzung vor. „Doch solange die Bagger rollen und die anschließende Wiederverfüllung im Schneckentempo voranschreitet“, bleibe der Stadt der Zugriff auf ihr eigenes Territorium verwehrt.
Bürgermeister Christoph Landscheidt findet hierzu deutliche Worte: „Wir können und werden nicht akzeptieren, dass unsere kommunale Planungshoheit durch immer neue Salamitaktiken beim Abbau ausgehöhlt wird. Die Stadt braucht dringend Perspektiven für nachhaltige Gewerbeansiedlungen. Die Interessen der Bürgerinnen und Bürger sowie unsere städtebauliche Zukunft dürfen nicht dauerhaft hinter den Profitinteressen der Rohstoffindustrie zurückstehen.“
Neben den Planungsthemen sieht die Stadt bei dem aktuellen Antrag auch beim Thema Verkehr Probleme: „Das Unternehmen spricht in seinen Antragsunterlagen verharmlosend von‘keiner Änderung des Ist-Zustandes‘ und beziffert das Aufkommen mit rund 120 LKW-Fahrten für die Produktion sowie rund 100 für die Verfüllung.“ Die Realität sehe jedoch völlig anders aus: Eine Verkehrszählung der Stadt aus dem Jahr 2021 zeigt auf, dass der Tagebau tatsächlich 416 LKWs pro Tag generiere – was durch die Hin- und Rückwege insgesamt 832 LKW-Fahrten entspricht. Diese Diskrepanz sorgt aufseiten der Stadt für erhebliche Zweifel an den Betreiberangaben. Zudem wären die Straßen schon heute regelmäßig stark durch Erdreich und Staub verschmutzt; die vorhandenen Reinigungsmaßnahmen des Betreibers würden sich immer wieder als unzureichend erweisen und die Verkehrssicherheit gefährden.
Der Stadtentwicklungsausschuss berät heute über die offizielle Stellungnahme. Hier formuliert die Stadt gegenüber der Bezirksregierung ihr Anliegen, die gewerbliche Folgenutzung zu berücksichtigen. Zudem werden ein unabhängiges Verkehrsgutachten sowie der verbindliche Nachweis wirksamer Reinigungsmaßnahmen gefordert. „Ob die Genehmigungsbehörde die Anliegen und Bedenken der Stadt ernst nimmt, bleibt abzuwarten.“